Archiv für den Monat November 2020

Der ewige Superstar der klassischen Musik

Im Jubiläumsjahr 250 Jahre Ludwig van Beethoven: revolutionäres Genie

Ludwig van Beethoven wurde am 17. Dezember 1770 in Bonn getauft, eingetragen im Taufregister der Pfarrei St. Remigius,  – und er wurde zum globalen Superstar der klassischen Musik. Dementsprechend wurde vor einem Jahr das „Beethoven-Jahr“ ausgerufen: mit weltweit unzähligen Konzert- und Festival-Programmen, Klanginstallationen,  Ausstellungen und Kongressen, schwerpunktmäßig in seiner Geburtsstadt Bonn und in seiner Hauptwirkungsstätte Wien. Die Pandemie des Coronavirus mit ihren vielfältigen Einschränkungsmaßnahmen hat jedoch bei den Feierlichkeiten zum 250. Geburtstagsjahr von Ludwig van Beethoven zahlreiche Gedenk- und Jubelveranstaltungen verhindert. So auch bei den „Jungen Senioren“, wo der Unterländer Musikwissenschaftler Dr. Matthias Schwarzer in Wort und Ton das größte Musik-Genie würdigen wollte unter dem Titel „Musik ist höhere Offenbarung als die Weisheit und Philosophie“.

Diese Einschätzung trifft wohl sehr charakteristisch das kompositorische Wirken Beethovens: „Musik für die  Ewigkeit“, wie maßgebende Musikexperten meinen. Seine Kompositionen schwankten zwischen unbeschwert anmutender Virtuosität und schicksalsschwerer Dramatik – als Ausdruck seines Seelenlebens und seiner originären Persönlichkeit. Es war die unmittelbare gefühlsmäßige Wirkung seiner kraftvollen und explosiven Musik auf das Publikum, das den Mythos Beethoven als Neuerer der Musik begründete.

Beethovens außergewöhnliche musikalische Begabung wurde schon früh in seiner Kindheit von seinem Vater entdeckt, einem liederlichen Hofmusiker und Alkoholiker. Der junge Ludwig erhielt bereits im Mai 1784 eine bezahlte Stelle als zweiter Organist am Hof, wo sein ungewöhnliches Klavierspiel alsbald große Anerkennung und Bewunderung fand. 

Deswegen wurde er 1791 vom Kurfürsten zu einem Studienaufenthalt nach Wien geschickt, der Hauptstadt der klassischen Musik, die dann seine Wahlheimat wurde und wo der junge Beethoven auch kurzzeitig Unterricht bei Haydn bekam, sich aber selbst schon schnell als überlegen und vollendet empfand. Tatsächlich erweckte seine Art des Klavierspielens in dem musikalisch so aufgeschlossenen Wien großen Eindruck. Beethoven galt als der temperamentvollste Pianist und größte Improvisator seiner Zeit und war schließlich der populärste Komponist. Er sah sich von Anfang an als herausragender Künstler mit entsprechendem Anspruch und Selbstbewusstsein.  Das drückte sich auch aus im Umgang mit den ihn umwerbenden Verlegern und vor allem in seinem distanzlosen Auftreten in der Wiener Gesellschaft und dem Wiener Hochadel, von dem er anstandslos eine alljährliche Apanage bezog. 

Beethoven verdankt seine Sonderstellung wohl seiner künstlerischen Originalität als schöpferische Naturbegabung, die hergebrachte Musikformen gegebenenfalls missachtete und revolutionierte. Persönlich hingegen war er ein regelrechter Unflat. Mürrisch, argwöhnisch, launisch, aufbrausend, aber auch pedantisch, ein empfindlicher Misanthrop und chaotischer Messie, der in seinen 35 Wiener Jahren dutzende Male umzog und bestimmt 20 verschiedene Wohnungen hatte, in denen – wie Besucher berichteten – eine unbeschreibliche Unordnung herrschte. Gleichwohl verkehrte er in besten Kreisen, mitunter gut gekleidet,  mit Perücke oder wallender Künstlermähne, aber im Benehmen höchst unangepasst. Hier kam er auch mit gut verheirateten Damen in Kontakt, in der er sich auch verliebte, die aber standesgemäß wohl nie eine Verbindung mit ihm in Erwägung gezogen haben dürften. Dennoch gab sein Brief an die „Unsterbliche Geliebte“ der Nachwelt Anlass für Spekulationen, ob Antonia Brentano oder Josephine Brunsvik, die er mehrmals in Prag traf, die Frau seiner Begierde war. 

