Archiv für den Monat Mai 2019

Das Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Waldenburg – „Junge Senioren“ angetan von Abschlussausflug ins Hohenloher Land

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Zum Abschluss eine Exkursion der Jungen Senioren (Foto: Rolf Gebhardt)

Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe 2018/19 der „Jungen Senioren“ ergab sich wieder ein interessanter Informationsausflug, diesmal quasi eine Wiederholung der beliebten Exkursion von vor zwei Jahren, nämlich ins Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Waldenburg. Wiederum wurde die Fahrt geleitet von Beiratsmitglied Kurt Pöhler, ein braver Freund und Förderer der Waldenburger Einrichtung, der kenntnisreich in rühriger Weise den Busfahrer von Hofmann-Reisen durch die heimischen Lande dirigierte. Pöhler unterhielt nicht nur mit Anekdoten und Gedichten, sondern  machte auch auf Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten entlang der Stecke aufmerksam.

Besichtigung war erst einmal angesagt im Ortskern des Luftkurorts Waldenburg, Der Bus hielt am Marktplatz, wo der Phönixbrunnen von Hermann Koziol an die Zerstörung Waldenburgs im April 1945 erinnerte, aber auch an den Wiederaufbau. Die Evangelische Stadtkirche verdient natürlich einen Besuch, 1594 im Renaissancestil als Hallenkirche errichtet und danach mehrmals umgebaut. Ein Kleinod der bildreiche „Konfessionshochaltar“ aus dem Jahr 1653,  in dem 1971 die umgebaute und erneuerte Ehrlich-Orgel Weise eingefügt wurde. Dann die aus dem 17. Jahrhundert in der Art zeitgenössischer Volkskunst bemalte Steinkanzel, die in vier Tafeln mit Szenen aus  dem  Alten und dem Neuen Testament zeigt,. Faszinierend das große farbige Kirchenfenster (2003) mit den acht Seligpreisungen aus der Bergpredigt,  dargestellt in acht Medaillons mit Hände-Motiven, und das kleinere Glasfenster „Geheimnis des Glaubens“, aus der Waldenburger Werkstatt der Glaskünstler Prof. Hans Gottfried von Stockhausen bzw. Ada Igensee. 

Nicht zu übersehen auch die Grabdenkmale, so das des letzten Grafenpaars Philipp Gottfried Graf von Hohenlohe und seiner Gemahlin, mit dessen Tod 1679 die evangelische Waldenburger Linie des Hauses Hohenlohe ausgestorben ist. Seit 1679 residiert im nahen Schloss, das gründet auf einer mittelalterlichen Burg, eine katholische Linie, die dort Ende des 18. Jahrhunderts katholische Schlosskirche erbaute. Man schaute auch ergriffen in 65 Meter Tiefe des aus dem 15. Jahrhundert stammenden Brunnen. Und es blieb noch Zeit, von der Stadtmauer aus dem 15.Jahrhundert herunter zu blicken auf die vielgestaltige Hohenloher Ebene und den Beginn des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald, um sich zu vergewissern, dass das auf einen 500 m hohen Bergsporn gelegene Bergstädtchen mit Recht  den Namen „ Balkon Hohenlohes“ trägt.

Und schließlich das Kinderdorf Waldenburg: Im großen Saal des Zentralgebäudes warteten schon schön gedeckte Tische für Kaffee und Kuchenauswahl auf die rund 50 „jungen Senioren“, die von Wolfgang Bartole herzlich begrüßt wurden. Bartole, in Heilbronn-Horkheim wohnhaft, ist seit fast 20 Jahren Vorstand des Albert-Schweitzer-Kinderdorf e.V., zuständig für Wirtschaft und Finanzen. Nach einem Einführungsfilm informierte er über die Einrichtung und beantwortete Nachfragen. Angefangen hatte alles Mitte der fünfziger Jahre, als die 1883 geborene Margarete Gutöhrlein, nach einem bewegten Legen in Schwäbisch-Hall sesshaft geworden, sich berufen fühlte, benachteiligten Kindern eine Familienheimstätte zu bieten. Angetan von dem Leitgedanken des philosophischen Hauptwerk Albert Schweitzers „Ehrfurcht vor dem Leben“ gelang es ihr, den Humanisten und Tropenarzt, der gerade 1954 den Friedensnobelpreis erhalten hatte, als Namenspatron zu gewinnen. Die Stadt Waldenburg stellte am Westrand der Gemeinde ein drei Hektar großes waldiges Grundstück zur Verfügung. Aus dieser Initiative entwickelten sich seit gut 60 Jahren die Albert Schweitzer Kinderdörfer und Familienwerke mit insgesamt 19 Einrichtungen und Pflegeplätzen für über 900 Kinder.

Im Albert-Schweitzer-Kinderdorf sollen und können vom Jugendamt zugewiesene Kinder aus sozial problematischen Familien Aufnahme in einen familiären Umfeld finden. Im Waldenburger Kinderdorf stehen 49 Kinderpflegeplätze in großzügigen Familienhäusern zur Verfügung, in denen jeweils bis zu sieben Kinder (bis 13 Jahre) aufgenommen werden, betreut in erster Linie von einer ausgewählten Pflegemutter mit sozialpädagogischer Ausbildung, die mit ihrem (anderweitig berufstätigen) Ehemann in der Regel auch noch bis zu drei eigene Kinder in den Haushalt einbringen. Es geht darum, den oft traumatisch belasteten Kindern familiäre Geborgenheit zu vermitteln, damit sie neues Vertrauen zu anderen und sich finden, sich in ihren Problemen und Befindlichkeiten verstanden fühlen und verlässliche Bezugspersonen haben. Nach Möglichkeit wird auch der Kontakt zur leiblichen Herkunftsfamilie gepflegt. Individuelle Begabungen sowie musische und sportliche Ambitionen werden gefördert. Alle Kinder erreichen Schulabschluss und Berufsausbildung und bekommen gegebenenfalls Unterstützung beim weiteren Selbstständigwerden und Zurechtkommen im Lebensalltag. Oftmals bleiben familiäre Beziehungen langfristig bestehen. Die Hausmütter, die in regulären Berufsverhältnis stehen, werden unterstützt von betreuenden Hilfsdiensten im Dorf, Erzieherinnen, Psychologen und Therapeuten, die auch zuständig sind für ein dem Kinderdorf angeschlossenen Mädchenhaus, Außenwohngruppen sowie einem Frauen- und Kinderschutzhaus.