Europa zwischen Demokratie und Populismus – Europa-Union-Kreisvorsitzender Heinrich Kümmerle gibt Bescheid

800px-Flag_of_EuropeEuropa – das „politische  Europa“ verfolgt uns täglich in den Nachrichten. Am 26. Mai diesen Jahres haben wir ein neues Europäisches Parlament gewählt, wir haben eine neue (deutsche)  Kommissionspräsidentin, aber noch keine (vollständige) neue Kommission, und noch immer belastet uns der leidige „Brexit“. Ganz abgesehen von den Populisten, die uns Europa noch madiger machen wollen. Da ist es an der Zeit, dass auch die „Jungen Senioren“ über Europa etwas Positives zu hören bekommen von einem „überzeugten und bekennenden Europäer“: Heinrich Kümmerle, Vorsitzender der Europa-Union Heilbronn, sprach im Hans-Rießer-Haus „frei von der Leber weg“ unterhaltsam über die verschiedenen Aspekte Europas. Der 57jährige Diplompädagoge war gut 30 Jahre bei der Bundeswehr, in Deutschland, Europa und draußen in der Welt – und lebt seit 2015 permanent und gerne in seiner Heimatstadt Heilbronn – und in Europa.

Wir sind Heilbronner/in, Baden-Württemberger/in, Deutsche/r, Europäer/in, Weltbürger/in. Wir identifizieren uns wohl mehr mit unserem Wohnort und unserem Land als mit Europa. Europa ist ein Erdteil, und Europäer setzen sich aus vielen Ethnien zusammen. Kümmerle: „Wir sind alle Migranten“. Viele von uns haben einen „Zuwanderungshintergrund“, wenn die Eltern nicht in Deutschland geboren, sondern vielleicht als Vertriebene und Flüchtlinge „aus dem Osten“ gekommen sind. Für gewisses „Fremdsein“ kann es schon genügen, das Bundesland gewechselt zu haben. Wir haben eventuell Verwandte in Frankreich, England oder Amerika, mitunter leben auch unsere Kinder dort. Nationale Grenzen spielen heute keine große Rolle mehr. 

„Wir gehören zu aller erst zu den „Homos“, meinte Kümmerle, und verortete ganz großzügig die Urentstehung der Gattung Mensch auf „vor vier Millionen Jahre“; vor über 200 000 Jahre kam der Homo sapiens, der vernunftbegabte Mensch. Und dann hat es noch mal 195 000 Jahre gedauert, bis erste Hochkulturen entstanden. Andererseits noch recht kurze Zeitspannen, wenn man bedenkt, dass das Universum vor 14 Milliarden Jahren im Urknall entstand und unser Planet Erde vor fünf Milliarden Jahre. Und wir Europäer, leiten unsere – kulturelle – Herkunft, wie Altbundespräsident Heuß sagte, „von drei Hügeln“ her, von der Akropolis (dem antiken Griechenland), von Rom (dem römischen Weltreich) und von Golgatha (dem Christentum). Da sollten wir, so Kümmerle, mit Europa nicht ungeduldig werden. Auch genau wie Rom „nicht an einem Tag gebaut worden ist“, sei Europa eine Sache von Generationen.

Wurde Europa eher mit Abendland gleichgesetzt, so kam die allgemeine Begrifflichkeit Europa wohl erst vor wenigen Jahrhunderten auf, so mit der Kolonialisierung und im Gegensatz zu Amerika. Die erste europäische internationale Organisation bildete sich, so Kümmerle, am 5. Mai 1945 in London, der Europarat mit zehn Gründungsländern. Deutschland kam im Sommer 1950 hinzu. Heute gehören dem Europarat, der parlamentarische Versammlungen an seinem Sitz in Straßburg abhält, 47 europäische Staaten mit einer Bevölkerung von 820 Millionen Menschen an. Nichtmitglieder sind lediglich der Staat Vatikanstadt und (noch nicht) Weißrussland und Kosovo. Laut Satzung hat der Europarat die Aufgabe, den engen Zusammenhang zwischen seinen Mitgliedsländern zu verwirklichen. Er soll auch eintreten für Menschenrechte und demokratische Grundsätze. Diesen Anliegen ist auch der  Europatag am 5. Mai gewidmet. Der Europarat ist nicht mit der Europäischen Gemeinschaft verbunden.

Weitere Etappen zur „europäischen Einigung“: 1951 Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl. (EGKS). 1957: Europäischer Verträge. Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom). 1967: Vertrag zur Fusion der drei Gemeinschaften EGKS, EWG und Euratom zu den Europäischen Gemeinschaften. 1979: Erste Direktwahl zum Europäischen Parlament; Schaffung eines  Währungssystem (Einführung des ECU), 1992: Vertrag von Maastricht über die stärkere Integration; aus der EG wird die EU (Europäische Union). 1989: Elf EU-Staaten erfüllen die Kriterien zum Beiritt in die Währungsunion (EWU). 1999/2002:  Einführung des Euro in 11 (derzeit 20) Länder.

Wenn wir heute das Projekt Europa in Gefahr sehen, das uns 70 Jahr Frieden, gemeinsame Währung und Wegfall der Grenzkontrollen gebracht hat, so liegt das an wirtschaftlichen Ungleichheiten der Mitgliedsländern, an dem misslichen Austrittsverfahren Großbritanniens und vor allem in dem zunehmenden Populismus hin zu nationalistischem  Gedankengut in einigen Ländern, was auch auf Deutschland übergegriffen hat und mit menschlich verständlichen Argumenten viele Mitbürger betört. Bis zu einem Bundesstaat Europa nach dem Vorbild des Föderalstaats Deutschland ist noch ein weiter Weg, konstatierte Kümmerle. Erfolge sind greifbar, aber generell gilt auch für Europa: Einfache Lösungen gibt es nicht, und es gibt nichts umsonst. „Wir aller müssen uns stark machen für Europa und die Demokratie“, so Kümmerle.

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