Sprichwörter und Redensarten als Kulturgut – Bildungsreferentin Sarah Peters erläutert deren Herkunft und Bedeutung

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Referentin Sarah Peters (Foto: Rolf Gebhardt)

„April, April – er weiß nicht, was er will.“ 1. April, kein wetterwendiger, sondern ein wunderschöner sonniger Frühlingstag. Da werden die „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus nicht „in den April geschickt“, sondern nett unterhalten von Sarah Peters über Sprichwörter und  Redensarten, deren Bedeutung und Herkunft die 28jährige Bildungsreferentin an der Tagungsstätte Löwenstein, zuständig für das Kreisbildungswerk, anschaulich vermittelt.

„Wie viel ärmer wäre unsere Sprache ohne Sprichwörter und Redensarten“, konstatierte Peters eingangs und erklärte auch sogleich ihre Unterschiede: Sprichwörter bestehen aus kurzen, selbstständigen Sätzen, in Vers oder Prosa, haben häufig einen lehrhaften, belehrenden Unterton. Redensarten hingegen bestehen in der Regel lediglich aus einem Satzteil, wenigen Worten, kurz, prägnant, lakonisch. 

Beiden Wortspielen ist gemein, dass man sie immer wieder im täglichen Sprachgebrauch verwendet, dass man ihnen auch laufend begegnet, in der Unterhaltung oder in den Medien. Sie würzen Rede und Schrift, betonte Peters. Man nimmt sie als selbstverständlich hin, als Erklärung oder Unterstreichung des Gesagten, sie erleichtern das Verständnis von Sachverhalten. Zumeist weiß man nicht, woher sie kommen. Sie sind halt allseits bekannt, sind kurze volkstümliche Aussagen, die oft über Generationen überliefert sind. Die Sinnhaftigkeit ihrer Ausdruckskraft ersetzt mitunter lange Ausführungen. Sie beschreiben in der Regel eine Lebenserfahrung, die sich fest im Wortschatz der Sprache etabliert hat. Peters: „Sprichwörter und Redensarten werden nun einmal oft und gern verwendet und gehören zu unserm Kulturgut.“ 

Sarah Peters machte aber auch gleichzeitig darauf aufmerksam, dass das, was wir als „Native-Speaker“ so lapidar in bestimmten Situationen anwenden, von uns geben, von Fremdsprachlern in der Übersetzung nicht immer so verstanden werden kann. Sprichwörter und Redensarten gibt es zwar wohl in allen Sprachen, doch sind sie oft sehr spezifisch, mit bestimmten Symbolen aufgeladen. So haben wir Deutsche gegebenenfalls „einen Frosch im Hals“, die Franzosen jedoch gleichzeitig „eine Katze im Hals“. Allerdings gibt es aber auch eine ganze Reihe von Redewendungen, die sich wortwörtlich zutreffend übersetzen und verstehen  lassen.

Oft sind es bestimmte Erkenntnisse oder Vorfälle, die einen sprachlich mit einem Sprichwort reagieren lassen, sagte Peters, etwa: „Da brat mir einer einen Storch!“ Eventuell noch mit dem Zusatz: „und die Beine recht knusprig.“ Es ist dies eine Aussage der Verwunderung oder auch der Verärgerung, wenn man plötzlich was unerhört Neues sieht oder erfährt. Es muss ja schließlich schon was ganz Ausgefallenes sein, bevor man den Gedanken haben kann, einen solchen Vogel – der als Glücksbringer gilt und als Symbol der Fruchtbarkeit – braten und essen zu wollen. Oder: „Da geht mir ein Licht auf!“ Das sagt man, wenn man plötzlich was begreift, was man vorher nicht verstanden hat, und nun die Erkenntnis kommt, wie man eine anstehende Aufgabe lösen kann. Oder man stellt fest, „wie Schuppen von den Augen fallen“, wenn man plötzlich die Wahrheit erkennt, plötzlich Zusammenhänge durchschaut, die von vorher nicht gesehen hat, vorher undurchsichtige Sachverhalte auf einmal klar durchschaut. Und wo kommt dieser Spruch her? Wie der mit Licht aufgehen,, aus der Bibel, aus der Apostelgeschichte; nach der Erblindung von Paulus heißt es: „Und alsbald fielen von seinen Augen wie Schuppen, und er ward wieder sehend.“ 

Sarah Peters brannte ein ganzes Feuerwerk von Sprichwörtern und Redewendungen ab und ließ die Zuhörer/innen raten, was wohl aus der Bibel stammen könnte. Und da wurde man schnell fündig: „Jemandem sein Herz ausschütten“, „wes des Herz voll ist“. Dann: „vom Scheitel bis zur Sohle“, „ein Auge auf jemanden werfen“, „wie Sand am Meer“, „sich etwas zu Herzen nehmen“, „in die Wüste schicken“, „Perlen vor die Säue werfen“, „Wolf im Schafspelz“, „ein Herz und eine Seele“,  „in jemandes Fußstapfen treten“, „die Wurzel allen Übels“, „ein Dorn im Auge sein“, „etwas wie seinen Augapfel hüten“, das wächst mir über den Kopf“, „den Kopf hängen lassen“. Viele solcher Bibelzitate haben ihre Sprachgewalt auch durch Martin Luthers Übersetzungskunst und Sprachgewalt bekommen, meinte Peters.

Reale Ursprünge haben Sprüche wie: „Auf dem Holzweg sein“ (einen von Forstleuten angelegten Weg in die falsche Richtung – in die Irre – verfolgen) oder „alle Fäden in der Hand halten“ (in der Weberei oder beim Marionettenspiel) oder „wenn einem die Felle davon schwimmen“ (Kürchner, die Felle am Wasser reinigen, bei deren Verlust sie ruiniert sein können). Peters machte auch Anleihen in der Antike: „Jemanden becircen“ – Circe, die Tochter des Sonnengottes Helios, die Männer zu Schweinen machte. Und Peters gab Beispiele aus dem Mittelalter: „In die Bresche springen“, „den Löffel abgeben“, „es brennt mir auf den Nägeln“ „das geht auf keine Kuhhaut“  – Schuld(en), die der Teufel auflistet. Und schließlich auch Handlungsanweisungen und Motivationen: „Morgenstund‘ hat Gold im Mund“, „der frühe Vogel fängt den Wurm“  oder „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ – wobei gegebenenfalls auch das Gegenteil richtig sein kann, so Sarah Peters. 

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