Osteoporose – und wie man vorbeugen kann – Dr. Bachmann: Gute Muskeln sowie Vitamin D und Calzium helfen Knochen

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Dr. Jan Bachmann (Foto: Rolf Gebhardt)

„Osteoporose – muss das sein?“ So das Thema der „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus. Der Referent, der Heilbronner Orthopädie-Facharzt Jan Bachmann, konnte mit den neuesten wissenschaftlich-medizinischen Erkenntnissen aufwarten. Eine gute Woche zuvor war er Teilnehmer am „Osteologie-Kongress 2018“ in den Räumen des renommierten Deutschen Hygiene-Museums in Dresden, bei dem es um die aktuellen Entwicklungen in der Osteologie mit thematischen Schwerpunkten auf der Osteoporose ging. Dabei wurden, wie Dr. Bachmann berichtete, die muskulären Aspekte dieser Volkskrankheit, die primär mit Knochenschwund assoziiert wird, hervorgehoben.

In fortschreitendem Alter ist jeder Mensch genetisch von einem Abbau der Knochendichte und der Muskelmasse betroffen, konstatierte Bachmann..Nach herkömmliche Definition liegt Osteoporose vor, wenn deutlich niedrigere Knochenmasse vorhanden ist als für diese Personengruppe im statistischen Durchschnitt sein sollte. Knochen sind nun mal kein starres Gebilde, sondern ständig Auf- und Abbauprozessen unterworfen. Ab einem bestimmten Alter, wenn die maximale Knochendichte erreicht ist (so um das 30. Lebensjahr), ergibt sich naturgemäß ein Abbau. Das Heimtückische an der Erkrankung ist, dass Knochenschwund schleichend fortschreitet. Betroffene sind lange Zeit ohne erkennbare Symptome und merken erst meistens spät, dass etwas nicht stimmt, etwa, wenn starke Schmerzen auftreten oder gar erst, wenn es – nach einem Sturz – zu einem Knochenbruch gekommen ist, erklärte Bachmann..

Bei Osteoporose – wörtlich: poröse Knochen – handelt es sich um eine chronische Skelett-Erkrankung mit Knochenschwund. Knochensubstanz geht verloren durch krankhaft vermehrtem Abbau von Knochengewebe. Knochen werden im Krankheitsverlauf zunehmend porös, verlieren ihr Festigkeit und Stabilität, ihre mechanische Belastbarkeit verringert sich. Schon bei gewöhnlichen Belastungen oder leichten Stürzen kann es zu Frakturen kommen, wobei meist Wirbelkörper oder Schenkelhals betroffen sind.

Deshalb rät Bachmann insbesondere Frauen nach den Wechseljahren, darauf zu achten, ob sie durch Osteoporose gefährdet sind. Auch sollte man gewarnt sein, wenn Eltern Hüft- oder Schulterfraktionen hatten. Durch Knochenschwund eingetretene Verformung von Wirbelkörpern kann zu starken Rückenschmerzen führen, bis hin zu einem verkürzten Oberkörper und gekrümmter Haltung und den öfter bei älteren Frauen zu beobachtenden „Witwenbuckel.“ Osteoporose kann durch Röntgenaufnahmen und Knochendichtemessungen erkannt werden,.

Ein Osteoporose-Geschwister ist Sakroponie, der Verlust von Muskelmasse, wie nach Bachmanns Darlegung auf dem Osteologie-Kongress betont wurde. Mit fortschreitendem Alter kommt es zu einem zunehmenden Abbau von Muskelmasse und Muskelkraft mit einhergehenden funktionellen Einschränkungen. Muskeln sind Organe, die wesentlich zur Versorgung der Knochen mit Botenstoffen beitragen. Gefährdet sind da, wie schon länger bekannt, besonders Personen mit Untergewicht, die sowieso nicht viel Muskelmasse aufweisen.

Es kommt gerade im Alter darauf an, einen ersten Knochenbuch zu vereiteln, denn sonst sind weitere Brüche oft die Regel, erklärte Bachmann. Wichtig ist deshalb viel Bewegung, schon bei alltagsaktiven Tätigkeiten, etwa im Garten, und noch besser sportlich, ob flottes Spazierengehen oder Joggen, Yoga oder Tanzen, Gymnastik in Eigenregie oder in der Sportgemeinschaft. „Wer täglich 1000 Schritte tut, hat in 70 Lebensjahren über 200 000 km zurückgelegt“, rechnete Bachmann vor. Als wirksamste Methode nannte er Krafttraining zum Muskelaufbau, der auch noch im Alter möglich ist.

Während Blutgefäße die Gelenke mit Nährstoffen versorgen, fehlen bei Gelenken die Blutgefäße; Sie ernähren sich allein durch Bewegung, die Nährstoffe über die Gelenkschmiere in den Knorpel drückt. Muskeln und Knochen sind laut Bachmann angewiesen auf eine gute Versorgung vor allem mit Vitamin D und mit Calcium. Deren Depots sollten nicht „geplündert“, sondern regelmäßig aufgebaut werden.

Insofern lässt sich Osteoporose eigentlich recht gut behandeln, meinte Bachmann. Er empfiehlt deshalb viel Bewegung und vitaminreiche Kost, eventuell mit Nahrungsergänzungsmitteln. Sollte die Knochendichte weiter absinken, gibt es eine Reihe von Medikamenten, die dem Abbau von Knochengewebe vorbeugen oder entgegenwirken, etwa Bishposphonaten, doch gibt es noch kein erprobtes Knochenaufbaumittel. Zu hohe Östrogen-Gaben hingegen und auch verschiedene andere Arzneien können Osteoporose begünstigen.

 

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