Archiv der Kategorie: 2016-17

Heilbronn reich an Privatgärten und Gärnereien – Mit Annette Geisler vom Stadtarchiv auf Streifzug durch grüne Geschichte

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Annette Geister unternahm einen „grünen Streifzug“ durch Heilbronn. (Foto: Rolf Gebhardt)

Zur Bundesgartenschau 2019 will Heilbronn ihre „grünen Vorzüge“ wieder ins rechte Licht rücken und mit neuer ökologischer Stadtgestaltung brillieren. Heilbronn war und ist aber schon seit Jahrhunderten eine „grüne Stadt“. Annette Geisler, Bibliothekarin beim Stadtarchiv Heilbronn, unternahm bei den „Jungen Senioren“ erneut einen „grünen Streifzug“ durch die Stadtgeschichte. Nachdem sie vor einem Jahr den Schwerpunkt auf öffentliche Anlagen und Parks gelegt hatte, widmete sie sich diesmal verstärkt privaten Gärten und Gärtnereien.

Schon im ausgehenden Mittelalter ist bezeugt, dass es in und um Heilbronn eine Fülle von  Zier-Obst- und Gemüsegärten gab. Wie Annette Geisler eruierte, hatte Mitte des 16. Jahrhunderts der erste „neugläubige“ Pfarrer in Flein, Jeremias Held, sich in einem Pflanzen- und Kräuterbüchlein,über die Fülle der Anpflanzungen in den hiesigen Gärten ausgelassen und insbesondere die Schönheit und auch Heilwirkung der Nelke hervorgehoben.

Einen noch besseren  Einblick vermittelt das legendäre 1543 erschienene „Kräuterbuch“ des Mediziners und Botanikers Leonhart Fuchs (1501-1566), der seine Schulzeit in Heilbronn verbracht hatte. Fuchs hatte zuerst alte Sprachen bei dem Humanisten Johannes Reuchlin in Ingolstadt studiert sowie Philosophie und Naturlehre, dann Medizin. Als langjähriger Medizin-Professor in Tübingen führte er botanische Exkursionen durch, legte Arzneipflanzengärten an und den ersten botanischen Garten der Universität. In jenem Klassiker der botanischen Literatur hat er über 400 europäische und 100 exotische Pflanzen beschrieben und in Holzschnitten dargestellt, von denen Geisler einige Prachtexemplar zeigte. Die ausgangs des 17. Jahrhunderts von einem französischen Mönch und Forscher in Santo Domingo entdeckte „Fuchsie“ ist nach diesem „schwäbischen Vater der Pflanzenkunde“ benannt worden. „Im 19.Jahrhundert ergab sich eine regelrechte Fuchsie-Euphorie“, ausgehend von England, dann den europäischen Kontinent ergreifend, bis hin nach den USA“, fügte Geisler an. Dem vorausgegangen war eine Tulpenmanie.

Bereits zu jener Zeit war es  Mode, neben Nelken und Tulpen exotische Gewächse zu pflegen, wenn man die Möglichkeit hatte, sie in geschützten Räumen überwintern zu lassen. Glanzvoller Höhepunkt war damals der riesige Barockgarten der Deutschordenskomturs in Sontheim – ein „Klein Versailles“ – gar mit einer Orangerie am Landhaus. (Auf dem Gelände entstand ab 1868 der Komplex der Zwirnerei Ackermann.)

Generell legte man in Heilbronn Wert, den Stadtausbau in Richtung Gartenstadt zu lenken. So wurde es bei vielen neu angelegten Straßen Pflicht, begrünte Vorgärten anzulegen. Bei den Siedlungsprojekten von Stadtpfarrer Fritz Stein (Fleiner Höhe) und Bauunternehmer Paul Ensle (Käferflug) waren Gärten eingeplant. In der engen Altstadt, wo die Häuser dicht an dicht standen, war Begrünung natürlich kaum möglich. Um den dort wohnenden Kindern zu mehr frischer Luft zu verhelfen, wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der sozialdemokratischen Frauengruppe und einer (groß)bürgerlichen Jugendgruppe Ferienspaziergänge organisiert. Ab 1927 entstanden Ferienerholungsangebote  auf dem Gaffenberg, auf dem Haigern und im Awo-Waldheim. Schon 1855 hatte der Evangelische Verein eine Knabenbeschäftigungsanstalt etabliert, die den Kindern vor allem auch Gärtnern beibrachte. Die Referentin bot auch einen bildlichen Überblick über die ersten Spielplätze in Heilbronn., die zum Teil heute noch bestehen und gern genutzt werden.