Beethovens frühe Wiener Jahr waren – auch als frenetisch gefeierter dirigierender Kapellmeister – von Erfolg gekrönt, und der sollte sich eher noch mehren, obwohl Beethoven bereits als 28jähriger erstes Hörleiden spürte, das laufend zunahm, bis er – noch keine 40 – total ertaubte. Das hinderte ihn aber nicht, auch dann noch unvergängliche Musik zu hinterlassen. Er hatte das absolute Gehör und.eine enorme Musikbibliothek im Kopf. So ungeschickt und nachlässig er in persönlichen Dingen war, so nachhaltig und gewissenhaft war er im Komponieren, von Klavierkonzerten, Kammermusik, Orchesterwerken. Jeder Klavierschüler kennt seine dreiminütige Miniatur „Für Elise“, die Musikwelt schätzt seine Klaviersonaten, seine Violin- und Cellosonaten, „Eroica“, „Appassionata“, „Pastorale“, seine Streichquartetten, Sinfonien, seine einzige Oper „Fidelio“ (1814), die „Missa solemnis“ (1823), sein vielleicht gelungenstes Werk. Am bekanntestes aber ist Beethovens „Neunte“ von 1827, eine ungewöhnlich lange 70 minütige Sinfonie, mit der Schillers Gedicht interpretierenden „Ode an die Freude“. Aus 16 Takten daraus entstand die Europa-Hymne, die die Werte der Europäischen Gemeinschaft für Freiheit, Frieden und Solidarität ausdrückt.  

Beethoven starb nach langjährigem Leberleiden am 27.März 1827; über 20 000 Menschen nahmen an seinem Begräbnis in Wien teil; Schubert war einer der Fackelträger des Leichenzugs.

Helmut Sauter

Gemälde von Joseph Karl Stieler ca. 1820

Luciano Pavarotti, der große italienische Startenor

Eindrucksvolles Dokumentarfilm-Erlebnis im Arthaus-Kino Heilbronn

Ein faszinierendes Film-Erlebnis für die „Jungen Senioren“ hätte es werden können, als zum gewohnten Montag-Termin der große Saal des Hans-Rießer-Hauses nicht zur Verfügung stand: „Pavarotti“, die Musik-Dokumentation über das Leben des populärsten Opernsänger aller Zeiten,  im Kinostar Arthaus Heilbronn im Marra-Haus, jenem anspruchsvollen Filmtheater, das sich deutlich von den Multiplex-Kinos unterscheidet. Doch es war der erste Tag des zweiten Lockdown, sodass diese Sondervorstellung kurzfristig abgesagt werden musste.. 

Der bekannte und erfahrene amerikanische Regisseur Ron Howard, zweifacher Oacar-Preisträger, hat zwölf Jahr nach dem Tod des italienischen Star-Tenors Luciano Pavarotti in einem ungemein kraftvollen Dokumentarfilm, indem der begnadete Sänger seine Lebensgeschichte quasi selbst erzählt, ein cineastisches Denkmal gesetzt. Howard konnte das Privatarchiv von Pavarotti nutzen, so dass er auf eine Fülle von Material und Fotos, auch aus seiner Kindheit und Jugend, zurückgreifen konnte. Vor allem aber beeindrucken die Mitschnitte von Pavarottis Bühnenauftritten sowie  zahlreiche Interview-Schnipsel mit Agenten und Sängerkollegen. Seine biografischen Wegmarken werden chronologisch abgeschritten. So ergibt sich ein aussagekräftiges Porträt eines außergewöhnlichen Künstlers. Um dessen Bedeutung zu erfassen, muss man kein Opern-Fan sein. Ein gewisses Manko könnte es sein, dass die rasant schnellen Abläufe im Film vielleicht nicht die passende Atmosphäre aufkommen lassen.

Luciana Pavarotti wurde am 12. Oktober 1935 in Modena geboren. Sein Vater, ein ortsansäßiger Bäcker, war begeisterter Tenor im Chor der Stadt Modena, und ihm folgte Luciana hier nach. Pavarotti versuchte sich nach einem Pädagogik-Studium erst als Volksschullehrer, bevor er 1956 beschloss, seine viel gelobte Stimme zur Berufswahl zu nutzen. Sein sechsjähriges Studium des klassischen Gesangs finanzierte er zum Teil als Versicherungsvertreter, bis er 1961 im Opernhaus von Reggio nell’Emilia als Rodolfo in Puccinis La Bohème – seine spätere Paraderolle – debütiere und einen internationalen Gesangswettbewerb gewann. Es folgten Einladungen an die bedeutendsten italienischen und internationalen Opernhäuser; 1966 debütierte er an der Mailänder Scala, 1968 an der New York Metropolitan Opera. Von einem hellen leichten lyrischen Tenor entwickelte er sich auch in Richtung dramatischer Partien. Sein Repertoire wies lediglich 18 Opernpartien auf, alle in italienischer Sprache, aber er machte Opernaufführungen volkstümlicher.

