Archiv für den Monat Dezember 2018

Älterwerden einzige Möglichkeit zum Überleben – „Junge Senioren“ feiern 30 jähriges Bestehen mit Clown Kampino

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Clown Kampino und Drehorgelspieler Siegfried Eltermann (Foto: Rolf Gebhardt)

„Junge Senioren“ sind seit langem ein Begriff für eine Veranstaltungsreihe, bei der sich jung und interessiert gebliebene Senioren aus Heilbronn und Umgebung treffen, zu anspruchsvollen Vorträgen und zum Gedankenaustausch bei Kaffee und Gebäck. Vor 30 Jahren wurde die Idee geboren, für vorzeitig aus dem Erwerbsleben Ausgeschiedene eine Art Seniorenakademie zu bieten, wo sie von kompetenter Seite Informationen zu den Gesellschaftsproblemen und aktuellen und historischen Ereignissen sowie Lebenshilfen für Gesundheit und Alltagsgeschehen bekommen können und gleichzeitig eine wisse Beheimatung. Dieses Format hat sich bewährt und laufend verbessert.

Zu dem kleinen 30jährigen Jubiläum der „Jungen Senioren“ konnte Karen Thanhäuser, Leiterin der Offenen Senioren- und Stadtteilarbeit des Diakonie-Kreisverbands Heilbronn, die zusammen mit ihrer Assistentin Sibylle Schanne quasi als Geschäftsstelle Hintergrundarbeit leistet, in ihrer Festansprache auch zwei Personen der ersten Stunde begrüßen: Richard Siemiatkowski-Werner, ihren Amtsvorgänger, und Elisabeth Pfister von der früheren Frauenarbeit. Sie verwies auch auf die unentbehrlichen langjährigen Verdienste von Ehepaar Kellner bei der Vorbereitung der Veranstaltungen (Bestuhlung, Eindeckung, Versorgung) und in der Küche.

Das Programm der „Jungen Senioren“, da von einem ehrenamtlichen Beirat organisiert wird (mit Kasse, Referentenbetreuung und Moderation ) findet von Anfang Oktober bis Anfang Mai montags ab 14.30 Uhr im Großen Saal des Hans-Rießer-Hauses statt und wird im Schnitt von jeweils über 70 „aktiven Jungsenioren“ besucht, darunter eine ganze Reihe von langjährigen treuen Teilnehmer/innen. Geschätzt wird auch die Berichterstattung über die Vorträge in Wort und Bild zeitnah im Internet (www.junge-senioren-heilbronn.de), mit doppelseitigen Ausdrucken zum  nächsten Termin und später zusammengefasst in einer Broschüre als Dokumentation.

Zur Jubiläumsfeier war der Clown und Unterhaltungskünstler Kampino eingeladen. Schon während des von Drehorgelspieler Siegfried Eltermann begleiteten Empfangs im Vorraum bei Getränken und Gebäck erfragte er sich die Vornamen der Anwesenden und glänzt nachher auf der Bühne mit einem phänomenalen Personen- und Namensgedächtnis, indem er während seines Programms zahlreiche der über 100 Senioren humorvoll wie alte Bekannte ansprach. Unvorhergesehen ließ sich ein bei seiner Oma in der ersten Reihe sitzender neunjähriger aufgeweckter Junge aufgrund vorwitzigen Bemerkungen gekonnt und belebend in die Bühnenschau mit aufnehmen. 

Dass sich hinter Clown Kampino mit Ludger Hoffkamp ein katholischer Theologe und Seelsorger sowie ein Gestaltpädagoge versteckte, zeigte sich, wie er seine verblüffenden Vorführungen, Improvisationen, Zaubertricks und Blödeleien mit philosophischen Anmerkungen, tiefgründiger und lebenskluger Art, garnierte. So bei der Gestaltung eines großen Puzzles – wie im richtigen Leben. Da geschehen so viel kleine und große Dinge, Unvorhergesehenes und Unerwünschtes, die den Rahmen sprengen, in den aber sich doch wieder alles einordnen lässt. Und Kampino gab den Jungsenioren einige Ratschläge und Weisheiten mit: Das einzig Konstante ist die Veränderung, der Wandel. Laut Untersuchungen leben Ehrenamtliche sieben Jahre länger, und sieben Jahre länger leben zudem Menschen mit Humor und positiver Lebenseinstellung. Das Leben nicht zu ernst nehmen; im Alter Kind bleiben oder werden. Und schließlich: Älterwerden ist die einzige Möglichkeit zum Überleben. –  Ein Nachmittag zum Staunen und Nachdenken!

Frauen haben es nicht leicht mit Genie-Männern – Ulrike Kieser-Hess über das Leben von Mileva, Katia, Cosima und Christiane

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Ulrike Kieser-Hess (Foto: Rolf Gebhardt)

Genies sind Zeitgenossen von höchster schöpferischer und geistiger Begabung. Nach klassischer Definition sind sie vollendete Menschen. Nun, sie sind Geistesgrößen in dem von ihnen dominierten Bereichen, doch bei den Herausforderungen des Alltagsleben eher normale Menschen. Das nicht unkomplizierte und oft gestörte Verhältnis von Frauen mit den ihnen angetrauten genialen, exzentrischen Männern schilderte bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus die Lauffener Journalistin Ulrike Kieser-Hess an vier markanten Beispielen in einer spannenden Art.