Im 19.Jahrhundert ließen sich die Heilbronner Unternehmer- und Kaufmannsfamilien  repräsentative Landhäuser und Villen mit schönen Garten-und Parkanlagen bauen. Geisler zeigte eine Reihe eindrucksvoller Bilder, so von den Landhäusern von Orth, Rauch und Mertz, von den Villen Münzing (Frankfurter Straße) und Seelig (Wilhelmstraße) sowie der Schliz-Villa (Alexanderstraße).

Heilbronn war und ist nicht nur eine wohlhabende Stadt, sondern  auch vom Klima bevorzugt und mit guten Böden gesegnet, konstatierte Annette Geisler. Das hat nicht nur dem Weinbau zur Blüte verholfen. Mitunter seien Obst- und  Gemüseanbau sowie Gartenbau noch wichtiger gewesen. Schon 1846 fand in Heilbronn ein Obstbaukongress statt, bei dm eine beeindruckende Fülle an heimischen Apfel- und Birnensorten präsentiert wurden. 1926 gab es eine – vielen Unkenrufen zum Trotz – sehr erfolgreiche Gartenbau-Ausstellung, an der sich rund 50 Gärtnereien und einige lokale überregional bedeutende Betriebe der „Gartenindustrie“ beteiligten, wie Dittmar, Treudt, Vohrer und Gustav Fuchs. Zu den besonders herausragenden Gärtnereien zählten die Rosengärtnereien von Wilhelm Kölle und Gustav Scheuermann sowie die Betriebe der Familien Büchle, Daucher, Ströble, Ulmschneider, Williard und Winterle.

Auf der Flucht und Zuflucht finden – Die ARGE Flüchtlingsarbeit Heilbronn begleitet Ehrenamtlichen-Gruppen

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Referenten und Referentinnen – hier Maria Theresia Tzschoppe von der ARGE – bekommen von den Jungen Senioren zum Dank eine Rose. (Foto: Rolf Gebhardt)