Pavarotti war – neben Caruso – nicht nur der größte Operntenor aller Zeiten, sondern er wurde auch noch der größte Pop- und Musik-Star durch herausragende Liederabende Konzerte und Tourneen, so mit Solo-Konzerten im Londoner Hyde-Park 1992 vor 250 000 und 1993 im London Central Park vor 500 000 Zuhörern. Zum absolutem Highlight wurden „die die Tenöre“, gemeinsame Auftritte von Pavarotti mit José  Carreras und Placido Domingo. Ihr Konzert am 7. Juli 1990 in den römischen Caracalla-Thermen anlässlich der  Fußballweltmeisterschaft erreichten eine Milliarde Fernsehzuschauer in aller Welt. Des Erfolges wegen  trat das Trio auch noch bei den Fußballweltmeisterschaften 1994 in Los Angeles, 1998 in Paris und 2002 in Yokahama auf; Pavarotti zuletzt auch noch 2006 zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Turin. 

Auch dass Pavarotti sich mit Werken der Vokalkunst befasste, und gemeinsam mit anderen bekannten Sängern auftrat, tat seinem Ansehen keinen Abbruch An der Deutschen Oper in Berlin wurde er mal mit 115 Vorhängen und 67 Minuten ununterbrochenem Applaus gefeiert. Er eroberte die Hitparaden in vielen Ländern; mehr als 26 Millionen Tonträger wurden von Pavarotti verkauft.

Auch wenn Pavarottis Leben der Musik gewidmet war, führte er kein abgehobenes Leben. Er engagierte sich  für junge Sänger und für soziale Projekte, Kinderhilfen in Guatemala und im Kosovo. Er war aber auch ein Lebemann und ein Frauenheld, woran letztlich auch seine 40jährige Ehe scheiterte; mit Adua Veroni hatte er drei Töchter. 2001 heiratete er Nicoletta Mantovani, die 1993 seine Sekretärin geworden war und die nach seinem Tod durch hohe Erbansprüche und Vermögensverschiebungen eine schlechte Presse erhielt.

Pavarotti verstarb am 6. Juni 2007 an einem Krebsleiden in Modena, vier Jahre nach seinen Eltern. An die 100 000 Menschen nahmen an drei Tagen ans einem offenen Sarg im Dom in Modena von Pavarotti Abschied, seine Trauermesse wurde weltweit übertragen ,und zu seinen Ehren flog eine Formation von Kampfjets einer Kunstflugstaffel mit Rauchstreifen in den Farben grün, weiß, rot der italienischen Flagge, wie sonst nur bei Staatsbegräbnissen.

Ein faszinierendes Film-Erlebnis für die „Jungen Senioren“ hätte es werden können, als zum gewohnten Montag-Termin der große Saal des Hans-Rießer-Hauses nicht zur Verfügung stand: „Pavarotti“, die Musik-Dokumentation über das Leben des populärsten Opernsänger aller Zeiten,  im Kinostar Arthaus Heilbronn im Marra-Haus, jenem anspruchsvollen Filmtheater, das sich deutlich von den Multiplex-Kinos unterscheidet. Doch es war der erste Tag des zweiten Lockdown, sodass diese Sondervorstellung kurzfristig abgesagt werden musste.. 

Der bekannte und erfahrene amerikanische Regisseur Ron Howard, zweifacher Oacar-Preisträger, hat zwölf Jahr nach dem Tod des italienischen Star-Tenors Luciano Pavarotti in einem ungemein kraftvollen Dokumentarfilm, indem der begnadete Sänger seine Lebensgeschichte quasi selbst erzählt, ein cineastisches Denkmal gesetzt. Howard konnte das Privatarchiv von Pavarotti nutzen, so dass er auf eine Fülle von Material und Fotos, auch aus seiner Kindheit und Jugend, zurückgreifen konnte. Vor allem aber beeindrucken die Mitschnitte von Pavarottis Bühnenauftritten sowie  zahlreiche Interview-Schnipsel mit Agenten und Sängerkollegen. Seine biografischen Wegmarken werden chronologisch abgeschritten. So ergibt sich ein aussagekräftiges Porträt eines außergewöhnlichen Künstlers. Um dessen Bedeutung zu erfassen, muss man kein Opern-Fan sein. Ein gewisses Manko könnte es sein, dass die rasant schnellen Abläufe im Film vielleicht nicht die passende Atmosphäre aufkommen lassen.

