In Würde altern – vom geglückten Alter(n) – Der katholische Pfarrer Dr. Wolfgang Gramer gibt „jungen Senioren“ Bescheid

2019-12-09_JuSen_14_1kl

Pfarrer Dr. Wolfgang Gramer (Foto: Rolf Gebhardt)

Älter und alt werden, das Alter – das ist den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus“ aus Erfahrung vertraut. Trotzdem oder gerade deswegen sind sie neugierig , wie andere – „Fachleute“ zumal – mit diesem unausweichlichen Lebensprozess umgehen, welche Einsichten und Ratschläge sie haben. Das vorgegebene Thema „In Würde altern“ mochte der Referent eher unter dem Aspekt „geglücktes Alter(n)“ betrachten:  Dr. Wolfgang Gramer aus Bietigheim-Bissingen konnte kürzlich sein goldenes Priesterjubiläum in der Diözese Rottenburg-Stuttgart feiern, er war in der Theologenausbildung tätig, war Gemeindepfarrer und in seinen letzten zehn Berufsjahren „Buschpfarrer“ in Nordwest-Argentinien. 

Dass die Menschen heute später und gesünder altern, zeigte Gramer an seinem Familienbeispiel auf. Sein Vater erlitt als 59jährigr ein Jahr vor seiner Pensionierung als Polizist einen Schlaganfall. Wolfgang Gramer selbst stellte sich mit 69, ein Jahr vor seiner Pensionierung, in der argentinischen Pampa die Frage, welche Ziele er sich für seinen Ruhestand stecken sollte. Dazu gehörte unter anderem, es fertigzubringen, mal alle 32 Beethoven-Klaviersonaten zu spielen. Gramer hat schließlich über die Musikästhetitk des Philosophen Theodor W. Adorno promoviert und auch zahlreiche Konzerte gegeben und dirigiert.

Der heute 77jährige Ruhestandspfarrer relativierte aber sogleich seinen Ehrgeiz. Sinnvolle Gestaltung des dritten Lebensabschnitts – ja! Aber gelassen und offen sein, was passiert, was auf einen zukommt. Hierzu Gramers Grundsatz: „Mein Leben ist mehr als meine Leistung!“ Man solle den Wert des Lebens, es eigenen wie des Mitmenschen, nicht an der erbrachten Leistung festmachen, denn schließlich habe jeder Mensch Wert und Würde von Gott geschenkt bekommen. Und man solle über sein Lebensschicksal (möglichst) nicht klagen. So beherzige auch er stets den Wahlspruch seiner früh verstorbenen Mutter, „Du weißt nicht, wozu es gut ist“, wenn einem Unangenehmes widerfährt. Man solle also nicht sagen, das kommt von Gott, Gott will mich prüfen, Gott straft mich. Vielmehr: „Gott ist Liebe“. Es gelte, die Spuren seiner Liebe zu entdecken, Angst vor der Zukunft zu überwinden, Widerstandskräfte aufzubauen, „denn vielleicht kann doch wieder etwas Gutes entstehen“

Gleichwohl riet Gramer, sich der Situation des Alters zu stellen. „Alles in der Natur kann altern und absterben, Pflanzen und Bäume, so auch der menschliche Körper und möglicherweise der Geist.“ Natürlich versuche der Mensch heute, den natürlichen Alterungsprozess aufzuhalten oder zu verlängern. Doch schließlich habe alles ein Ende, auch das schönste und verdienstvollste Leben. Da wäre es schön, wenn man sich in geeigneter Form auf das Ableben, das Sterben vorbereite, auf den letzten Gang. Da sei bei unheilbarer Krankheit wohl die Intensivstation der Klinik nicht der beste Ort, eher das Hospiz, eine segensreiche Einrichtung, wo viele Todgeweihte noch eine für sie wunderbare Zeit verbringen konnten und können. Die Fortschritte der modernen Medizin seien gewaltig, vor allem auch die Tatsache, dass man vor einem qualvollen Sterben eigentlich keine Angst mehr zu haben braucht. Das Ende des irdischen Lebens ist nun mal unvermeidbar. Was danach kommt? Menschen mit Nahtod-Erfahrung haben, so Gramer – „das wunderbare Licht geschaut, im Tod Gott von Angesicht zu Angesicht“: die christliche Verheißung vom ewigen Leben.

Doch bevor es so weit ist, wollen wir noch leben, auch noch was erleben. Im Alter sind einem andere  Dinge wichtig als in der Jugend und im prallen Leben. Man müsse bereit sein, dem Alter Tribut zu zollen, Grenzen akzeptieren, meinte Gramer, der heute nicht mehr den Heilbronner Weg machen will und nicht wie eine „Pistensau“ mit Skiern die Hänge herunter brettern. sondern sich an den kleinen Dingen des Leben erfreuen, schöne Aussichten genießen und die Wunder der Natur entdecken und wertschätzen. Im Alter sei halt „Maßhalten“ angesagt, auch beim Essen und Genießen, aber dabei solle man es sich auch nicht unnötig schwer machen. Man soll erkennen, was einem gut tut, mehr Erholung als Anspannung suchen. Und wohl den Großeltern, die bei ihren Kindern und Enkelkindern erleben, wie das Leben weiter geht.

Wolfgang Gramer hatte aber auch konkreten Empfehlungen parat: „Dankbar  rückwärts – mutig vorwärts – gläubig aufwärts!“ Und dann die „fünf  L: lachen, laufen lernen, lieben, loslassen!“ Der Mensch hat keineswegs „nichts zum zum Lachen“, sondern er kann lustig und lebensfroh sein, von Herzen lachen. Er sollte laufend unterwegs sein, sich viel an frischer Luft bewegen. Es ist nie zu spät zum Lernen, zu neuen Erkenntnissen zu kommen, aufzuspüren , was andere umtreibt. Liebe ist die eigentliche Kraftquelle des Lebens; Empathie, Achtsamkeit  und Zärtlichkeit kann auch im Alter  noch wachsen, und sich annehmen. Loslassen schließlich will gelernt sein, ist hilfreich gerade im Alter, „wo,man nicht mehr muss.“

Wolfgang Gramer erfreute die „Jungen Senioren“ am Anfang, in der Pause und zum Schluss noch mit Liedern am Klavier und zur Gitarre, wobei in guter Adventssimmung fast alle gerne mitsangen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s