Kirchliches Mottowort 2021: Barmherzigkeit

Der neue Heilbronner Prälat Ralf Albrecht legt die Jahreslosung aktuell aus

Es ist guter Brauch bei den „Jungen Senioren“, dass der Heilbronner Prälat die Programmreihe im neuen Jahr eröffnet und dabei die Jahreslosung auslegt. So geschehen auch vor einem Jahr (13. Januar 2020) von Prälat Harald Stumpf, der bei dieser Gelegenheit auch nach acht Jahren im Amt des Regionalbischofs sein vorzeitiges Ausscheiden mit 62 aus gesundheitlichen Gründen bekanntgab. Kurz zuvor (am 10. Januar) hatte die württembergischen Kirchenverwaltung Stumpfs Antrag auf vorzeitigen Ruhestand genehmigt, und noch am gleichen Tag hatte – um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten – der Landeskirchenausschuss den Dekan des Kirchenbezirks Nagold, Ralf Albrecht, zum neuen Prälat des Sprengels Heilbronn gewählt.

Ralf Albrecht, seit 1. September  2020 neuer Heilbronner Prälat, erklärte sich auch gerne bereit für die Auftaktveranstaltung der „Jungen Senioren“ am 11. Januar im Hans-Rießer-Haus. Doch der Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie machte diese Präsenzveranstaltung zunichte. Prälat Prälat Albrecht ist  jedoch in seinem Neujahrsbrief 2021 dezidiert auf die ökumenische Jahreslosung 2021 in dieser so ungewöhnlichen aktuellen Situation eingegangen: „Seid barmherzig, wie auch Euer Vater im Himmel barmherzig ist: „(Lukas 6/ 36)  

„2020 hat uns zum Teil eindrucksvoll  und zum Teil verunsichernd gezeigt, wie wenig wir Menschen Zukunft und Planung  in der Hand haben.“ So Albrechts Einführung und er folgert, dass deshalb die Stimmung zwischen Angst und Aufbegehren wechselt. In dieser „alles andere als eine herzergreifend frische und hoffnungsvolle Perspektive“ sei, bringe die Jahreslosung „unser Leben mit Herzenswärme, mit Güte und mit Zuversicht in Verbindung.“ 

„Und das brauchen wir: Barmherzigkeit! Barmherzigkeit miteinander. Wenn die Einschränkungen noch nicht aufhören. Wenn so vieles ungewohnt bleibt und wir voneinander Abstand halten – und das aus gutem Grund. Es ist sogar Teil unseres  barmherzigen Handelns. Wir achtcn aufeinander, indem wir bestimmte altgeliebte Gewohnheiten gerade immer noch zurückstellen. Indem wir auf Tätigkeiten verzichten, für die wir uns sonst Zeit und Freiheit genommen haben.“ Prälat Albrecht hebt hervor, „dass Gottes Güte bildlich gesehen für uns ‚Ent-Lastung‘ bedeutet: ‚Er-Barmen‘, und dass Gott ein Herz für unsere Last hat: ‚Barmherzigkeit‘.“ Dass Gott  barmherzig ist, ist für Albrecht „der Anfang von allem. Daraus kriegen wir die Kraft, Lasten anderer zu tragen – also barmherzig zu sein.“  Und er folgert, weil Gott die größte Last der Welt aufs Herz nimmt: „Was war, muss und kann mich nie mehr beeindrucken. Was kommt, braucht und darf mich nicht schrecken. Durch Gottes Erbarmen geht mir das Herz auf.“

Und so hat Albrecht alle Lastenträgerinnen und Lastenträger im Blick und spricht ihnen „ganz hohe Anerkennung und Dank“ aus. „Als ihr  neuer Prälat bin ich in den ersten Monaten  meiner Amtszeit sehr, sehr beeindruckt von dem, was hier in der Region und weit darüber hinaus an Herzt verschenkt wird.“

Dass Ralf Albrecht ein Geistlicher ist, der es liebt, auf die Menschen offen zuzugehen, sagte Landesbischof Otfried July bei dem im Kirchenfernsehen übertragenen festlichen Gottesdienst zur Einführung von Albrecht in das Amt des Heilbronner Regionalbischofs am 13. September 2020. Wegen der Hygiene-Bestimmungen infolge der Corona-Krise fand der Einführungsgottesdienst nicht in der Heilbronner Kilianskirche statt, sondern auf dem Heilbronner Gaffenberg, wo – so der Landesbischof – viele Jugendliche für Gemeinschaft und Glauben sensibilisiert worden sind.

In der Predigt zu seiner Amtseinführung bezog sich der neu geweihte Prälat auf das Bibelwort, dass jede und jeder von Gott besondere Gaben empfangen hat, die sie/er in die Gemeinschaft einbringen kann, dass als nicht eine(r) alles schaffen kann. Der Kirche als Institution sei es aufgetragen, zu verwalten und zu gestalten, mit Transparenz und Fleiß, gute Haushalterschaft zu wahren, aber über das Ökonomische an der Einheit der Kirche zu arbeiten, die Vielfalt als versöhnte Verschiedenheit zu verstehen und über Ungerechtigkeiten nicht hinwegzusehen. 

Prälat Albrecht sagt von seinem Amt: „Wir Prälaten repräsentieren, predigen, visitieren und sind mit Pfarrstellen-Besetzungen beschäftigt“. Er sitze einmal in der Woche mit dem Oberkirchenrat am Tisch, habe eine Dolmetscher-Funktion zwischen  Kirchenleitung und Kirchenvolk. Der Heilbronner Regionalbischof ist zuständig für14 Kirchenbezirke zwischen Unterland und Hohenlohe, mit 483 000 Kirchenmitgliedern in 365 Kirchengemeinden.

Ralf Albrecht, am 29. Juli 1964 in (Leonberg-)Höfingen geboren, begann seine Pfarrerslaufbahn bereits in der Prälatur, als Vikar in Hausen an der Zaber. Er war von 1994-97 Studienassistent am Tübinger Albrecht-Bengel-Haus, dann zehn Jahre Gemeindepfarrer in Rielinghausen (Dekanat Marbach), in Stellenteilung mit seiner Frau Christa geb. Waldmann (das Pfarrersehepaar hat drei Kinder), und seit 2007 Dekan des Kirchenbezirks Nagold. Seit 2008 war Albrecht Vorsitzender der pietistischen Christusbewegung „Lebendige Gemeinde“, seit 2013 gewähltes Mitglied der Landessynode für die LG, ein Amt, das er mit der Prälaten-Bestellung aufgab: „Ich will der Prälat aller sein.“

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