Deutsche Flüchtlinge und Spätaussiedler wissen aus bitterer Erfahrung, was es bedeutet, in Deutschland eine neue Heimat zu finden. Noch viel schwieriger und problematischer ist es, für Geflüchtete aus ganz anderen Kulturkreisen nach strapaziöser Flucht in Deutschland anzukommen und hier in der Fremde aufgenommen und integriert zu werden. Das funktioniert nicht ohne staatliche Unterstützung und zusätzliche Hilfen aus der heimischen Zivilbevölkerung. Hier kommt die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Flüchtlingsarbeit Heilbronn zum Zuge, eine Schnittstelle zwischen der Stadt, den Wohlfahrtsverbänden und ehrenamtlichen Arbeitskreisen. Hier unterstützen drei Mitarbeiterinnen von Awo, Caritas und Diakonie seit Mitte 2015 im Auftrag der Stadt Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit. Über dieses Koordinationsangebot und das Umfeld für Flüchtlinge berichtete den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus Maria Theresia Tzschoppe vom Kreisdiakonieverband Heilbronn.
Weltweit waren im vergangenen Jahr 60 Millionen Menschen auf der Flucht; statistisch gesehen flüchten täglich 34 000 Personen. Größtes Aufnahmeland ist derzeit die Türkei mit 2,6 Millionen, während in Europa – mit Schwerpunkt Deutschland – im vergangenen Jahr eine Million Asylanträge gestellt wurden. Die Hauptherkunftsländer sind Syrien, Irak und Afghanistan sowie vermehrt schwarzafrikanische Staaten wie Eritrea und Somalia, Nigeria und Gambia. Fluchtgründe sind Krieg und Terror, Diktaturen und verfallene Staatsstrukturen, politische und willkürliche Verfolgungen sowie zerstörte Lebensgrundlagen. Nach Schließung der Balkanroute durch massive Grenzsicherungen hat sich der Hauptfluchtweg von der Ägäis nach Griechenland wieder über das Mittelmeer vom fragilen Libyen nach Italien verlagert. Diese Situationsbeschreibung stellte Tzschoppe, die Religionswissenschaft und Ägyptologie studiert hat, an den Anfang ihres Referats.
Flüchtlinge, die es nach Deutschland geschafft haben,werden nach dem sogenannten Königsberger Schlüssel auf die Bundesländer verteilt; demnach kommen 13 Prozent nach Baden-Württemberg. Zum Erstaufnahmezentrum Karlsruhe sind weitere Ankunftszentren in Heidelberg, Ellwangen und Meßstetten eingerichtet worden, erläuterte Tzschoppe. Nach ihrer Registrierung können die Flüchtlinge Asylanträge stellen. Danach erfolgt eine Anhörung mit 25 Fragen, deren Antworten in einem Protokoll festgehalten werden und das von den Antragstellern unterzeichnet werden muss: „Grundlage für Entscheidungen mit eventuell fatalen Folgen“, so Zschoppe. Nach einer Gesamtschau aller relevanten Ereignisse und Erkenntnisquellen – nach Artikel 16a Grundgesetz und/oder Genfer Flüchtlingskonvention – dann die Entscheidung: Asylgewährung oder Ablehnung; Abschiebungen unterliegen besonderen natürlichen und humanitären Vorbehalten. Diese ganze Prozedur kann sich über ein halbes Jahr (bei Syrern) und auch über zwei Jahren erstrecken. Zschoppe erklärte auch die Unterschiede von der Gewährung subsidiärem Schutz und Duldung sowie die damit verbundenen (eingeschränkten) Bestimmungen für Familiennachzug.
Wie Tzschoppe mitteilte, sind in Heilbronn aktuell 1164 Asylbewerber, darunter rund 100 Familien, erfasst (900 männliche, 264 weibliche; 375 Minderjährige), in 50 vorläufigen Unterbringungen, ferner in zwölf Einheiten mit 30 Personen, in Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie einzelnen Wohnungen, und zwar dezentral im gesamten Stadtbereich. 384 Personen haben bereits Aufenthaltserlaubnis, so dass Anschlussunterbringung angesagt ist. Unterstützungen erfolgen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (mit eingeschränkter medizinischer Versorgung). Kinder haben Anspruch auf Kindergarten und Schulunterricht.
Tzschoppe machte auf die Probleme aufmerksam, mit denen es Geflüchtete zu tun haben. Die oftmals langen Wartezeiten, und Unsicherheiten sowie bürokratische Hemmnisse oder auch Lärm und Streit in Massenunterkünften brächten manche schier zur Verzweiflung oder veranlassten sie wohl oder übel zur Rückkehr in ihre Heimatländer. Die Betreuung durch 13 städtische Sozialarbeiter/innen und sieben (Teilzeit-)Dolmetscher sei nicht ausreichend. Deshalb sei bürgerschaftliches Engagement erforderlich, damit die gewünschte Integration gelingen könne: „Begegnung, Begleitung, Beteiligung“, von Sprachförderung über Hausaufgabenbetreuung bis Patenschaft, Unterstützung bei der Wohnungs- und Jobsuche, überhaupt Verbesserung der Lebensumstände. Die ARGE-Ansprechpersonen stünden alten und neuen ehrenamtlichen Arbeitskreisen in der Flüchtlingsarbeit mit Rat und Tat zur Seite, bekräftigte Maria Theresia Tzschoppe.

Das alte Herz – rund um den Lebensmotor – Der Kardiologe Dr. Stefan Kircher zu Funktion und Krankheiten des Herzens

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Dr. Stefan Kircher (Foto: Rolf Gebhardt)

„Wissen Sie, wo die stilisierte Herz-Form herkommt?.“ Mit dieser Frage konfrontierte der Kardiologe Stefan Kircher die „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus gleich zu Anfang seines Referats über „das alte Herz“. Nun, sie geht zurück auf die ähnlich geformten Blätter der immergrünen Kletterpflanze Efeu, die schon im Altertum als Heil- und Kulturpflanze galt.

 

Das Herz ist nun einmal unser Lebensmotor – ein muskulöses Hohlorgan hinter dem Brustbein gelegen, das dem Antrieb des Blutkreislaufes dient. Wie Kircher an einem Schema aufzeigte, ist das Herz von einem Herzbeutel umschlossen und von der Herzinnenhaut ausgekleidet. Eine Scheidewand teilt das Herz in eine rechte und linke Hälfte, die jeweils aus einem Vorhof und einer Herzkammer bestehen. Passive Ausdehnung (Diastole) wechselt mit Kontraktion (Systole). Vier Herzklappen sorgen als Ventile für die Ausrichtung des Blutstroms. Das Blut fließt von der Hohlvene in den linken Vorhof, gelangt während der Diastole in die linke Kammer. Bei der Kontraktion der Kammerwände treibt das Blut in den Lungenkreislauf, kehrt – mit Sauerstoff gesättigt – durch die Lungenvenen zum Herzen zurück zum linken Vorhof. In der Diastole strömt das Blut durch die Mitralklappe in die linke Kammer und wird während der Systole durch die Aortenklappe  hindurch in die Hauptschlagader und den großen Kreislauf gepresst.

