Archiv für den Monat Mai 2018

Heilbronner Hütte ist ein beliebtes Tourenziel – Gerhard Schwinghammer berichtet über den alpinen Vorposten Heilbronns

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Heilbronner Hütte (Foto aus dem Vortrag)

Einige tausend Heilbronner haben sie schon aufgesucht – die „Heilbronner Hütte: der alpine Vorposten Heilbronns an der Landesgrenze von Tirol und Voralberg, oder – wie sie Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel bei einem Besuch nannte – „der 10. Stadtteil Heilbronns“. Dieses Glanzstück der Sektion Heilbronn des Deutschen Alpenvereins (DAV) stellte dessen journalistischer Sprecher Gerhard Schwinghammer im Hans-Rießer-Haus den „Jungen Senioren“ umfassend in Wort und Bild dar – die letzte Veranstaltung der Reihe 2017/18, die von der „Heilbronner Stimme“ auf der Terminseite als „Tpip des Tages“ mit Bild der Hütte angekündigt wurde.

Für Gerhard Schwinghammer war es gleich zu Beginn ein Anliegen, hinzuweisen,twie wichtig es für Vereine ist, „mit der Zeit zu gehen“. Dass die DAV-Sektion Sektion Heilbronn 16 000 Mitglieder zählt, verdanke sie permanenten Anpassung an neue Gegebenheiten, um ihre Zukunftsfähigkeit zu erhalten, mit passenden Angeboten für neue Zielgruppen. Nach wie vor gibt es jährlich Dutzende von Wanderausflügen und Skiausfahrten. Es ist aber auch eine Mountainbike-Abteilung entstanden mit sektionseigener Downhill- und Freeride-Strecke. Nachdem der Heilbronner DAV 2002 mit dem Bau der Kletterhalle „diekletterarena“ vorgeprescht ist (66 000 Nutzer 2017), kam der Kletterturm auf der Böckinger Viehweide und der Kletterturm im Rahmen der Öhringer Landesgartenschau hinzu, und in diesem Jahr geht es um den Bau eines neuen Alpin-Zentrums, der Boulderhalle. Auf der Bundesgartenschau 2019 wird erst recht ein attraktives Kletterangebot gemacht: eine beeindruckende Kletterwand, Kinder-Boulderbereich und Klettersteig.

Der Heilbronner Alpenverein steht aber, laut Schwinghammer, in der Öffentlichkeit vor allem für den „Heilbronner Weg“, eine anspruchsvolle Bergroute zwischen Alpenvereinshütten, und mehr noch für die „Heilbronner Hütte“. Die erste – „alte“ – Heilbronner Hütte entstand 1899 im Taschenjöchl in Südtirol, geriet im I. Weltkrieg ins Kriegsgebiet und alsbald darauf verloren. Als 1926 bekannt wurde, dass im oberen Schönverwall ein Stützpunkt fehlt, waren die Heilbronner Alpenvereinsler emsig zur Stelle. 1928 konnte der damalige Vorsitzende, Geheimrat Peter Bruckmann, eine „neue“ Heilbronner Hütte mit 16 Betten und acht Matratzen einweihen. Eingeführt als Skitourenhütte ist sie seit 50 Jahren auf Sommerbetrieb  konzentriert.

Es war ein langer arbeitsamer Weg bis zur heutigen „Edelhütte“  mit 40 Schlafplätzen in 9 Zimmern, 60 Schlafplätzen in 9 Lagern, 3 gemütlichen Gasträumen, Boulderwand, Sonnenterrasse, Warmwasserduschen, Stiefelraum mit Trockenschrank, Bikegarage, E-Bike-Ladestation und Kneippbecken; und neben dem Haupthaus (seit1996) ein Selbstversorgerhaus mit Aufenthaltsraum, Küche und 28 Schlafplätzen. Permanent fallen Arbeiten in und rund um die Hütte an. Die Errichtung einer Biokläranlage bescherte der Hütte das DAV-Umweltsiegel. Hüttenwart Volker Lang nutzte seine beruflichen Kontakte zur Wilhelm-Maybach- und Johann-Jakob-Widemann-Schule, die Klassenfahrten zur Hütte starteten und deren Schüler sich zu „Frondiensten“ einteilen ließen. Im Rahmen eines Totalumbaus ab 2011 sorgten Tischlerklassen der Johann-Jakob-Widmann-Schule in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Heilbronn-Franken für die Ausgestaltung des Gemeinschaftsprojekts Außenfassade, und die Schreinerklassen für die sorgfältige komfortable und moderne Ausgestaltung der Räume – „eine beispiellose Gemeinschaftsleistung von Lehrern, Lehrlingen und Handwerksmeistern“, wie es anerkennend in der Presse hieß. 

Gerhard Schwinghammer trug dazu bei, dass die Hütte immer wieder zu außergewöhnlichen Ereignissen genutzt wurde, so auch für einen Handwerkskammertag. 2002 begleitete er den Autor Günter Haug aus Leingarten zur Hütte, woraus ein „Hüttenzauber“-Krimi entstand. Mit Wolfgang Heiler, dem Bezirksvorsitzenden des Blinden- und Sehbehindertenverbands, organisierte er einen Hüttenausflug. Ab 2010 gab es „Lesertouren“ der Heilbronner Stimme, immer mit einer Mitmach-Aktion. Bei der „Stimme-Tour“ 2017 mit Chefredakteur Uwe Heer sowie dem Heilbronner Marketing-Chef Steffen Schoch, und Buga-Hauptgeschäftsführer Hanspeter Faas gestaltete die Tortenkünstlerin Steffi Biedermann u.a. eine Bundesgartenschau-Torte. In diesem Jahr finden gar zwei „Stimme“-Touren zur Hütte statt.

Die Heilbronner Hütte liegt auf 2320 m Höhe, also jenseits der Baumgrenze, unterhalb des Strittkopfs (2604m). Sie ist eingebunden im „Natura 2000-Gebiet Verwall“, größtes Schutzgebiet Voralbergs, das viele Wanderer von der Tafamuntbahn aus über den Wiegensee durchqueren. Und sie gehört zu den acht Hütten der Verwall-Runde. Die Hütte wird seit über 40 Jahren bewirtschaftet von der Familie Immler aus Gaschurn. Der 70jährige Hüttenwirt Fredi Immler, der auch eine große Skischule betreibt, ist dabei, den Betrieb an seine Tochter Olivia zu übergeben. Die Hütte, die in den letzten Jahren neben tausenden Tagesgästen über 5000 Übernachtungen zählte, ist in diesem Jahr vom 22. Juni bis 30. September geöffnet und bewirtschaftet. Sie ist gut zu erreichen von der Silvretta-Alpenstraße über die Alpe Verbella oder von Gaschurn-Partenen.