Zuerst befasste sie sich mit Albert Einstein, dessen Name zum Inbegriff für Genialität wurde. Als der am 14. März 1879 in Um geborene Sohn einer Fabrikantenfamilie im Herbst 1897 sein Studium am Züricher Polytechnikum antrat, lernte er Mileva Maric kennen, die einzige Frau in seinem Studienjahrgang. Sie, am 19. September 1875 geboren und aus einer wohlhabenden serbischen Familie aus der Vojvodina stammend,  erwies sich im Interesse an den Grundlagen der Physik mit Einstein ebenbürtig. 1902 brachte sie die gemeinsame Tochter Loiserl bei ihren Eltern zur Welt; deren Schicksal blieb rätselhaft. Nach einjähriger Trennung kam Mileva in die Schweiz zurück. 1903 heirateten die beiden; sie hatten zwei Söhne: Hans Albert (1904-1973) und Eduard (1911-1965). Mileva dürfte nicht ganz unbeteiligt an Einsteins Entdeckung der Relativitätstheorie 1905, die den unbekannten „schlamperten“ jungen Mann mit einer subalternen Stelle am Berner Patentamt über Nacht zu Weltruhm verhalf und 1921 zum Nobelpreis. Doch die Ehe kränkelte, und auch Einstein, der sich diesbezüglich von seiner Cousine Elsa Löwenthal betreuen ließ. Im Februar 1919 ließ sich Einstein von Mileva scheiden, versprach ihr das Preisgeld des Nobelpreises und heiratete kurz darauf Elsa, die zwei Töchter in die Ehe brachte. Mileva starb 1948 vereinsamt in einer schweizerischen Privatklinik, Einstein 1955 hochgeehrt in Princeton (New Jersey).

Katia Pringsheim wurde am 24. Juli 1883 als Tochter eines Mathematikprofessors und einer Schauspielerin geboren, wuchs in München mit vier Brüdern in äußerst wohlhabenden und liberalen Verhältnissen auf. Sie war die erste Frau in München, die Abitur machte und fühlte sich mit ihrer Lebenssituation sehr wohl, Als sie im Frühjahr den sieben Jahre älteren Thomas Mann kennen lernte, der es mit seinem 1901veröffentlichten Debutroman „Die Buddenbrooks“ zu nationalem Ruhm gebracht hatte, stimmte sie nur zögerlich einer Heirat im Februar 1905 ein. Aus der Ehe gingen in 15 Jahren sechs Kinder hervor: Erika (1905-1969), Klaus (1906-1949), Golo (1909-1994), Monika (1910-1992), Elisabeth (1918-2003) und Michael (1919 -1977). Bei  wiederholten Sanatoriumsaufenthalten Katias in der Schweiz blieben die Kinder launischen Dienstmädchen überlassen, was auch zu deren negativen Schulentwicklung beitrug. Katia war zeitlebens in Erziehungs- und  Haushaltsproblemen auf sich allein gestellt. Sie starb am 25. April 1980, altersdement, in Kirchberg /Zürich.

Cosima Wagner wurde am 24. Dezember1837 als uneheliche Tochter des Komponisten Franz Liszt und Gräfin Marie d’Agoult geboren. Im August 1857 heiratete sie Hans von Bülow, den Meisterschüler ihres Vaters, der sich schon als Dirigent und Pianist einen Namen gemacht hatte und ein glühender Verehrer von Richard Wagner (1813-1883) war. Auf der Hochzeitsreise besuchten sie Wagner in Zürich. Cosimas Zuneigung zu dem 24 Jahre älteren und kleineren Wagner wuchs von Begegnung zu Begegnung  Cosima, die bereits zwei Kinder hatte, wurde Wagners „Sekretärin“. Im April 1865 kam das gemeinsame Kind Isolde , zur Welt und 1867 Tochter Eva, worauf sie von Bülow verließ. Nach der Geburt von Sohn Siegfried im Juni 1869 ließ sie sich am 18. Juli 1870 scheiden und heiratete Wagner am 25.8. 1870. Sie wurde Herrin in Villa Wahnfried, organisierte die ersten Bayreuther Festspiele 1876, die sie bis 1908 leitete; ihr Sohn Siegfried übernahm die Leitung bis zu seinem Tod 1930. Mit Wagner teilte Cosima nicht nur die Liebe zur Musik, sondern auch den Antisemitismus, was zur Freundschaft mit Adolf Hitler führte. Sie starb 1930.

Die Putzmacherin Christiane Vulpius, geboren am 1. Juni 1765, lernte am 13.Juli 1788 den Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe kennen, als sie ihm eine Bittschrift für ihren studierenden Bruder überbrachte. Goethe war von ihr so angetan, dass er die 16 Jahre jüngere Frau sofort  in sein Haus am Frauenplan in Weimar aufnahm. In einer „Gewissensehe“ entstand eine Lebens- und Liebesgemeinschaft, die vom Weimarer Hof und der Gesellschaft abgelehnt wurde, erst recht von Goethes langjähriger Geistesfreundin Charlotte von Stein. Schon am 25. Dezember 1889 wurde Sohn August geboren, der als einziges Kind überlebte. Goethe heiratete Christiane erst am 19. Oktober 1806, nachdem sie sich wenige Tage zuvor tapfer gegen ins Haus eindringen wollende siegreiche französische Soldaten gestellt hatte. Die lebensfrohe, Theater liebende und praktisch veranlagte Christiane übersah auch Goethes Techtelmechtel bei seinen oft monatelangen Kuraufenthalten in böhmischen Bädern. Sie verstarb nach Schlaganfall am 6. Juni 1816. Goethe nahm zwar nicht an der Beerdigung teil, nannte aber Christiane „der ganze Gewinn meines Lebens“.