Der ewige Superstar der klassischen Musik

Im Jubiläumsjahr 250 Jahre Ludwig van Beethoven: revolutionäres Genie

Ludwig van Beethoven wurde am 17. Dezember 1770 in Bonn getauft, eingetragen im Taufregister der Pfarrei St. Remigius,  – und er wurde zum globalen Superstar der klassischen Musik. Dementsprechend wurde vor einem Jahr das „Beethoven-Jahr“ ausgerufen: mit weltweit unzähligen Konzert- und Festival-Programmen, Klanginstallationen,  Ausstellungen und Kongressen, schwerpunktmäßig in seiner Geburtsstadt Bonn und in seiner Hauptwirkungsstätte Wien. Die Pandemie des Coronavirus mit ihren vielfältigen Einschränkungsmaßnahmen hat jedoch bei den Feierlichkeiten zum 250. Geburtstagsjahr von Ludwig van Beethoven zahlreiche Gedenk- und Jubelveranstaltungen verhindert. So auch bei den „Jungen Senioren“, wo der Unterländer Musikwissenschaftler Dr. Matthias Schwarzer in Wort und Ton das größte Musik-Genie würdigen wollte unter dem Titel „Musik ist höhere Offenbarung als die Weisheit und Philosophie“.

Diese Einschätzung trifft wohl sehr charakteristisch das kompositorische Wirken Beethovens: „Musik für die  Ewigkeit“, wie maßgebende Musikexperten meinen. Seine Kompositionen schwankten zwischen unbeschwert anmutender Virtuosität und schicksalsschwerer Dramatik – als Ausdruck seines Seelenlebens und seiner originären Persönlichkeit. Es war die unmittelbare gefühlsmäßige Wirkung seiner kraftvollen und explosiven Musik auf das Publikum, das den Mythos Beethoven als Neuerer der Musik begründete.

Beethovens außergewöhnliche musikalische Begabung wurde schon früh in seiner Kindheit von seinem Vater entdeckt, einem liederlichen Hofmusiker und Alkoholiker. Der junge Ludwig erhielt bereits im Mai 1784 eine bezahlte Stelle als zweiter Organist am Hof, wo sein ungewöhnliches Klavierspiel alsbald große Anerkennung und Bewunderung fand. 

Deswegen wurde er 1791 vom Kurfürsten zu einem Studienaufenthalt nach Wien geschickt, der Hauptstadt der klassischen Musik, die dann seine Wahlheimat wurde und wo der junge Beethoven auch kurzzeitig Unterricht bei Haydn bekam, sich aber selbst schon schnell als überlegen und vollendet empfand. Tatsächlich erweckte seine Art des Klavierspielens in dem musikalisch so aufgeschlossenen Wien großen Eindruck. Beethoven galt als der temperamentvollste Pianist und größte Improvisator seiner Zeit und war schließlich der populärste Komponist. Er sah sich von Anfang an als herausragender Künstler mit entsprechendem Anspruch und Selbstbewusstsein.  Das drückte sich auch aus im Umgang mit den ihn umwerbenden Verlegern und vor allem in seinem distanzlosen Auftreten in der Wiener Gesellschaft und dem Wiener Hochadel, von dem er anstandslos eine alljährliche Apanage bezog. 

Beethoven verdankt seine Sonderstellung wohl seiner künstlerischen Originalität als schöpferische Naturbegabung, die hergebrachte Musikformen gegebenenfalls missachtete und revolutionierte. Persönlich hingegen war er ein regelrechter Unflat. Mürrisch, argwöhnisch, launisch, aufbrausend, aber auch pedantisch, ein empfindlicher Misanthrop und chaotischer Messie, der in seinen 35 Wiener Jahren dutzende Male umzog und bestimmt 20 verschiedene Wohnungen hatte, in denen – wie Besucher berichteten – eine unbeschreibliche Unordnung herrschte. Gleichwohl verkehrte er in besten Kreisen, mitunter gut gekleidet,  mit Perücke oder wallender Künstlermähne, aber im Benehmen höchst unangepasst. Hier kam er auch mit gut verheirateten Damen in Kontakt, in der er sich auch verliebte, die aber standesgemäß wohl nie eine Verbindung mit ihm in Erwägung gezogen haben dürften. Dennoch gab sein Brief an die „Unsterbliche Geliebte“ der Nachwelt Anlass für Spekulationen, ob Antonia Brentano oder Josephine Brunsvik, die er mehrmals in Prag traf, die Frau seiner Begierde war. 

Beethovens frühe Wiener Jahr waren – auch als frenetisch gefeierter dirigierender Kapellmeister – von Erfolg gekrönt, und der sollte sich eher noch mehren, obwohl Beethoven bereits als 28jähriger erstes Hörleiden spürte, das laufend zunahm, bis er – noch keine 40 – total ertaubte. Das hinderte ihn aber nicht, auch dann noch unvergängliche Musik zu hinterlassen. Er hatte das absolute Gehör und.eine enorme Musikbibliothek im Kopf. So ungeschickt und nachlässig er in persönlichen Dingen war, so nachhaltig und gewissenhaft war er im Komponieren, von Klavierkonzerten, Kammermusik, Orchesterwerken. Jeder Klavierschüler kennt seine dreiminütige Miniatur „Für Elise“, die Musikwelt schätzt seine Klaviersonaten, seine Violin- und Cellosonaten, „Eroica“, „Appassionata“, „Pastorale“, seine Streichquartetten, Sinfonien, seine einzige Oper „Fidelio“ (1814), die „Missa solemnis“ (1823), sein vielleicht gelungenstes Werk. Am bekanntestes aber ist Beethovens „Neunte“ von 1827, eine ungewöhnlich lange 70 minütige Sinfonie, mit der Schillers Gedicht interpretierenden „Ode an die Freude“. Aus 16 Takten daraus entstand die Europa-Hymne, die die Werte der Europäischen Gemeinschaft für Freiheit, Frieden und Solidarität ausdrückt.  

Beethoven starb nach langjährigem Leberleiden am 27.März 1827; über 20 000 Menschen nahmen an seinem Begräbnis in Wien teil; Schubert war einer der Fackelträger des Leichenzugs.

Helmut Sauter

Gemälde von Joseph Karl Stieler ca. 1820

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