Wie die Energiewende (nicht) zu schaffen ist – ZEAG-Vorstand Eckard Veil erläutert Probleme und Lösungsmöglichkeiten

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Eckard Veil (Foto: Rolf Gebhardt)

Die Energiewende ist eine beschlossene und weitgehend akzeptierte  Angelegenheit. Die ZEAG Energie AG , das Heilbronner Regionalversorgungsunternehmen, steht hinter der Energiewende und treibt ihr Angebot an erneuerbaren Energien bei Windkraft und Photovoltaikanlagen mit Engagement und Leidenschaft konsequent voran. Dies versicherte Vorstand Eckard Veil im Hans-Rießer-Haus bei den „Jungen Senioren“, benannte aber auch Probleme beim Ausbau, die mit politischen Zielsetzungen wie mit physikalischen Bedingungen zu tun haben.

Wie bekannt fördert die Bundesregierung erneuerbarer Energien, insbesondere Windkraft und Sonnenenergie, um den Wandel von den bisherigen Energieträgern Uran, Kohle, Öl und Gas hin zu erneuerbaren Energien zu unterstützen und somit vor allem auch den Klimawandel, ist doch die Verbrennung fossiler Energieträger  maßgeblich für die Entstehung schädlicher Treibhausgase verantwortlich. Doch in Deutschland, dass sich mit der beschlossenen Abkehr von der Kernenergie am nachhaltigsten für eine ökologische Wende eingesetzt hat, hinkt erheblich hinter den selbst – und von der EU – gesetzten Zielen her. Ausbau des Anteils erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch bis 2020 auf 18 Prozent und Senkung der CO2-Emissionen gegenüber 1990 um 40 Prozent. Mit weiteren ehrgeizigen Zielen im Klimaschutzplan 2050 soll(te) das Klimaschutzabkommen von Paris konkret umgesetzt werden, um die Erderwärmung – durch deutlich weniger Treibhausgasemissionen – auf unter zwei Grad zu begrenzen.

Wie Veil darlegte, tragen erneuerbare Energien zwar schon ein Drittel zum Stromverbrauch bei, doch macht dieser nur ein Viertel des gesamten Energiebedarfs aus. Bei Wärme und Verkehr beträgt der Anteil erneuerbarer Energien lediglich 13 bzw. fünf Prozent. Um den Wegfall von Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken auszugleichen, müsste der derzeitige Bestand an Photovoltaik- und Windkraftanlagen verzehnfacht werden. Im Jahr 2020 sollen in Baden-Württemberg laut Vorgabe der Landesregierung zehn Prozent des Stroms im Südwesten durch Windkraft erzeugt werden. 

Die ZEAG sieht sich als größter Windkraft-Betreiber in Baden-Württemberg. Außer dass sie in der Ostsee an einem Windkraftpark der EnBW beteiligt ist, betreibt sie im Harthäuser Wald 20 Anlagen, die 100 000 Tonnen Kohlendioxid im Jahr vermeiden helfen.  Windkraftwerke werden zwar als starker Eingriff in die Landschaft gesehen, doch werden dafür Ersatzgrundstücke zur Verfügung gestellt, und sie können sich später restlos abbauen lassen. Zudem erzeugen sie während ihrer meist 20 Jahre langen Laufzeit 70 mal so viel Energie, wie ihre Herstellung, Nutzung und Entsorgung verursacht. Auch im Photovoltaik-Bereich ist die ZEAG mit 90 Anlagen stark vertreten, zur Mehrzahl mit Bürgergenossenschaftsmodellen. Insgesamt sind in Baden-Württemberg  6000 Megawatt Solarzellen installiert, doch ist der Photovoltaik-Ausbau in den letzten Jahren stark ins Stocken geraten, da die Effektivität der Sonnenenergie geringer ist als die der Windkraft. 

Veil hob hervor, dass die sichere Verfügbarkeit der erneuerbaren Energien nicht gegeben ist. So können im Winter zwei Wochen lange „Dunkelflautenzeiten“ eintreten, während heute nur Puffer für wenige Stunden gegeben sind. Andererseits kann es im Strombereich Überkapazitäten von erneuerbarer Energien geben, was die Stromhändler unter Druck bringt und den Netzausgleich beeinträchtigt; gegebenenfalls können zur Sicherung der Netze Windkraftwerke gedrosselt oder abgeschaltet werden..

Überhaupt ist es schwierig, Erzeugung und Verbrauch zu koordinieren. So geht es darum, den im Norden im Überfluss vorhandenen  Windkraftstrom in den windarmen und verbrauchsintensiven Süden zu bringen, erst recht durch Verschärfung der Versorgungssituation nach Abschaltung der Kernkaftwerke Philippsburg 2019 und GKN II 2022. Dafür steht das Suedlink-Projekt, eine 700 km lange Stromautobahn, Erdkabeltrasse mit umständlichen Leitungsverlegungen und Bohrungen unter Straßen, Schienen und Gewässern. Kostenpunkt: Zehn Milliarden € bis zur Fertigstellung 2025. Der Wechselstrom der Windräder muss über 100e Millionen € teure Konverter umgewandelt werden in (beim Transport verlustfreieren) Gleichstrom und am Ende, so im 380 000- Volt-Umspannwerk in Leingarten-Großgartach wieder in Wechselstrom für die Netzverteilung.

Veil rechnet eher mitsteigenden Strompreisen. Auch wenn jetzt die EEG-Umlage (zur Förderung  erneuerbarer Energien) weiter von 6,79 au 6,405 Cent je KWh gesenkt werde, seien höhere Netzentgelte und Beschaffungskosten zu erwarten. Über die Hälfte des Strompreises machen Umlagen, Steuern und Abgaben aus, Netzentgelte ein Viertel, Stromerzeugung nur ein Fünftel.

Überdies sei noch ein erheblicher Netzausbau vonnöten. Die groß propagiert E-Mobilität sei mit den vorhanden Leitungsnetzen nicht zu machen, da sie durch die Einspeisung  von unzähligen E-Fahrzeugen total überlastet würden. Angesichts der unbefriedigenden Batteriespeicherung  brachte Veil die Wasserstofftechnologie (Brennstoffzellen) für den Mobilitätsmarkt zur Sprache.

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