Die Herzfrequenz – die Zahl der Herzschläge pro Minute – wird bei erhöhtem Sauerstoffbedarf des Organismus gesteigert. Ihre Ausdehnungsfähigkeit ist abhängig von Konstitution und Kondition, Geschlecht und Alter. „Mit 30 Jahren fängt das Alter – das Altern – an“, stellte Kircher heraus und zeigte auf: Bei einem 80jährigen ist die Pumpleistung des Herzens in der Regel um 30 Prozent niedriger als bei einem 30jährigen, bei der Lunge um 50 Prozent. Bei Nieren ist die Funktion um 50 Prozent eingeschränkt und die maximale Sauerstoffaufnahme gar um 70 Prozent.

Das Herz als zentrale Kreislaufpumpe, das die Transportvorgänge in allen Blutgefäßen antreibt, vermag sich bei älteren Personen in der Blutdruckregulierung nicht immer der geforderten körperlichen Leistung anzupassen. Das zeigt sich laut Kircher beispielsweise beim nächtlichen Aufstehen, wo die Gefahr besteht, dass der Kopf nicht ausreichend mit Blut versorgt wird und es beim Toilettengang zum Sturz kommt. „Und dann ist oft noch ein Waschbecken oder sonst etwas im Wege, und das Sturz-Ergebnis ist Kopfverletzung oder Oberschenkelhalsbruch“, so Kircher.

Der Begriff Gesundheit ist nicht allgemein zu fassen. Es komme darauf an, sich gesund zu fühlen, gerade im Alter. Und das könne man auch mit gewissen gesundheitlichen Einschränkungen, wenn man mit denen gut umgehen könne, meinte Kircher. Bezogen auf das Herz gelte dies etwa in Bezug auf Rhythmusstörungen. Solche Störungen der Frequenz oder der Regelmäßigkeit des Herzschlags könnten durchaus gutartig sein. Auch außerhalb des regulären Grundrhythmus des Herzens im EKG  feststellbare Herzschläge – Extrasystole – müssten nicht krankhaft sein.

Plötzlich auftretende Herzrhythmusstörungen hingegen sind gefährlich. Bei Vorhofflimmern (unregelmäßige und unkoordinierte  Herzmuskeltätigkeit) und Vorhofflattern (häufig Herzinsuffizienz) ist der Arzt gefragt, kommen der Patienten nicht um die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten nicht herum. Gegebenenfalls ist auch ein Herzschrittmacher vonnöten, ein batteriebetriebenes Gerät, das auf Dauer unter die Brustmuskulatur eingesetzt wird und künstlich die Erregung des Herzens in Anpassung an die Belastung reguliert. Wenn das Herz rast, hilft ein Defribrillator, den Kircher nach eigener Aussage bei Wanderungen mit Altersgenossen immer dabei hat. Ein Stromstoß lässt das Herz aussetzen und gleich wieder im richtigen Rhythmus weiter schlagen. Auch ein „Defi“ kann im Körper eingebaut werden, erklärte Kircher.

Eine Erkrankung der Herzkranzgefäße liegt vor, wenn etwa körperliche Anstrengungen Brustschmerzen verursachen, es zu einer gefährlichen Unterversorgung des Herzmuskels mit Blut kommt. Das kann leicht zu Herzinfarkt führen. Herzkranzgefäßerkrankungen stehen meist mit Arteriosklerose im Zusammenhang. Gefäßablagerungen lassen sich laut Kircher am besten mit Herzkatheter-Untersuchungen klären und gegebenenfalls beheben mit Aufdehnung von Engstellen durch Einsetzen von Stents.

Dr. Kircher, Jahrgang 1944, kam 1977 von der Universität Würzburg als Oberarzt an die Medizinische Klinik Heilbronn und gründete hier 1983 die erste rein kardiologische Praxis in Nordwürttemberg, die er bis Ende 2006 führte. Seitdem bietet er jeden Montagvormittag beim Diakonischen Werk Heilbronn Beratungen zu kardiologischen Themen an, insbesondere als Zweitmeinung.

