Vom ersten Frühlingsboten und seinem Gesang – Nabu-Vogelexperte Norwin Hilker über den Vogel des Jahres, die Feldlerche

2019-04-08_JuSen_07_1akl

Vogel des Jahres? Seit 1971 wählt der Naturschutzbund Nabu, der älteste und mitgliederstärkste Umweltverbund Deutschlands, den „Vogel des Jahres“, auch um auf den besonderen Schutz dieser Art aufmerksam zu machen. In diesem Jahr steht die Feldlerche im Mittelpunkt. Der Nabu-Vogelexperte Norwin Hilker aus Cleebronn informierte im Hans-Rießer-Haus die „Jungen Senioren“ in Wort, Bild, Film und Ton über die Feldlerche, die im allgemeinen in unseren Breiten als der erste Frühlingsbote gilt und mit ihrem „Himmelsgesang“ die Naturliebhaber erfreut.

Die Lerche galt immer als „Allerweltsvogel“. So schrieb Johann Friedrich Naumann (1780-1857), der Begründer der wissenschaftlichen Vogelkunde Mitteleuropas, über die Lerche:  „Größer und schlanker als ein Sperling, doch ist dieser Vogel so geläufig, dass niemand ihn übersehen kann.“ Heute aber ist die Lerche längst nicht mehr jedem geläufig, sondern gehört zu den gefährdeten Arten. Hat die Ausrufung zum Vogel des Jahres der betreffenden Spezi in der Vergangenheit meist sehr geholfen, so war die Nominierung der Feldlerche bereits 1998 zum Vogel des Jahres wenig hilfreich. Wie Hilker mitteilte, hat sich vielmehr der Bestand der Feldlerche in den vergangenen 25 Jahren um ein Drittel vermindert, gibt es nur noch weniger als zwei Millionen Brutpaare in Deutschland. Es ist also als Alarmsignal zu verstehen, dass der Nabu für 2019 die Feldlerche erneut zum Vogel des Jahres erkor, weil ihr Lebensraum immer stärker eingeschränkt ist. Die Schutzbedürftigkeit gilt stellvertretend auch für andere Feldvögel wie Kiebitz und Rebhuhn, sagte Hilger.

Es ist gar nicht so leicht, Feldlerchen in der Natur auszumachen. Hilker zeigte in einem Video, wie die Feldlerche ganz versteckt und kaum erkennbar in niedrigen Gewächsen in Feldfluren agiert. So braucht man schon Geduld und ein gutes Auge, den eher unscheinbaren 16 bis 18 cm langen Vogel zu entdecken. Die Feldlerche ist gut getarnt mit rötlich-braunem Gefieder an der Oberfläche. Als Schmuck können eine kleine Federhaube am Kopf sowie feine schwarzbrauner Längsstreifen an Oberkopf, Rücken und Bürzel gelten. Die Federn an Brust und Flanken sind gelblich-weiß oder sehr hell-bräunlich gefärbt. Immerhin hat der hochbeinig wirkende Vogel ein weißes Bauchgefieder und einen bräunlich gefärbten relativ langen Schwanz. 

Feldlerchen sind ausgesprochene Bodenbrüter. In der Balz tiriliert das Männchen auf einer Anhöhe, um Weibchen anzulocken und macht ihr dann am Boden hüpfend mit zitternden Flügeln und wackelndem Schwanz seine Aufwartung  Die erste Brut erfolgt meist im April, bevorzugt auf trockener ebener Fläche mit niedriger Vegetation. Das Weibchen scharrt eine wenige Zentimeter tiefe Mulde und polstert den Nestbau mit Wurzeln und Halmen. Es legt dann einige Tage hintereinander jeden Tag ein Ei, insgesamt so zwei bis sieben Eier. Ist das Gelege vollständig beginnt das Brüten. Die Kleinen sind nach knapp drei Wochen flügge. Wenn die Bedingungen stimmen, brüten die Weibchen auch ein zweites oder drittes Mal. Vor Wintereinbruch verlassen die Lerchen unsere Gefilde, überwintern oft in Südfrankreich oder auch nur in Südengland.

Feldlerchen gehören nun mal zu den sogenannten Zivilisationsfolgern, und so leiden sie nun erheblich unter der intensivierten Landwirtschaft, wenn die Felder mit Gülle gedüngt oder mit Pestiziden bespritzt werden. Oder ihre Nester werden bei unzeitigem Befahren der Felder und Wien zerstört. Die Ausbreitung von Raps- und Maisfeldern und der Anbau von Wintergetreide nehmen ihnen die Lebens- und Nahrungsgrundlage.In der kühleren Jahreszeit eigenen sich große Stoppelfelder und Flächen, die sich nach der Ernte selbst begrünen, gut für die Futtersuche. Im beginnenden Frühjahr erbeuten sie kleine Tiere, Insekten und deren Larven, Spinnen, Regenwürmer, kleine Schnecken – also eiweißreiche tierische Kost für die Brutsaison. Feldlerchen haben also ihr Revier gerne auf extensiv genutzten Wiesen und Weiden, auf Heiden und Mooren, auf Ödland und unbefestigten Wegen. Gerade auch das rasante Insektensterben trägt zur Gefährdung ihrer Art bei. Und so macht sich denn auch der Nabu stark für Biolandbau, Biotope und „Lerchenfenster“. 

Was die Feldlerche so interessant macht, ist ihr Gesang. Schon beginnend in der Morgendämmerung. Es sind die Männchen, die im Steig- und Singflug – bis zu 200 m Höhe fliegen, wo sie oft nicht mehr zu sehen sind, minutenlang über ihr Revier kreisen, trillernde, zirpende und rollende Laute in rascher Folge rhythmisch wiederholen. So melodisch, dass man von manchen Mädchen sagt, sie singen so schön wie eine Lerche.

Der Lerchengesang hat auch Eingang gefunden in großer Musik und Literatur, wie Hilker darlegte. Am bekanntesten bei dem berühmtesten Liebespaar Romeo und Julia von Shakespeare, wo sie sagt, „Willst du schon gehen? Der Tag ist ja noch so fern.“ Denn Julia meint zum Vogelgesang: „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche“. Aber der unglückliche Romeo weiß es besser: „Es war die Lerche und nicht die Nachtigall!“. Und darüber das heitere Trauerspiel von Ephraim Kishon „Es war die Lerche“. Schließlich die  Operette von Franz Lehar von 1918 „Wo die Lerche singt“ und ein gleichnamiger Spielfilm von 1956.

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