Archiv für den Tag 11. März 2019

Wenn Ersatz von Knie- oder Hüftgelenk nötig ist – Klinik-Direktor Prof. Dr. Michael Haake über sinnvolle Endoprothesen

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Prof. Dr. Michael Haake (Foto: Rolf Gebhardt)

Wir Menschen werden immer älter, aber mit dem Alter nehmen auch Abnutzungserscheinungen zu: Es entsteht Arthrose – aus einem Missverhältnis von Beanspruchung und Belastbarkeit des Gelenks. Dem Gelenkverschleiß kann man begegnen mit einem „Ersatz“ durch Endoprothesen, insbesondere für Knie und Hüfte. Wann sind solche Endoprothesen sinnvoll und wie funktionieren sie? Darüber wurden die „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus aufgeklärt durch Prof. Dr. Michael Haake, Direktor der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie, Wirbelsäulenchirurgie und Schmerztherapie am SLK-Klinikum am Plattenwald, in Bad Friedrichshall, einem zertifizierten und ausgezeichneten Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung: ein Neubau mit 120 Betten und vier Operationssälen, zehn Oberärzten und 18 Assistenzärzten, die jährlich 4200 Patienten versorgen.

Der 56jährige Klinik-Direktor Haake, Hauptoperateur und Facharzt zusätzlich für Spezielle Orthopädische Chirurgie, hat viele endoprothetische Operationen aller Schwierigkeitsgrade durchgeführt. Wenngleich ein gewiefter Operateur weiß auch er, dass nicht bei jedem Gelenkverschleiß gleich eine Operation – Implantation einer Gelenkprothese – erfolgen muss, sondern mitunter erst einmal eine „konservative“ Behandlung angebracht ist, beispielsweise Krankengymnastik und Physiotherapie, auch schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente sowie orthetische Hilfsmitte wie Bandagen oder Spezialschuhe. 

Natürlich sei es gut und hilfreich, sich viel zu bewegen, also seine Muskeln und damit auch Gelenke und Knochen durch möglichst gleichmäßig Belastungen gut zu trainieren und so mit Sauerstoff und Durchblutung zu versorgen. Aber der Mensch hat  die genetische Veranlagung,zum altersbedingten Verschleiß. Und da lassen sich heute auch im fortgeschrittenen Lebensalter dank moderner Operations- und Narkosetechniken sichere und fast risikofreie Operationen durchführen, erklärte Haake.

Ein Mensch macht im Lauf seines Lebens Millionen von Schritten, tagtäglich beugt er sein Knie hunderte Male, und dabei trägt das größte und komplexeste Gelenk das Sieben- bis Achtfache des Gewichts, riskant bei zu viel Übergewicht, so Haake. Das Kniegelenk könne beeinträchtigt sein durch objektive Kriterien wie  erhebliche Achsabweichungen („X-Beine“) oder Fehlstellungen zwischen Oberschenkel und Kniescheibe. Neben diesem anlagebedingten Verschleiß trete vermehrt funktions- und vor allem altersbedingte Kniegelenkarthrose auf. Wenn man immer schlechter laufen kann, Ruhe- und Nachtschmerzen auftreten, regelmäßige Schmerzmedikamentation nicht mehr hilft, die Lebensqualität also stark beeinträchtigt ist, rät Haake zur Operation: „Man sollte nicht zu lange abwarten, um den Operationserfolg nicht zu gefährden.“.

„Mit Knieprothesen kann die Funktion des natürlichen Gelenkes gut wiederhergestellt werden“, versicherte Haake. In der Regel werde nur die abgenutzte Knorpeloberfläche ersetzt und möglichst viele Knochen erhalten; die Kniescheibe bleibe immer drin. Die Innen- und die Außenseite des Gelenks mit einer bikondylären Prothese ersetzt. Bei der innenseitigen Arthrose reiche der Gelenk-Teilersatz eines Drittels des Kniegelenks mit der sogenannten Schlittenprothese. Der Zugang erfolgt  über einen Schnitt an der Vorderseite des Kniegelenks. Knieprothesen werden mit Knochenzement dauerhaft am Knochen fixiert.  

Vor der Operation wird der allgemeine Zustand des Patienten abgeklärt sowie Arthrose-Ausmaß, Kniestabiltät, eventuelle Fehlstellung, dann Anästhesie-Vorstellung, OP-Plan; nach Operation eine Woche bis zehn Tage Klinik-Aufenthalt mit anschließender dreiwöchiger Reha und weitere regelmäßige Untersuchungen bei Orthopäden. Bereits am Tag nach der OP sollte sich der Patient um eine frühe Mobilisation durch Physiotherapeuten bemühen und alsbald das selbstständiges Treppensteigen erlernen.

Haake wies darauf hin, dass die häufig verwendeten und bewähren Prothesen eine lange Standzeit erwarten lassen: „Nach zehn Jahren funktionieren noch über 95 Prozent der Prothesen“, so Haake, der aber auch betonte, dass Prothesen einer hohen Belastung ausgesetzt und Verschleiß unterworfen sind. 

Das für Knie Gesagte, trifft auch weitgehend zu auf den Ersatz des Hüftgelenks mit einer Hüftgelenkprothese. „Diese gelingt so gut wie immer“; bekräftigte Haake. Nach 15 Jahren seien noch 80 der Prothesen intakt. Eine endoprotethische Versorgung des Verschleißes des Knorpelüberzugs am Hüftgelenk erfolge erst, wenn Röntgenaufnahmen ein entsprechendes Ausmaß des Hüftgelenkverschleißes dokumentiere. Vielfach werde bei betagten Patienten ein Oberschenkelhalsbruch mit dem Einsatz einer  Hüftendprothese behandelt. Haake sprach von zementfreier Verankerung der Pfanne und des Hüftschafts wie  von zementierten Prothesen sowie von Hybridsystemen. Verwendet werden Kugelköpfe und Pfannen-Inlays verschiedener Größen und für den Körper unbedenklicher Materialien, also Metall (Edelstahl, Titan), Kunststoffe (Polyäthylen) und Keramik. Haake machte aber auch deutlich, dass Patienten nicht erwarten sollen, sich nach Einbau von Prothesen besser bewegen zu können als zu ihren  guten Zeiten ohne solche.