Um das Weihnachtsfest ranken sich viele Riten – Pfarrer Steven Häusinger (nicht nur) über die Geschichte des Weihnachtsbaums

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Pfarrer Steven Häusinger (Foto: Rolf Gebhardt)

Am Tag nach dem ersten Advent finden die „Jungen Senioren“ im Großen Saal des Hans-Rießer-Hauses in der rechten Ecke einen großen traditionell geschmückten erleuchteten Weihnachtsbaum vor. Da trifft es sich gut, dass der Heilbronner Pfarrer der evangelischen Nikolai- und Wartberg-Kirchengemeinde, Steven Häusinger, einen Streifzug durch die Geschichte des Weihnachtsbaums anbietet. Der uns so selbstverständliche und vertraute Weihnachtsbaum hat nämlich eine durchaus interessante Herkunfts- und Entstehungsgeschichte – eng verknüpft mit der des Weihnachtsfestes.

Weihnachten ist nun mal das christliche Fest zur Feier der Geburt von Jesu Christi. Doch wann Jesus tatsächlich geboren ist, entzieht sich der historischen Überlieferung, bekannte Häusinger. Die frühen Christen verlegten die Feier auf das hergebrachte jüdische Lichterfest Chanukka im Dezember und verlegten die Taufe Jesu auf den 7. Januar, heute noch das eigentliche Weihnachtsfest der orthodoxen Christen. In der Antike wurde sowieso am 25. Dezember die Wintersonnenwende gefeiert,  dazu im vorderasiatischen Raum die Geburt des indischen Lichtgottes Mithras und bei den Römern ein Fest zu Ehren des Gottes Saturn am Tag Sol Invictus. Die römischen Päpste wollten diese heidnischen Kulte verdrängen durch das Fest zur Feier der Geburt Christi, das spätestens unter Papst Liberius 354 am 25. Dezember begangen und 381 auf dem 2.Konzil von Konstantinopel von Kaiser Theodosius für allgemein gültig erklärt wurde. Und bei der Ausbreitung des Christentums über die Alpen nach Norden wurde die Christi-Geburtsfeier an Stelle der altgermanischen Sonnwendwendfeier, dem Julfest, am 25. Dezember übernommen. Das Wort Weihnachten selbst ist belegt seit dem 12. Jahrhundert, als ein Gedicht des fahrenden Sängers Spervogel entdeckt wurde, in dem der mittelalterliche Plural „zeden wihen nahten“ – „in den heiligen Nächten“ – vorkam.

Was den „Weihnachtsbaum“ anbetrifft, so gab es von jeher in unterschiedlichen Kulten „heilige Bäume“, wurden Bäume als Symbol des Lebens verehrt. Konnte ein geflochtener Zweig das Zepter des Mächtigen symbolisieren, so dann auch in christlich-jüdischer Tradition die Dornenkrone des Gekreuzigten und letztlich auch das Kreuz. Wie Häusinger darlegte, war es in jener frühmittelalterlichen Zeit, als nur Wenige lesen und schreiben konnte, üblich, Geschichten in Bildern zu vermitteln. Und so gab es mindestens schon im 14. Jahrhundert Krippenspiele während der gottesdienstlichen Christi-Geburt-Feier.

Ein geschmückter Weihnachtsbaum ist seit dem 16.Jahrhundert belegt und wurde vor etwa 150 Jahren allgemein üblich. Der Weihnachtsbaum erfuhr dabei immer wieder Bezüge zum „Paradiesbaum“, in biblischer Überlieferung der Baum der Erkenntnis von Adam und Eva, und für die verbotene Frucht kam der Apfel ins Spiel. Äpfel waren in früheren Jahrhunderten in hiesigen Gefilden eine Rarität und wie Nüsse als Winterfrucht begehrt. Und so war ein Apfel erster Schmuck am Weihnachtsbaum und erstes Geschenk, alsbald erweitert um Zuckerzeug und Zierrat und insbesondere Kerzen als Symbol des Lichts, das mit der Geburt Jesu Christi in die Welt gekommen ist. Weihnachten mit Weihnachtsbaum wurde also gefeiert am Weihnachtstag, dem 25. Dezember, nach Ablauf der als Fastenzeit geltenden Adventszeit zur Vorbereitung auf die Ankunft Jesu. Die „Bescherung“ von Geschenken – als Symbol für das Geschenk Gottes in seinem Sohn – geschah ursprünglich in den dunklen Morgenstunden, doch dies verschob sich überwiegend mit der gottesdienstlicher Feier zunehmend auf den Abend zur „heiligen Nacht“.

Wenn man bedenkt, dass dem Sinn nach Weihnachten ein dezidiert christliches Fest war, so ist es heute mehr oder weniger zu einem Familienfest geworfen, bei dem in der Regel die Feier von Christi Geburt (fast) keine Rolle spielt, wenngleich zu Weihnachten – im guten alten Bruch – die Kirchen so voll wie sonst nie sind. Weihnachtsbäume werden in aller Regel in deutschen Wohnzimmern zu und am Heiligen Abend geschmückt und illuminiert. Im öffentlichen Raum werden Christbäume aufgestellt und geschmückt bereits (spätestens) zum 1. Advent, gibt es Prachtexemplare auf großen Plätzen und vor markanten Gebäuden und vor allem – in kleinerer  Ausführung, und mit und ohne Schmuck – in Geschäften und rund um die Buden auf den Weihnachtsmärkten. Für Häusinger ein Grund, den ausufernden  Weihnachtsrummel zu thematisieren.

„Der Konsumrausch scheint zur eigentlichen Religion unserer Zeit zu werden“, meinte er. Durch subtile Werbung und Angebote würden immer neue Wünsche geweckt. Viele Bürgerinnen und Bürger suchten in dieser verworrenen Welt ihre Zufriedenheit im Konsum. Der moderne Mensch sei zunehmend auf der Suche nach individuellem Glück und persönlicher Erfüllung, die man aber kaum nachhaltig im Einkaufserlebnis finden könne. Vielmehr mangele es in unserer Gesellschaft an Gemeinsinn und persönlichem Miteinander.

Gerade die Weihnachtsmärkte – auch wenn sie von frohen Weihnachtsliedern beschallt werden – täuschten darüber hinweg, wie weihnachtliche Lichter ehemals die verschneiten Winterdörfer verzauberten und der durchweg armen Bevölkerung ihre Sehnsucht nach besseren Lebensbedingungen bedienten.

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