Männer und Frauen sind doch verschieden – Pfarrer Matthias Treiber mit unterhaltsamer Anleitung zum Unglücklichsein

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Pfarrer Matthias Treiber (Foto: Rolf Gebhardt)

Es ist zumindest ungewöhnlich, wenn die „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus konfrontiert werden mit einem Referat unter dem Ttitel „Warum Männer und Frauen sich nicht verstehen – eine  unterhaltsame Anleitung zum Unglücklichsein“. Sollten also Evolution und Emanzipation nichts an diesem leidigen Verhältnis geändert haben? Na, da wird doch nicht etwa dem Geschlechterkrieg das Wort geredet oder gar die Institution Ehe in Frage gestellt.

Der Referent – ein Pfarrer, aber ein Pfarrer mit Humor – kann gleich beruhigen: „Ich bin seit 24 Jahren glücklich verheiratet, wir haben drei große Kinder“, so Matthias Treiber, Gemeindepfarrer in Heilbronn-Sontheim und auch Pressepfarrer für den Kirchenbezirk Heilbronn sowie Redakteur des monatlichen Mitteilungsblatts „Evangelische Information“  der Gesamtkirchengemeinde Heilbronn (und auch Internet-Betreuer von http://www.junge-senioren-heilbronn.de).

Zum besseren Verständnis schiebt Treiber auch noch einen zweiten Referatstitel nach: „Niemand versteht mich – warum Kommunikation schief geht“. Wie Treiber dazu erklärte, hat er nach seinem Theologiestudium noch ein Studium der Kommunikationswissenschaften drangehängt und beschäftigt sich so gerne mit Problemen der Kommunikation, denn „nirgends menschelt es mehr als in der Kirche.“ Und so kommen die über hundert Zuhörer/innen zu einem unterhaltsamen und informativen Nachmittag mit nachklingenden Gedanken zur Selbstbetrachtung und zur Bewertung von Kommunikationsverhalten aus eigenem und fremdem Blickwinkel.

Bekannt ist den meisten das Büchlein von Loriot mit dem „klassischen“ Titel „Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen“ und dessen Sketche mit Kommunikationsproblemen und komischen Folgen im Ehe-Alltag. Da hatte Treiber auch zwei Loriot-Videos parat, so das bekannteste: „Berta, das Ei ist hart. Wie lange hat denn das Ei gekocht?“  Es ist halt dem Ehemann nicht erschließbar, dass traditionell viereinhalb Minuten gekochtes Ei zeitlich „nach Gefühl“ gekocht worden ist – da sollte man das Gefühl der eigenen Frau nicht in Frage stellen, sonst ist der Ehestreit vorpgrammiert. Oder wenn die Frau nicht wahrhaben will, dass es dem Manne gut tut, einfach nur herumzusitzen, wo es doch nach ihrer Meinung für ihn viel besser wäre, etwas zu tun oder spazieren zu gehen. Da sind im Dialog Krach-provozierende Missverständnisse unvermeidbar.

Treiber hat aber – außer Loriot – noch andere in der witzigen Pointe aufschlussreiche Beispiele für „gefährliche“ Kommunikation parat. Etwa wenn Frau ihren Liebsten nach einem intimen Zusammensein fragt, was er gerade denkt. Soll er ihr dann sagen, dass er daran denkt, morgen früh den Rasen mähen zu müssen, oder das, was sie vielleicht gerne hören möchte, oder einfach sagen, „an nichts“.Es ist halt nicht immer leicht, die passenden oder gewünschten Antworten zu finden. Aber in harmlosen Fragen oder realen Feststellungen kann Sprengstoff für die Kommunikation liegen, ohne das man/frau das beabsichtigt hat. Treiber hatte hierfür „lehrreiche“ Anekdoten parat.

Treiber konnte aber auch die ganze Welt der Kommunikation wissenschaftlich betrachten. So bezog er sich etwa auf den Psychologen und Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun, der das Erlernen eines partnerschaftlichen Miteinanders anhand eines sogenannten  Kommunikationsquadrats symbolisiert: Demnach beruht die Kommunikation auf der Annahme, dass jede Äußerung nach vier Aspekten (Seiten) interpretiert werden kann – vom Sender der Äußerung wie auch vom Empfänger. Die vier Seiten der gesendeten Nachricht, also das, was der Sender mit der Äußerung ausrücken oder bewirken will, hört der Empfänger mit anderen Ohren. Die gesendete Nachricht entspricht oft  nicht den vier Seiten, wie sie vom Empfänger interpretiert werden. Erkenntnis: Die Vermittlung von Nachrichten – zwischenmenschliche Kontakte – ist spannend, auch spannungsreich und anfällig für Störungen.

