Der neue Dekan Christoph Baisch stellt sich vor – Ankommen und Aufbrechen: Heilbronner Weg-Gedanken

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Dekan Christoph Baisch (Foto: Rolf Gebhardt)

Zur Tradition bei den „Jungen Senioren“ gehört es, dass die erste Veranstaltung einer neuen Programmreihe im Hans-Rießer-Haus vom amtierenden Heilbronner Dekan mit einem Referat bestritten wird. Und so erging denn auch die Bitte an den im Juli ins Amt eingeführten neuen Heilbronner Dekan Christoph Baisch – als Nachfolger von Otto Friedrich – die Veranstaltungsreihe 2018/19 zu eröffnen. Gerne nahm Baisch diese Einladung an, zeigte sich allerdings überrascht, dass er damit quasi ein „Abo“ auf diesen Termin eingeht. In seinem ersten größeren offiziellen Auftritt als Heilbronner Dekan vermittelte er einen lebendigen Einblick in seinen bisherigen persönlichen und beruflichen Werdegang und einen Ausblick auf seine anstehenden Herausforderungen und seine Vorstellung von Kirche: „Heilbronner Weg-Gedanken“!
Die Beziehungen von aufbrechen und ankommen, ankommen und aufbrechen bedingen sich gegenseitig. Der Mensch ist geprägt von dem, was er erlebt hat, was die Gegenwart für ihn ausmacht und was vor ihm liegt. Diese Lebensumstände unterzog Christoph Baisch einer persönlichen Analyse. Er wuchs auf in einem Pfarrhaus in einer Gemeinde unweit von Schwäbisch Hall, studierte Theologie in Stuttgart, Tübingen, Berlin, Heidelberg und wieder Tübingen. Als einer aus den geburtenstarken Jahrgängen musste er – in Ulm – auf ein Vikariat in der württembergischen Landeskirche warten, das er in Heidenheim absolvierte. Dann Pfarrvikar in Hayingen auf der Münsinger Alb, wo er in einer selbstbewussten evangelischen Diaspora mit katholischem Übergewicht und bedeutsamer Fasnacht konfrontiert war.
1994 kam Baisch wieder nach in Heidenheim auf der Ostalb, wo er sich die Stelle mit seiner Frau – ebenfalls Theologin – teilen musste. „Nicht ganz einfach, mit gegenseitige Stellvertretung und einem kleinen Kind“, meinte Baisch rückblickend auf diese Zeit in einer Stadtrandgemeinde, mit Mietwohnanlagen und schönen Eigenheimen, mit suchenden Aussiedlern aus Russland und engagierten Altbürgern, also sozialer Brennpunkt und kreative Gemeinde. Zudem oblag ihm die Mitversorgung der kleinen örtlichen Justizvollzugsanstalt als Seelsorger – die Begegnung mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten. Außerdem war er Mitglied und später sieben Jahre Vorsitzender der württembergischen Pfarrervertretung, eine Aufgabe, die ihm nach eigenen Worten auch bewusst werden ließ, wie Konflikte unproduktive Kraft bindet.
2004 wurde Baisch geschäftsführender Pfarrer der gerade fusionierten Schwäbisch-Haller Gemeinde St. Michael und St. Katharina, mit einer halben Stelle für seine Frau Bärbel Koch-Baisch, die nach 14jährer Stellenteilung dann Oberin der Schwesternschaft im Diak Schwäbisch Hall wurde – gleichzeitig Wegfall der halben Pfarrstelle.
Nun, nachdem Baisch – zuletzt Dekan-Stellvertreter in Hall – Dekan in Heilbronn geworden ist, stellt ich für ihn (auch als Vater von drei erwachsenen Kindern) wieder die Frage, was eigentlich Heimat ist, zumal er in seinem Leben schon fünfzehnmal den Ort gewechselt hat, Jetzt also der Übergang von dem etwas behäbigeren Schwäbisch Hall in das geschäftige Heilbonn mit einer deutlich breiter gefächerten Bevölkerungsstruktur. Beides Städte mit reichem Kulturangebot, was Baisch besonders schätzt, und einer landschaftlich erfreulichen Umgebung, von den hohenlohischen Streuobstwiesen mitten in ein Weinbaugebiet, umrahmt von Wald und Flur, aber auch florierender Gewerbegebieten.
Dekan eines Kirchenbezirks mit 66 000 Kirchenmitgliedern in 26 Kirchengemeinden, von Bad Wimpfen bis Ilsfeld und Schluchtern bis Untergruppenbach, und einer starken Gesamtkirchengemeinde Heilbronn. Gleich zu Amtsantritt Befassung mit menschlichen Abgründen (Kinderpornofall) sowie kirchenstrukturellen und Immobilien-Angelegenheiten. Dabei natürlich die Frage, was wird mit dem Hans-Rießer-Haus,vertrauter Ort unzähliger Heilbronner für Chorproben, den Flohmarkt des CVJM oder auch für die „Jungen Senioren“. Laut Baisch erhalte eine notwendige Grundrenovierung wegen unabsehbaren Kosten von der Landeskirche keine Genehmigung, so dass also wohl nur ein Verkauf und ein Neuanfang übrig bleibe: ,kein Patentrezept“.
Für Baisch ist es jedenfalls wichtig, dass auch in diesem Fall keine tiefen Gräben entstehen sollen, genau so wenig wie bei mitunter unterschiedlichen Anliegen in Kirchengemeinden. Die Tradition, die Vertrautheit mit Bewährtem, solle ebenso ihren Platz haben wie ein Vorstoß etwa in neue Gottesdienstformen, „das Wagnis, Kirche neu zu erleben“., bevor auf Verengung und Vereinfachung ausgelegte Angebote außerhalb der Volkskirche deren Wahrnehmung drängender Zeitfragen untergraben. Angst vor und Abgrenzung gegen die gesellschaftspolitische Komplexität sei nicht hilfreich. Auch aus biblischer Weisung sei es der Kirche aufgetragen, über alle Zweifel hinaus ermutigende Zukunftsperspektiven aufzuzeigen und als einladende Kirche Beheimatung zu geben, bekräftigte Dekan Baisch.

 

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