Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute – Klinik-Direktor Prof. Opherk informiert über Symptome und Therapie

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Prof.Dr. Christian Opherk (Foto: Rolf Gebhardt)

Es ist eine Volkskrankheit, vor der eigentlich niemand so recht gefeit ist: Schlaganfall – nach Herzinfarkt und Krebs die dritthöchste Todesursache. Was es mit der Entstehung von Schlaganfall auf sich hat und welche Risikofaktoren und Behandlungsmethoden bestehen, darüber informierte bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus Prof. Dr. Christian Opherk, Direktor der Klinik für Neurologie der SLK-Klinik Heilbronn am Gesundbrunnen.

„Jeder Schlaganfall ist immer ein Notfall“, gab Opherk als Devise aus. Wenn Schlaganfall-Erscheinungen sich bemerkbar machen, sofort handeln. Wenn etwa dem Gegenüber beim Mittagessen plötzlich die Gabel aus der Hand fällt, nur noch verwaschen spricht, der Mundwinkel herabhängt, Gehstörungen oder einseitige Lähmungserscheinungen auftreten: Dann 112 anrufen. Der Notarzt kommt, informiert die Klinik, wo alles für den im Rettungswagen ankommenden Patienten vorbereitet wird. Am besten ist ein Krankenhaus mit einer zertifizierten Spezialeinrichtung Stroke-Unit“, wie in der Heilbronner Neurologie-Klinik, wo rund um die Uhr ein standardisierter Behandlungsablauf möglich ist und ein interdisziplinäres Team bereit steht.

Einem Schlaganfall liegen akute Durchblutungsstörungen des Gehirns zugrunde, die zu neurologischen Ausfällen führen. Verstopft ein Gefäß im Gehirn, wird umliegendes Gewebe nicht mehr mit Sauerstoff versorgt, mit der Folge, dass Nervenzellen absterben. Deshalb gilt die unbedingte Regel: „Bei Schlaganfall kommt es auf jede  Minute an.“ Wie Opherk erläuterte, sterben in solchen Fällen etwa zwei Millionen Nervenzellen ab. Jede Minute Verzögerung verschlechtert also den Behandlungserfolg. Es ist also am Besten, wenn die Behandlung in den ersten drei Stunden nach Einritt des Schlaganfalls beginnen kann. Nach zwölf Stunden kann es schon zu spät sein. Es kann dann leicht sein, dass man nicht mehr sprechen, nicht mehr gehen oder nicht mehr sehen kann. Das kann in Rollstuhl oder Tod enden. Das ist leicht der, Fall wenn der Schlaganfall während des Schlafs auftritt und der/die Betroffene dann nach dem Schlaf nicht mehr auftreten kann, aber der Zeitpunkt des Schlaganfalls nicht feststellbar ist. 

Rund 80 Prozent der Schlaganfall-Fälle beruhen laut Opherk auf einer verminderten Blutversorgung durch einen Hirninfarkt mit Sauerstoffnot. Das kann entstehen durch Arteriosklerose oder auch aufgrund verschleppter Blutgerinnsel. Sie entstehen, wenn das Gefäß verletzt ist, es verstopft und das Blut zum Stehen kommt. Es kann sich auch aus der linken Herzkammer ein Hirngefäß verengen oder verschließen und einen akuten Sauerstoffmangel des entsprechenden Hirnanteils verursachen. Bei Verschluss der Arterie kommt es t auf der Gegenseite zum betroffenen Gefäß zu einer Halbseitenlähmung mit Gefühlsstörungen, also wenn die linke Hirnhälfte betroffen ist eine rechtsseitige Lähmung und umgekehrt. Andererseits werden 20 Prozent aller Schlaganfälle hervorgerufen durch Hirnblutung, der eine geplatzte Hirnarterie zugrunde liegt. Lebensbedrohlich ist auch ein Aneurysma, die Aussackung einer Schlagader  (Arterie) durch Ausbildung einer Gefäßerweiterung mit Blutübertritt zwischen den Gefäßwandschichten.

Opherk machte deutlich, dass in den letzten Jahren in der Therapie von Schlaganfällen große Fortschritte verzeichnet werden konnten. In dem Heilbronner Schlaganfall-Zentrum stehen 15 Betten bereit, und jährlich werden in dieser Spezialeinheit etwa 1700 Schlaganfälle nach international vereinbarten Standards behandelt. Der Patient wird zunächst notfallmedizinisch versorgt, wobei vor allem Atmung, Kreislauf und Stoffwechsel überwacht werden müssen. Im Kernspin bzw. der Magnetresonanztomographie (MRT) lassen sich die arteriosklerotischen Plaquen entdecken. Nur innerhalb der ersten Stunden nach einem Schlaganfall können können medizinische Maßnahmen, die die zur Wiedereröffnung eines geschlossenen Hirngefäßes führen, auch das betroffene Hirngewebe retten. Bei Hirnblutungen wird geprüft, ob eine neurochirurgische Operation die Situation verbessern kann. Liegt keine Hirnblutung vor, sondern der Verschluss eines großen Hirngefäßes durch einen Thrombus, wird versucht, das Blutgerinnsel medikamentös aufzulösen (Lysetherapie). Gegebenenfalls lässt sich auch durch die Einführung eines Katheders das Blutgerinnsel entfernen. Zusätzlich werden nach einem Gefäßverschluss Maßnahmen zur Verbesserung der Blutfließeigenschaften eingeleitet, bei Blutgerinnsel außer Marcumar noch andere (moderatere) gerinnungshemmende Medikamente. Häufig gelingt es heute – dank Frühbehandlung – eine (fast) vollkommene Wiederherstellung des alten Gesundheitszustands und weitere Schlaganfälle zu vermeiden.

Neben der medikamentösen Behandlung gilt es auch, wie Opherk sagte, die Risikofaktoren zu mindern. Diese sind bei Schlaganfall neben Altersdietes nun einmal Übergewicht, Rauchen viel Stress und hoher Blutdruck, wobei man achten sollte, dass die Blutdruckwerte von 140 bzw. 90 möglichst nicht überschritten werden. Was Alkohol betrifft, so sei ein  Gläschen Wein eher besser als keins. Und natürlich sei Bewegung für gesundes Leben immer wichtig: „8000 Schritte pro Tag für Senioren, wären schön“, riet Opherk.

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