Es wurde deutlich: Vor paradoxen Interpretationen, vor vermeintlichem Lug und Trug und falschen Einschätzungen ist niemand in der Kommunikation gefeit. Das gilt allein für die Bewertung der eigenen Jugend und überhaupt der Vergangenheit – „früher war alles besser“. Mitunter beschert man sich selbst persönliches Unglück durch falsche Interpretationen oder Unterstellungen. Aber schließlich war man sich mit dem Referenten einig im Hinblick auf das Thema, dass halt doch auch  unterschiedliches Rollenverständnis der Geschlechter noch relevant ist, Männer und Frauen daher  verschieden sind,  in Denken und Verhalten, in der Priorität von Beziehungs- und Vernunftebene.

Auf Entdeckungstour im Deutschordensmünster – Mit Stadtpfarrer Roland Rossnagel und Kirchenmusikdirektor Michael Saum

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Im Deutschhof – die „Jungen Senioren“ (Foto: Rolf Gebhardt)

An die 100 „Junge Senioren“ nahmen das Angebot zum Besuch des Deutschordensmünsters St. Peter und Paul wahr, gehört sie doch zu den markantesten Gebäuden in Heilbronn. Der  „Hausherr“, Stadtpfarrer Roland Rossnagel, begann die Vorstellung des Deutschordenskirchenkomplexes im Kleinen Deutschhof, „auf dem wohl ältesten Boden des christlichen Heilbronn“.

Der Blick richtet sich zuerst auf den „Kirchturm“, die Turmkapelle, das Herzstück der Kirche, die im Laufe von mehr als 750 Jahren immer wieder bauliche Veränderungen erfahren hat. Der eigentliche Bau wird auf die Zeit 1225/35 datiert. Bei Renovierungsarbeiten 1994/95 bei der Chorturmkapelle wurden Fundamentreste aus Kalkstein gefunden, die noch älter als die heutige Bausubstanz (Sandstein) sind; bei der urkundlichen Ersterwähnung der Stadt 741 ist von einer Michaelskirche die Rede. Nördlich an den Turm anschließend das Kirchenschiff und südlich (links) ein um 1600 entstandenes eindrucksvolles Deutschherrengebäude (Stein-Kallenfels-Bau) mit direktem Zugang zur Kirche, das heutige Pfarrhaus, Wohn- und Arbeitssitz von Pfarrer Rossnagel.

Wie Rossnagel darlegte, wurde der Deutsche Orden um 1190 im „Heiligen Land“ gegründet und 1198 vom Papst als geistliche Ritterordensgemeinschaft anerkannt. Anfang des 13. Jahrhunderts verlagerte sich der Schwerpunkt des Deutschen Ordens von Palästina nach Europa. Und so wurden  auch auf dem Areal der heutigen Deutschordenskirche, dem Gelände eines urkundlich erwähnten Königshofes, Ordensniederlassungsgebäude errichtet. Das Gelände war als Reichslehen zu den Grafen von Lauffen gelangt und über Heirat an die Familie von Dürn, deren einer Sohn (Ulrich von Dürn) in den Deutschen Oden eingetreten war, und die darauf eine Kommende stiftete.

Der ersten der heiligen Maria gewidmeten Ordenskirche wurde Mitte des 14. Jahrhunderts ein neuer Kirchenbau angefügt. Als 150 Jahre später diese frühgotische Kirche mit einem spätgotischen Chor erweitert wurde, hieß sie „Kirche zu unserer Lieben Frau“. Als reichsunmittelbare Einrichtung überstand die Deutschordenskirche auch die Einführung der Reformation in Heilbronn. Um 1725 wurde sie  barockisiert und der Turm weiter aufgestockt. Nach Auflösung des Deutschen Ordens Anfang des 19.Jahrhunderts,wurde der Sakralbau, inzwischen zum Patrozinium Peter und Paul gewechselt, zur Stadtkirche. Beim Luftangriff am 4. Dezember 1944 wurde auch diese Kirche bis auf die Grundmauern zerstört; weitere Verluste der historischen Barockausstattung erlitt die Kirche  im Zuge des Wiederaufbaus. Zu umfänglichen Renovierung kam es 1968/69 und 1994/95.

