Bedeutender Heilbronner Komponist und Chorleiter – Musikwissenschaftler Lothar Heinle über Robert Edler (1912-1986)

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Lothar Heinle (Foto: Rolf Gebhardt)

Robert Edler? Für die meisten „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus ist Edler als Chorleiter ein Begriff. Einige haben unter seinem Dirigat in Chören gesungen. So ein Besucher, der seit Jahrzehnten Mitglied des inzwischen ziemlich geschrumpften Männergesangsvereins Urbanus ist und sich noch gut erinnert an das aufregende Vorsingen bei der Aufnahme(prüfung) und wie Edler die Jugendlichen zu zusätzlichen Stimmübungen vor den sonntäglichen Chorproben verpflichtete.

Über Leben und Wirken von Robert Edler referierte der Musikwissenschaftler Lothar Heinle. 1965 in Heilbronn geboren studierte Heinle seinen naturwissenschaftlichen Interessen gemäß  Chemie, doch dann führte ihn seine Neigung zu einem Zweitstudium der Musik. Er ist als freiberuflicher Musikwissenschaftler tätig ist, dank seiner stimmlichen Begabung und Ausbildung sowie hochdeutschen „Muttersprache“ auch in Sprechrollen, wie wieder am Vorabend bei der Einführung und Erläuterung zum Weihnachtskonzert des Heilbronner Sinfonieorchesters (HSO) in der „Harmonie“ mit der New Yorker Sopranistin Janice Dixon, worauf er auch gleich  von „jungen Seniorinnen“ angesprochen wurde. Heinle ist Heilbronnern auch als Musikkritiker bekannt sowie als Zweiter Vorsitzender des Philharmonischen Chors, zu dessen 200jährigem Bestehen 2018 er eine beachtliche Festschrift vorgelegt hat.

Als Experte für experimentelle Musik sowie als Komponist fand Heinle den Zugang zu Edler im Heilbronner Stadtarchiv, wo Edler einen großen kompositorischen Nachlass der Stadt hinterlassen hat, mit dessen Sichtung Heinle betraut wurde; in der Schriftenreihe des Stadtarchivs hat Heinle ein Edler-Porträt verfasst („Heilbronner Köpfe VII“). Edlers Lieder, von denen Heinle auch Klangbeispiele zu Gehör brachte, fanden  Eingang in vielen Chorliederbüchern, und so wurde Edlers Schaffen auch jüngst gewürdigt in einem Buch über 20 Chorkomponisten in Württemberg aus fünf Jahrhunderten.

Robert Edler wurde am 1. November 1912 in Heilbronn geboren. Sein Vater war Entwerfer und Modelleur im Atelier der Firma Bruckmann und betätigte sich auch als Kunstmaler. Der junge Robert Edler wurde mit seinen Kompositionsversuchen schon früh gefördert von dem Heilbronner Kapellmeister Philipp Rypinski. Ab 1929 studierte er am Neuen Konservatorium für Musik in Stuttgart. Danach blieb, wie Heinle hervorhob, Edlers Lebens- und Arbeitsmittelpunkt in Heilbronn.1933 wurde er vom Stadttheater Heilbronn als Zweiter Kapellmeister verpflichtet und 1934 unter acht Bewerbern als jüngster Dirigent mit der Leitung des 1842 gegründeten  Männergesangverein „Urbanus“, aus dem Weingärtnerstand hervorgegangen, ausgewählt. 

Edlers Heilbronner Musiklaufbahn wurde unterbrochen durch den Zweiten Weltkrieg. 1941 zur Grundausbildung eingezogen kam Edler zur Gebirgsdivision nach Nordnorwegen, wo er nicht nur Musikprogramme mitgestaltete, sondern auch an neuen Kompositionen arbeitete und neben militärischen Zeichnungen auch zahlreiche kleinformatige Aquarelle von der Tundralandschaft fertigte. 1943 heiratete der Obergefreite Edler die aus Essen stammende Büroangestellte Hedwig Berta Olek (1912-2006). Nach dem Rückzug und der Teilnahme an Abwehrkämpfen in Südwestdeutschland kam Edler in die Hände der US-Armee, von der er den Entlassungsschein aus dem Militärdienst erhielt und die wichtige Arbeitserlaubnis als Dirigent. So dirigierte Edler in den ersten Nachkriegsjahren zahlreiche Musiktheateraufführungen des Heilbronner Theaters. Ab 1948 betätigte er sich als freischaffender Komponist und Chorleiter, Neben dem Heilbronner Männergesangverein Urbanus dirigierte er auch Gesangvereine in Kochendorf, Willsbach, Eschenau und Frankenbach. Bereits 1947 wurde Edler zum Kreis-Chormeister gewählt und 1951 Gau-Chormeister. Ab 1969 unterrichtete er auch an der Trossinger Hochschule für Musikerziehung. 

In den 60er und 70er Jahren kamen in der Festhalle Harmonie eine Reihe von Edlers groß besetzten Werke für Solisten, Chor und Orchester zur Aufführung. Zum 125jährigen Bestehen von Urbanus 1966 wurde Edler  mit der Komposition eines  Festwerks beauftragt, eine eindrucksvolle Uraufführung in moderner Tonsprache unter seiner Leitung mit den Nürnberger Symphonikern. Zur Feier von „600 Jahre Selbstverwaltung“ Heilbronn entschied sich Edler zur Vertonung der sperrigen „Sonette an Orpheus“ von Raine Maria Rilke,  die schließlich je zur Hälfte vom Liederkranz und eines eigens von Edler extra zusammengestellten Konzertchor, dem späteren „Madrigalchor Edler“, aufgeführt wurde. Mit diesem Madrigalchor hatte Edler danach auch bundesweit anspruchsvolle Aufführungen und spielte drei Langspielplatten ein.

Robert Edler verstarb am 14. August 1986. Er war 1970 mit der Goldenen Münze und 1982 mit dem Ehrenring der Stadt Heilbronn ausgezeichnet worden. Wie Heinle in einer Gesamtschau darlegte, sah sich Robert Edler im Chorgesang zwar schwerpunktmäßig dem Besingen von Heimat und Wein verpflichtet, doch in vielen seiner Kompositionen flossen auch – volkstümlich weniger gewürdigte – Inspirationen der Zwölftontechnik und der elektronischen Musik ein, zum Teil komponiert unter dem Pseudonym Max Orrel.

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