Luciana Pavarotti wurde am 12. Oktober 1935 in Modena geboren. Sein Vater, ein ortsansäßiger Bäcker, war begeisterter Tenor im Chor der Stadt Modena, und ihm folgte Luciana hier nach. Pavarotti versuchte sich nach einem Pädagogik-Studium erst als Volksschullehrer, bevor er 1956 beschloss, seine viel gelobte Stimme zur Berufswahl zu nutzen. Sein sechsjähriges Studium des klassischen Gesangs finanzierte er zum Teil als Versicherungsvertreter, bis er 1961 im Opernhaus von Reggio nell’Emilia als Rodolfo in Puccinis La Bohème – seine spätere Paraderolle – debütiere und einen internationalen Gesangswettbewerb gewann. Es folgten Einladungen an die bedeutendsten italienischen und internationalen Opernhäuser; 1966 debütierte er an der Mailänder Scala, 1968 an der New York Metropolitan Opera. Von einem hellen leichten lyrischen Tenor entwickelte er sich auch in Richtung dramatischer Partien. Sein Repertoire wies lediglich 18 Opernpartien auf, alle in italienischer Sprache, aber er machte Opernaufführungen volkstümlicher.

Pavarotti war – neben Caruso – nicht nur der größte Operntenor aller Zeiten, sondern er wurde auch noch der größte Pop- und Musik-Star durch herausragende Liederabende Konzerte und Tourneen, so mit Solo-Konzerten im Londoner Hyde-Park 1992 vor 250 000 und 1993 im London Central Park vor 500 000 Zuhörern. Zum absolutem Highlight wurden „die die Tenöre“, gemeinsame Auftritte von Pavarotti mit José  Carreras und Placido Domingo. Ihr Konzert am 7. Juli 1990 in den römischen Caracalla-Thermen anlässlich der  Fußballweltmeisterschaft erreichten eine Milliarde Fernsehzuschauer in aller Welt. Des Erfolges wegen  trat das Trio auch noch bei den Fußballweltmeisterschaften 1994 in Los Angeles, 1998 in Paris und 2002 in Yokahama auf; Pavarotti zuletzt auch noch 2006 zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Turin. 

Auch dass Pavarotti sich mit Werken der Vokalkunst befasste, und gemeinsam mit anderen bekannten Sängern auftrat, tat seinem Ansehen keinen Abbruch An der Deutschen Oper in Berlin wurde er mal mit 115 Vorhängen und 67 Minuten ununterbrochenem Applaus gefeiert. Er eroberte die Hitparaden in vielen Ländern; mehr als 26 Millionen Tonträger wurden von Pavarotti verkauft.

Auch wenn Pavarottis Leben der Musik gewidmet war, führte er kein abgehobenes Leben. Er engagierte sich  für junge Sänger und für soziale Projekte, Kinderhilfen in Guatemala und im Kosovo. Er war aber auch ein Lebemann und ein Frauenheld, woran letztlich auch seine 40jährige Ehe scheiterte; mit Adua Veroni hatte er drei Töchter. 2001 heiratete er Nicoletta Mantovani, die 1993 seine Sekretärin geworden war und die nach seinem Tod durch hohe Erbansprüche und Vermögensverschiebungen eine schlechte Presse erhielt.

Pavarotti verstarb am 6. Juni 2007 an einem Krebsleiden in Modena, vier Jahre nach seinen Eltern. An die 100 000 Menschen nahmen an drei Tagen ans einem offenen Sarg im Dom in Modena von Pavarotti Abschied, seine Trauermesse wurde weltweit übertragen ,und zu seinen Ehren flog eine Formation von Kampfjets einer Kunstflugstaffel mit Rauchstreifen in den Farben grün, weiß, rot der italienischen Flagge, wie sonst nur bei Staatsbegräbnissen.

Der Film zeichnet das Bild einer Showgröße, eines Maestros, aber auch eines Familienmenschen und Wohltäter einer großen Persönlichkeit, der nicht nur mit seiner vielgerühmten Stimme,die bis zu neun hohe C bewältigte, sondern auch mit seinem offenen einnehmenden Wesen  und seinem Charme, seinem Talent zur Selbstdarstellung, Einzelne wie auch die Massen – das Publikum – begeisterte.

Helmut Sauter