Wer vor vielleicht 25 Jahren zum letzten Mal die 1977 zum Deutschordensmünster erhobene St. Peter- und Paul-Kirche betreten hatte, ist jetzt überrascht über die Helligkeit (Fußboden und Bankreihen freundlicher) und strukturelle Neugestaltung, die wieder Einblicke in die verschiedenen Bauepochen möglich macht. Die vordem mit Brettern verschalte Kassettendecke zeigt eine wieder frei gelegte und restaurierte Barockdecke (Kreuzrippengewölbe). Eindrucksvoller kommt jetzt im Altarraum der dreiteilige Chorfensterzyklus von Prof. Wilhelm Geyer aus dem Jahr1968 mit ihren biblischen Szenen und Aussagen in den Blick. Dann auf der gegenüberliegenden Seite, auf der Orgelempore, im Westfenster die progressive Glasmalerei von Prof. Ludwig Schaffrath (1969), dessen symbolische Darstellung zu immer wieder neuen Assoziationen anregt. Dann in der Nordwand ein schmales Glasfenster von dem des Schaffrath-Schüler Thomas Bischoff.

Darüber hinaus gibt es viel zu entdecken in dem Komplex des Deutschordensmünsters: die barocke Christusfigur im Chorbogen, das Wandbild an der linken Chorwand von 1380 mit Christus auf der Thronbank, das großformatige Natursteinmosaik des Kreuzwegs, die Marienkapelle mit Elementen aus der barocken Bauphase, die Figuren der Kirchenpatrone, die „Heilbronner Madonna“ (1320)  und natürlich der spätromanische Turmchor mit dem reichverzierten maurischen Schlusstein im Kreuzgewölbe.

Für die „Jungen Senioren“ aber wohl am eindrücklichsten: die neue „Doppel-“Orgel, aus französisch-symphonischer Tradition mit hohen musikalischen und technischen Anforderungen entwickelt und 1996 fertig gestellt in der Orgelbauwerkstatt Romanus Seifert in Kevelaer, mit ca. 3500 Pfeifen, 44 klingenden Registern und vier Transmissionen im Pedal. Der Deutschmünster-Kantor und Orgelsachverständige, Kirchenmusikdirektor Michael Saum, bot gekonnt Musikbeispiel für die gute Kirchen-Akustik, gleich am Anfang mit dem berühmtesten Orgelwerk von Bach (D-Moll-Fuge), und demonstrierte am Spieltisch die Raffinessen der mit einem Setzercomputer für hunderte individuelle Registrierungen ausgestatteten Orgel. Gerne wollen die „Jungen  Senioren“ sich einladen  lassen (nicht nur) zu Orgelkonzerten im Deutschmünster.

Ein Video vom Besuch finden Sie > hier.

Ohne Nachhaltigkeit keine gute Zukunft – Tipps von Prof. Dr. Armin Gemmrich, wie man seinen Lebensstil ändert

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Prof.Dr. Armin Gemmrich (Foto: Rolf Gebhardt)

Nachhaltigkeit – ein heute schier inflationär verwendeter Begriff. Unternehmen bekennen sich in ihren Imagebroschüren zur Nachhaltigkeit; Nachhaltigkeit ist vielfach ein Geschäftsmodell. Ist Nachhaltigkeit also nur eine Worthülse? Prof. Dr. Armin Gemmrich, der sich an der Hochschule Heilbronn 20 Jahre lang auch mit dem Lehrgebiet „Nachhaltige Entwicklung“ beschäftigte,  präsentierte bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus sein „Projekt Nachhaltigkeit“.

Nachhaltigkeit ist vom Grunde her ein Begriff aus der Forstwirtschaft, 1713 erstmals verwendet von dem sächsischen Beamten Hans Carl von Carlowitz: Es soll nur so viel Holz genutzt werden, wie anschließend wieder nachwächst – es soll also keine Generation auf Kosten der nachfolgenden leben. Gemmrich interpretierte das biblische Gebot „macht euch die Erde untertan“ mit den Worten: Ihr sollt die Erde so gestalten, dass sie dauerhaft bewohnbar bleibt.

