„Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ – Prälat Harald Stumpf erklärt die Jahreslosung – und sein Ausscheiden

2020-01-13_JuSen_40-2kl

Prälat Harald Stumpf (Foto: Ralf Gebhardt)

In christlichen Kreisen ist es guter Brauch, sich mit der Jahreslosung zu befassen. Das taten auch die „Jungen Senioren“ auf ihrer ersten Veranstaltung in neuen Jahr, traditionell mit dem Heilbronner Prälaten. Harald Stumpf ging erst einmal auf die Entstehung der Jahreslosung ein. Sie gibt es seit 90 Jahren. 1930 wurde sie erstmals von dem Stuttgarter Pfarrer und Liederdichter Otto Riethmüller (1889-1938) herausgegeben: „Ich schäme mich des Evangeliums von Jesus Christus nicht.“ (Röm. 1 16a) Diesen Bibelvers hatte er gewählt in Absprache mit dem Dachverband der Evangelischen Jungmännerbünde (Vorläufer des CVJM). Seit 1928 war Riethmüller Leiter des Evangelischen Reichsverbands weiblicher Jugend in Berlin-Dahlem und wurde 1935 Vorsitzender der Jugendkammer der Bekennenden Kirche, die sich gegen die Gleichschaltung durch das Nazi-Regime wehrte. Unter Riethmüllers Vorsitz wurde auch das Kreuz auf der Weltkugel als Symbol für die Evangelische Jugend festgelegt- heute auch noch über dem Eingang zum Hans-Rießer-Haus sichtbar. Wie Prälat Stumpf weiter erläuterte, werden die Jahreslosungen seit 1960 von einer  Ökumenischen Kommission jeweils für vier Jahre im voraus festgelegt.

Stumpf meinte, wir könnten auch noch beschwingt in das neuen Jahrzehnt der 20er Jahre gehen mit der Jahreslosung von 2019 „Suche Frieden und jage ihm nach!“ Aber auch die Jahreslosung 2020 ist wegweisend: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9, 24)  Was hat es mit dieser Aussage auf sich. Stumpf zitierte dazu aus seinem Neujahrsbrief, der an Gesprächspartner und  Wegbegleiter in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, an Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Mitarbeitende in Kirche und Diakonie ging:

„Vertrauen ist ein großes Geschenk. Bei vielen Gesprächen mit Verantwortungsträgern in meiner Prälatur im Rahmen der Bezirksvisitationen oder bei Beratungs- und Konfliktgesprächen in den Kirchengemeinden habe ich das ganz beglückend erlebt. 

Die Jahreslosung erschließt sich nur aus ihrem Zusammenhang der  Heilungsgeschichte, der sie entnommen ist:  Der Vater eines behinderten Sohnes hat von Jesus und seinen Heilungen gehört. Er macht sich auf den Weg zu ihm, trifft Jesus aber nicht persönlich an, sondern nur seine Jünger. Er hofft, dass auch die ihm helfen können. Aber seine Hoffnung wird enttäuscht. Die Jünger können seinem Sohn nicht helfen. Da kommt Jesus. Der frustrierte Vater überfällt Jesus mit einem Redeschwall und erzählt im alles. Jesus schimpft mit seinen Jüngern und nennt sie ein ;ungläubiges Geschlecht‘. Dann erst wendet er sich dm behinderten Kind zu, das gerade einen Anfall hat. Der verzweifelte Vater fragt Jesus: ,Wenn du etwas kannst, so erbarme dich unser und  hilf uns!‘ Aber Jesus hilft immer noch nicht, sondern sagt nur. ;Alle Ding sind möglich dem, der glaubt.‘ Das bringt den Vater vollends zur Verzweiflung. Sein Glaube ist ihm zwar verloren gegangen, aber er will dennoch weiter daran glauben, dass Jesus ihm und seinem Sohn hilft. Er ist hin- und hergerissen und schreit diesen paradoxen Satz „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!‘ Und dann geschieht es. Jesus hilft dem Sohn und hilft so auch dem verzweifelten Vater. … Der ungläubige Glaube hat nicht vergeblich geglaubt.“

Prälat Stumpf bekräftigt, dass unser Glaube kein fester Besitz ist, das auch Zweifel dazugehören. Er belebte seine Ausführungen mit von den „Jungen Senioren“ gemeinsam gesungenen (von einem befreundeten Dekan) neu gedichteten alten Kirchenlied („Auf dem Weg in neue Zeiten…. “), am Klavier begleitet von Stumpfs Frau Annette, sowie einem modifizierten Segensgebet aus dem 4. Jahrhundert und dem Vaterunser. 

Nach der Kaffeepause stellte sich Stumpf Fragen zur Prälatur und Landeskirche. Dabei verdeutlichte er, dass er als Prälat nicht Dienstvorgesetzter für die 14 Dekanate des Sprengels ist, sondern als Regionalbischof in erster Linie Seelsorger ist und bei Visitationen und Pfarrstellenbesetzungen in den 380 Kirchengemeinden mitwirkt. Neben der Prälatur Heilbronn gibt es in der Württembergischen Landeskirche drei weitere Prälaturen – Stuttgart, Reutlingen und Ulm. Die vier Prälaten sind Mitglieder im Oberkirchenrat, dem unter Vorsitz des Landesbischofs noch acht Dezernenten sowie der Leiter des diakonischen Werks angehören. 

Stumpf machte noch eine Mitteilung, die die „Jungen Senioren“als erste erfuhren: Er habe, 62jährig, den Antrag auf vorzeitigen Ruhestand gestellt, der von der Kirchenverwaltung am Freitag (10. Januar) genehmigt worden sei, so dass er zur Jahresmitte nach achteinhalb Jahren aus dem Amt ausscheide: „Die Würde ist auch eine Bürde“, auch aus gesundheitlichen Gründen, und um sich mehr seiner Familie (vier Kinder, sechs Enkelkindern) widmen zu können, Gleichzeitig sei auch bereits der neue Heilbronner Prälat bestimmt: Der („zupackende“) Nagolder Dekan Ralf Albrecht, seit 2008 Vorsitzender der pietistischen „Christusbewegung Lebendige Gemeinde“ und als LG-Landessynodaler Vorsitzender des landeskirchlichen Gesprächskreises Lebendige Gemeinde; der Prälat ist gleichzeitig auch Prediger an der Heilbronner Kilianskirche. 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s