Archiv für den Tag 5. Februar 2021

Klöster sind von außerordentlichem Kulturwert

Matthias Hofmann beleuchtet die historische Entwicklung des Mönchtums

Klöster – jede(r) kennt welche. Viele halten sie für altmodisch und überholt, wenngleich manche „noch in Betrieb sind“. Klöster haben über Jahrhunderte als mächtige Gebäudekomplexe die Landschaften in Europa und die Mönche und Nonnen das gesellschaftliche Leben mitgeprägt. Um dem nachzuspüren, haben die „Jungen Senioren“ das Thema „Klosterleben – das Mönchtum von seiner Entwicklung bis zum Mittelalter“ in ihr Programm aufgenommen. Doch der für den 1. Februar vorgesehene Vortrag des Historikers Matthias Hofmann im Hans- Rießer-Haus fiel auch dem Lockdown im Rahmen der Corona-Pandemie zum Opfer. Um diesen Themenbereich dennoch zu kommunizieren, soll textlich eine würdigende Darstellung erfolgen.

Wie Hofmann darlegt, gab es in urchristlicher Zeit im Nahen Osten – in Wüsten- und Gebirgsgegeneden – zahlreiche Einsiedeleien, aus denen sich das christliche Mönchtum nach dem Vorbild der asketischen Eremiten in der Einöde entwickelte. Als Begründer dieser spirituellen Bewegung gilt der aus Ägypten stammende heilige Antonius (angeblich 251-356), dessen (koptisch) mönchisches Modell in der Lebensbeschreibung von dem Patriarchen von Alexandria, Bischof Athanasius, in der viel beachteten Lebensbeschreibung übermittelt wurde. Das erste christliche Kloster soll der heilige Pachomios (295- 346) in Oberägypten begründet haben, mit den ersten Klosterregeln („Engelsregeln“), in der von Zucht und Gehorsam bestimmten Gemeinschaftsleben. Einen wesentlichen Beitrag zum Denken im Abendland lieferte der lateinische Kirchenlehrer Augustinus von Hippo (354-430), erst Mönch, dann ab 396 Bischof.

Die Idee des Mönchstums breitete sich im Frühmittelalter im gesamten ehemaligen Imperium Romanum aus, und die Klöster – die Lebensweisen der Mönchsgemeinschaften fanden bei Gläubigen großen Anklang. Sie akzeptierten die lebenslange freiwillige Isolation hinter Klostermauern, Vorschriften von Gehorsam, Demut, Besitzlosigkeit und Keuschheit, primär der Idee der vollkommenen Christusnachfolge verpflichtet. Gemäß der benediktinischen Ordensregel „Ora et labora“ – „bete und arbeite“ – gehörten neben den regelmäßigen Stundengebeten in der Gemeinschaft, insbesondere das Beten von Psalmen im Wechselgesang, auch körperliche Arbeit dazu (auch wenn dazu oft „Laienbrüder“ in Handwerk und Landwirtschaft eingespannt waren). Klosterwirtschaft musste sich autonom selbst tragen. Klöster waren nicht nur Orte der Glaubensausübung und der Seelsorge, sondern auch der Wissenschaft, der Gelehrsamkeit und der Künste. Es entstanden kostbare Handschriften. Klöster waren Zentren für Erhalt, Vertiefung und Verbreitung von abendländischem Wissen und Kultur, als Bildungsstätte und Klosterschule, dienten auch der Pflege von Kräuter- und Heilkunde in Klostergärten bis hin zur Krankenpflege und der Armenfürsorge.
Für die mittelalterlichen Klosteranlagen gab es idealtypische Grundrisse. Nach dm St. Galler Klosterplan (um 820) waren neben der Klosterkirche und dem Kreuzgang Kult-, Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie Bibliothek, Schreibsaal und Spital vorgesehen, aber auch ein Friedhof. Wurden Klöster im Frühmittelalter fast ausschließlich in der Abgeschiedenheit errichtet, um diese Gegenden zu kultivieren, wurden im Hochmittelalter Klöster bevorzugt in den aufstrebenden Städten etabliert. Die beginnende Neuzeit sowie Reformation, Bauernkriege und Dreißigjähriger Krieg brachten den Orden erhebliche Verluste, allein den Benediktinern und Zisterziensern in Deutschland gingen 400 Klöster verloren. Durch den napoleonischen Reichsdeputationshauptschluss 1803 wurden hunderte von Klöstern aufgehoben.
Klöster sind und bleiben allein von ihrer historischen Bausubstanz von unschätzbarem Wert. In Deutschland zählen das Kloster Maulbronn, als die am vollständigsten erhaltene Anlage eines mittelalterlichen Zisterzienserklosters in Europa, das ehemalige Reichskloster Lorsch mit Toranlage aus karolingischer Zeit und das ehemalige Benediktinerkloster auf der Bodensee-Insel Reichenau zum UNESCO-Weltkulturerbe. Noch immer gibt es in Deutschland eine Reihe von Klöstern mit echtem Klosterleben, sowie Möglichkeiten der Teilnahme auf Zeit an spirituellem Leben mit Auszeiten und Exerzitien