Aus dem wechselvollen Leben der Familie Knorr – Bestseller-Autor Gunter Haug über sein Buch „Die Päcklessuppen-Dynastie“

2019-11-25_JuSen_19_1kl

Gunter Haug (Foto: Rolf Gebhardt)

„Knorr. Die Päcklessuppen-Dynastie“. So der Titel eines neuen Buches des Bestseller-Autors Gunter Haug, das er bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus vorstellte. Da wusste jede(r) Bescheid: „Knorr ist Heilbronn – und Heilbronn ist Knorr!“ Ein Spruch, wie er auch in dem Buch zitiert wird – und das, wo in diesen Tagen Tausende in der Innenstadt für den Erhalt des traditionsreichen Knorr-Werks in Heilbronn demonstriert haben. 

Gunter Haug, 1955 in Stuttgart-Bad Cannstatt geboren und heute wohnhaft in Schwaigern, schrieb schon in jungen Jahren für Zeitungen, studierte Neuere Geschichte, Europäische Kulturwissenschaft und Geschichtliche Landeskunde in Tübingen, wurde Rundfunk- und Fernsehjournalist, ehe er freier Schriftsteller und auch Verleger wurde. Er schreibt vornehmlich biografische Tatsachenromane, am Anfang an die Familiengeschichte seiner Frau angelehnt, aber auch Schwaben-Krimis. Sein erster Roman „Niemands Tochter“ wurde gleich ein großer Erfolg und erreichte bislang eine halbe Million Leser/innen.  Zu seinen historischen Romanen zählen „Robert Bosch – ein Mann, der die Welt bewegte“ (2009), „Gottlieb Daimler – der Traum vom Fahren“ (2010), „Fräulein Mercedes – ein Mädchen erobert die Autowelt“ (2011) „Ferdinand Porsche – ein Mythos wird geboren“ (2012), “Ferdinand Graf Zeppelin“ (2013), „Schwäbische Sternstunden – wie wir Weltspitze wurden“ (2015) und schließlich „Knorr. Die Päcklessuppen-Dynastie“ (2018), die sorgfältig recherchierte Lebensgeschichte des Firmengründers und seiner Familie.

Begonnen hatte es damit, dass Carl Heinrich Theodor Knorr, am 5. Mai 1800 in Meerdorf unweit von Braunschweig geboren, nach einigen beruflichen Umwegen und nach dem Tod seiner Frau als Handlungsreisender einer Hanauer Zichorienfabrik in Heilbronn die sechs Jahre jüngere Kaufmannstochter Caroline Seyffardt kennenlernte, vom Main an den Neckar umzog und sie am 29. April 1838 – gegen die Skepsis des Schwiegervaters – heiratete. Der unternehmerisch ambitionierte Knorr errichtete noch im gleichen Jahr ein Spezereiwarengeschäft in der Kramgasse und entschloss sich alsbald zum Bau einer Zichorienfabrik zur Herstellung von „Gesundheitscaffee“ (später als „Muckefuck“ populär), nachdem er Großgarter Bauern zu Anbauverträgen für die im Unterland unbekannten Zichorienwurzeln gewinnen konnte. Es gelang ihm, über 50 Arbeiter zu beschäftigen, mehr als alle Heilbronner Ölmühlen zusammen, doch der von körperlichen Schwächen und Krankheiten heimgesuchte Knorr tat sich zunehmend schwer im Wettbewerb mit dem Konkurrenzfabrikanten Heinrich Franck aus Vahingen/Enz.

Da traf es sich glücklich, dass Emma, seine Tochter aus erster Ehe, 1849 den Kaufmann Friedrich Cloß heiratete. Dessen Bruder August Cloß übernahm 1855 von Knorr die Heilbronner Zichorienfabrik. Über die Cloßens kamen die Knorrs in familiäre Verbindung zu dem Stadtarzt Robert Mayer (um dessen wissenschaftliche Reputation und sein Denkmal sich Emma Cloß sehr einsetzte), zu Bankier Gustav Rümelin und dem Tübinger  Oberamtsrichter Gottlob Hegelmaier, dem späteren Heilbronner Oberbürgermeister. 

Nach 17 Jahren als Zichorienfabrikant entschloss sich Knorr 1856 zu einer neuen Unternehmung, einer Tuchfabrik auf dem Hefenweiler, die er schon gut ein Jahr später schließen musste. Nächster Versuch: eine Engro-Handlung für Landesprodukte. in die 1867 Sohn Karl (1843-1921) und 1871 Sohn Alfred (1846-1895) eintraten. Die Söhne befassten sich früh mit dem Gedanken, preisgünstige wohlschmeckende verpackte Suppen herzustellen. Da kam es ihnen zupass, als sie erfuhren, dass Carl Grünberg gestorben war, der Erfinder der Erbswurst, mit der im Krieg 1870/71 Soldaten verpflegt worden waren und von der Bismarck gesagt haben soll, sie sei für den Kriegserfolg so wertvoll gewesen wie zwei komplette Bataillone. Voller Wagemut wurden in der Rosenbergstraße Grundstück und Gebäude angemietet. Anfang 1875 entstand C.H. Knorr – Mühlenfabrikate, Landesprodukte, Suppenstoffe. Am 20 Mai 1875 starb Carl Heinrich Knorr, geehrt als ein Mann, der es vom Habenichts zum geachteten Heilbronner Unternehmer gebracht hatte. 

Haug schilderte anschaulich Erfolge und Niederlagen, Höhen und Tiefe im Leben des Knorr-Gründers, meist in Dialogform, unterlegt von Zeitereignissen und Anektdoten, ebenso wie die Entwicklung nach seinem Tod: Fünf Jahre nach ihren ersten Mischungsversuchen konnten die Knorr-Brüder im Frühjahr 1880 ihre erste fertige Suppenmischung auf den Markt bringen. Erbswurst und Victoria-Patentsuppen machten Furore auf der legendären Nodpolar-Expediton von Fridtjof Nansen 1893. Karl Knorr wurde 1897 zum Kommerzienrat ernannt. Dann die wechselvolle Geschichte der 1899 gegründeten C. H. Knorr AG  bis 1921. Die Zeit danach ist nicht mehr Gegenstand des historischen Romans: Mondamin, Maizena, CPC, Bestfoods, Unilever nur noch Randnotizen – von der modernsten Suppenfabrik 1969, 1987 Verlegung des Konzernsitzes von Hamburg nach Heilbronn; Reduzierung der Mitarbeiterzahl von 1800 auf 600. Jetzt droht Stilllegung, Die Knorr-Erbswurst fand 2018 ihr Ende. Die Weltmarke Knorr wird bleiben – Knorr in Heilbronn wohl nicht.

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