Fotografisch darstellen, wie die Natur wirklich ist – Roland Schweizers Multivisionsshow von Löwensteiner Bergen und von Island

2020-01-27_JuSen_022_1akl

Es war wieder ein Highlight im Programm der „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus: Die Multivisonsshow des renommierten Löwensteiner Fotokünstlers Roland Schweizer, von dem es heißt: „Er zeichnet mit seiner Kamera die Landschaften und  vermittelt ein Bild von der Natur, wie sie wirklich ist.“ In jahrzehntelanger Leidenschaft für die Kunst der Fotografie hat er eine Veranstaltungsform „DiaVision in Concert“ zu einem Markenzeichen multimedialer Bildpräsentation entwickelt. Darüber hinaus hat sich Schweizer mit zahlreichen Bildbänden und noch mehr Fotokalendern einen Namen gemacht und große Anerkennung gefunden für seine Arbeiten, die gleichermaßen seine Heimatverbundenheit wie seine Weltoffenheit erkennen lassen.

So galt denn auch der erste Teil von Schweizers Vorführungen Impressionen von den Löwensteiner Bergen und dem Sulmtal. Hier ist er aufgewachsen, in einem kleinen Weingärtnerbetrieb in Löwenstein, wo die Weinberge vor der Flurbereinigung sein Abenteuerspielplatz war, wo er sich nach wie vor wohlfühlt und wo er in der heimischen Natur auch immer wieder noch ein Stück Wildnis entdecken kann. 

Als Betrachter kann man nur schauen und staunen, was Schweizer da für einen Bildreichtum präsentiert, über eine Gegend, die man ja eigentlich zu kennen glaubt. Aber so in der Farbenpracht der Jahreszeiten hat man Rebhänge, Wiesen, Felder und Wälder noch nicht gesehen oder nicht gebührend beachtet, ebenso die harmonische bis spektakuläre Verbindung von Landschaft und Himmel. Immer wieder auch der Breitenauer See aus verschiedener Perspektive, und auch andere Gewässer. Dann die Gemeinden Löwenstein und Obersulm und ihre Ortsteile in der Ferne über der welligen Ebene.  

Schließlich noch eine „Bilderreihe Kindheit“ – eine anscheinend heile Welt von früher auf dem Land, wie sie wohl auch viele „junge Senioren“ erlebt und in Erinnerung haben: Die Oma im Garten, beim Kartoffelschälen, Opa und Enkel auf der Bank und beim Spazierengehen, der alte Schuster in seiner überladenen Werkstatt, Weinlese, Würstchen-Grillen am offenen Feuern, Brot- und Zwiebelkuchen-Backen im Backhäuschen und ihr Transport mit dem Bollerwagen, aber auch Erinnerungen an die Schulzeit, wie sie im Schulmuseum von Weiler lebendig wird.

Gespannt erwarteten die 140 „jungen Senioren“ die zweite Bilderschau nach der Kaffeepause: Schweizers fotografisches Lebensthema ist die Darstellung der möglichst unangetasteten Natur in ihrer atemberaubenden Schönheit der Poesie von Formen und Farben in der Magie des Lichts. Diese Motive findet Schweizer vornehmlich in Island, seiner zweiten Heimat, die er schon mindestens zwei Dutzend mal bereist hat und gerne auf Fotoseminaren vermittelt: Jenes Land aus Feuer und Eis, der Vulkane und Geysire, im äußerten Nordwesten Europas, etwa so groß wie Baden-Württemberg und Bayern zusammen, die jedoch 70mal so viele Einwohner haben wie Island (ca. 350 000). Island entstand vor 25 Millionen Jahre durch vulkanische Aktivität, weil es im Bereich des mittelatlantischen Rückens einer tektonisch aktiven Bruchlinie der europäischen und amerikanischen Kontinentalplatten liegt. Man kann auf dieser Insel, die zu über 90 Prozent aus vulkanischem Ursprung und aus purer Wildnis besteht, erkennen, “wie die Erde entsteht“, so Schweizer. 

Dass Island noch immer noch in Bewegung ist, dem spürte Schweizer in der Bergwelt im Landesinnern nach. Da gibt es den größten Gletscher Europas, größer als alle Alpen-Gletscher zusammen, eine Fläche von der Größe der Mittelmeerinsel Korsika: Vatnajökull („Wassergletscher“). Unter seiner 400 m dicken Eisschicht liegen mehrere  aktive Vulkane. Erdstöße verändern laufend die Struktur der Landschaft. Bei dem Ausbruch des 2000 m hohen Bardabunga 2014, am Nordwestabbruch des Vatnajökull, war Schweizer vor Ort und erhielt als einer von einem knappen Dutzend Personen die Erlaubnis zur Beobachtung dieses imposanten Naturschauspiels aus der Nähe: Frappierende Bilder, wie aus der Glut des  Mittelpunkt der Erde 1000 Grad glühend heiße rote Lava in senkrechter Fontäne hunderte Meter hoch herausgeschleudert werden.. 

In seiner Bilderschau zeigte Schweizer, wie Feuer Schluchten ins Eis gräbt, Eiszapfen und Eisberge, Gletscherseen und zerfurchte Gletscherzungen, Fjorde, Steilküste, Geysire, brodelnde Schlammtöpfe und Dampfquellen. Dann wieder in allen Schattierungen leuchtende wellenförmige Landschaftsformationen, von unzähligen Wasserläufen durchzogen – über 30 hat Schweizer durchquert; Wasserfälle in breiter Front oder in schmaler Schlucht vor schwarzen Basaltsäulen, tosend und schäumend herabstürzend, aber auch eingefrorene Wasserfälle .Urtümliche düstere Schwemmlandschaften, in der sich ein einzelner Mensch verloren ausnimmt, aber auch exotische Vögel in blühender Tundra-Vegetation: isländisches Vulkanland in Herbstfarben und im Winterzauber, unterlegt von schmeichelnder oder dramatischer Musik – der Natur abgelauschte feinfühlige Foto-Kunst im spektakulären Spiel von Farben und Licht, wie sie kein Maler je  hervorbringen kann. Roland Schweizer bildet mit seinem Gefühl für Bilder die Sprache der Natur ab.

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