Archiv für den Tag 7. Januar 2019

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ – Die Gedanken des Heilbronner Prälaten Harald Stumpf zur Jahreslosung 2019

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Prälat Harald Stumpf (Foto: Rolf Gebhardt)

Es ist guter Brauch bei den „Jungen Senioren“, dass der Heilbronner Prälat bei der ersten Veranstaltung im neuen Jahr im Hans-Rießer-Haus- die jeweilige Jahreslosung auslegt. Prälat Harald Stumpf wies eingangs darauf hin, dass die Jahreslosung immer drei Jahre im Voraus von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft „Bibellesen“ festgelegt wird. Die Vertreter aus evangelischen und katholischen Werken aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wählen die Jahreslosungen aus vorgeschlagenen Bibelversen aus, also kein Losverfahren. Alle Zitate müssen im Bibelleseplan für das betreffende Jahr vorkommen und dürfen zehn Jahre lang nicht in den Jahres- oder Monatssprüchen vorgekommen sein und außerdem nicht aus den Wochensprüchen stammen.

Unter diesen Umständen sei es erstaunlich, so Stumpf, wie die im ökumenischen Prozess herausgefilterten Jahreslosungen doch treffend in die aktuelle Zeitgeschichte passen, so auch und gerade bei der Jahreslosung 2019. In der vorgetragenen Interpretation bezog sich Stumpf weitgehend auf seine entsprechenden Darlegungen in seinem druckfrischen Neujahrsbrief 2019, der Verantwortlichen in der Politik. in Wirtschaft und Gesellschaft, Pfarrerinnen und Pfarrern, haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden in unserer Kirche und ihrer Diakonie, Gesprächspartnern und Wegbegleitern gewidmet ist.

Daher authentisch nachstehend der Wortlaut von Prälat Harald Stumpf: 

Mit der ökumenischen Jahreslosung 2019 grüße ich Sie herzlich und wünsche Ihnen ein gesegnetes und behütetes Jahr.

Suche Frieden und jage ihm nach!  (Psalm 34,15) 

Sechs kurze Worte, die es in sich haben. 

Im vergangenen Jahr wurde viel vom Frieden geredet in einer friedlosen und leidzerrissenen Welt. Die Friedensbemühungen der Weltmächte waren groß, aber bedauerlicher Weise konnte oft nicht einmal eine ausgehandelte Waffenruhe eingehalten werden, geschweige denn, stabiler Friede einkehren.

Das Titelbild zur Jahreslosung, das ich ausgesucht habe, zeigt bunte Menschen, die von Sprache und Herkunft sehr unterschiedlich sind – man kann Schriftzeichen aus vielen Kulturen erkennen, hebräische, griechische, lateinische, arabische und chinesische Schriftzeichen.

Die Menschen so bunt und unterschiedlich, wie Gottes Schöpfung vielfältig und bunt ist.

Toleranz, Integration und Inklusion waren m vergangenen Jahr in Kirche und Gesellschaft herausfordernde Themen, die uns weiter beschäftigen werden und unseren ganzen Einsatz erfordern.

Frieden muss man suche, sich auf die Lauer legen, Fährten aufspüren, Möglichkeiten erhoffen und dann entschlossen mit ganzer Kraft verfolgen, ja, dem Frieden nachjagen.

Im Gespräch mit den Besetzungsgremien in den Kirchengemeinden wurde immer wieder der Wunsch geäußert, dass Pfarrerinnen und Pfarrer mit großer Integrationskraft die verschiedenen Glaubensüberzeugungen und geistlichen Traditionen in einer Gemeinde zusammenhalten sollten, damit Friede und Einheit einkehren und das Licht des Evangeliums ausstrahlt. Auch von der Landessynode und der Kirchenleitung wird diese Integrationskraft erwartet.

Es gibt eine große Sehnsucht nach Frieden und Eins-sein in unserer Kirche, in Gesellschaft, in der Öffentlichkeit. Wir sehnen uns danach, im Einklang zu sein – mit uns selbst, mit unserem Leben, mit unseren Umständen in Familie, Partnerschaft und Beruf.

Der hebräische Begriff ,Schalom‘ hat eine größere Bedeutung als das deutsche Wort ,Frieden‘, das überwiegend als Abwesenheit von Streit und Krieg verstanden wird. Der hebräische Ausdruck meint so etwas wie ,umfassendes Wohlergehen‘, dazu gehört das gute Miteinander als auch das Wohlbefinden an Leib und Seele. Das ,Zu-frieden-sein‘ – das wir als Geschenk begreifen.

Als Prälat war ich im vergangenen Jahr in vielen Konfliktsituationen, sowohl in Gremien als auch in Kirchengemeinden, involviert und musste in großer Rollenklarheit zu vermitteln suchen. Mir wurde immer deutlicher, dass Friede ein kostbares Geschenk ist. Trotz professioneller Beratungs- und Vermittlungsprozessen ist es uns unverfügbar, ob tatsächlich Friede einkehrt in einer Gemeinde bzw. bei den Konfliktparteien. . . . 

Wir sind nicht allein gelassen bei der Suche und bei der Jagd nach Frieden. . . . Christus am Kreuz, – ,Er ist unser Friede.‘ . . . Der auferstandene Jesus begegnet seinen Jüngern mit dem Zuspruch: Friede sei mit euch!

Für das neue Jahr 2019 wünsche ich mir viele ,Friedens-Sucher‘, ,Friedens-Stifter‘, die mit ungeteilter Aufmerksamkeit dem Frieden nachjagen. Jede und jeder an dem Platz, an dem er oder sie gestellt ist.  . . . 

Selig sind die Frieden stiften, denn sie sollen Gottes Kinder heißen. (Matthäus5,9)