Wie der Mensch zur negativen Veränderung der Welt – der Umwelt – beigetragen hat, machte Gemmrich deutlich. Einschneidend nannte er die erste Explosion einer Atombombe auf der Erde, am 16. Juli 1945 in der Wüste Mexiko, die Freisetzung von Radioaktivität. Maßgeblichen Wissenschaftlern zufolge habe ein neues Zeitalter begonnen: „Anthropozän“ – Menschenzeit, nach 12 000 Jahren Holozon. Der Mensch werde unumkehrbar einbezogen in die Dimensionen des Dreiecks Soziale – Ökonomie – Ökologie. Bereits 1972 habe der Club of Rom auf die „Grenzen des Wachstums“ aufmerksam gemacht, doch dauerte es, bis die Erkenntnis der Folgen – so für das Klima – gesellschaftspolitisches Allgemeingut wurde. In den letzten 25 Jahren gab es wiederholt internationale Klima-Konferenzen, zur Jahrtausendwende wurden Milleniumsentwicklungsziele propagiert, 2005 die UN-Dekade“Bildung für nachhaltige Entwicklung“, 2015 die „Agenda 2030“.

Alle Bemühungen und Ziele konnten wenig bewirken angesichts der von Gemmrich genannten sieben Veränderungen durch den Menschen, die negativ für die Umwelt zu Buche schlagen:  Da ist die massenhafte Überschreitung nationaler und geografischer Grenzen, die globale Dynamik mit den Verkehrslawinen, wobei der Flugverkehr am emissionsschädlichsten ist (unerwähnt: die noch umweltschädlichere boomende Kreuzschifffahrtstouristik). Weiter: Die Übernutzung der zur Verfügung stehenden Ressourcen; Versiegelung der Landschaft, Freisetzung von Schadstoffen durch Beton, Aluminium, radioaktiver Fallout; großräumige Veränderungen der Kreisläufe von Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor; globale Verbreitung von Tier- und Pflanzenarten, die die regionale Diversität (zer)stören; Artensterben, 76 Prozent der Süßwasserarten und 39 Prozent der Landwirbeltiere sind gefährdet. Und schließlich der Klimawandel mit laufend steigenden Temperaturen und Anstieg des Meeresspiegels.

Dazu beigetragen hat die demografische Entwicklung, die Verdoppelung der Erdbevölkerung innerhalb einer Generation auf 7,5 Milliarden Menschen, pro Tag kommen 230 000 hinzu. In der Bevölkerungsvermehrung sieht Gemmrich die größte Herausforderung für unsere  Zukunft, denn überall in der Welt wollen die Menschen Anteil haben an Wohlstand und moderner Technik, mit der Folge rücksichtsloser Konsum-Expansion bis hin zu Luxus-Oasen wie Dubai mit den weltgrößten Hochhäusern auf Wüstensand und Meerwasserentsalzungsanlagen.Und gleichzeitig leben über eine Milliarde Menschen ohne sauberes Wasser, sind unzählige Menschen unterernährt, flüchten aus der Ausweglosigkeit, vor Kriegen und Klimafolgen.

Müssen da nicht auch wir unseren Lebensstil ändern, „nachhaltiger“ leben? Für Gemmrich ist das keine Frage, ist es eine – selbst praktizierte – Selbstverständlichkeit. Das fängt beim Lebensmittel-Einkauf an: Saisonale und regionale Produkte, möglichst wenig Fleisch, weil der Wasserverbrauch für Massentierhaltung gigantisch ist. Dann: Nachhaltig einkleiden, keine Ware aus Billiglohnländern; wohnen und heizen möglichst ohne fossile Brennstoffe; Wind- und Solarenergie nutzen; im Haushalt auf Energiesparen achten; Radfahren statt Autofahren, und wenn unumgänglich in Fahrgemeinschaft; nachhaltig Geld anlegen, in Ökoprojekte, denn virtuelles Geld treibt einen zerstörerischen Kreislauf an. Jeder nachhaltig lebende Mensch sollte seinen „ökologischen Fußabdruck“ minimieren. Verantwortungsbewusste Eigeninitiative, Solidarität und Generationengerechtigkeit gehören laut Gemmrich zum Rüstzeug auf dem Weg in eine bessere Zukunft.

Unbeantwortet blieb die Frage zur Diskrepanz von Mikro- und Makro-Trends: Während der vernünftige  Bürger des guten Gewissens wegen sich nachhaltig verhält, setzt der Präsident der USA, der führenden Leitnation der westlichen Welt, verstärkt auf den zerstörenden Ausbau von Öl, Gas und Kohle und hält die Problematik des Klimawandels für eine böswillige Erfindung, die das Wirtschaftswachstum behindert.

Stadt des lebensbegleitenden Lernens – VHS-Leiter Peter Hawighorst über die Bildungs- und Wissensstadt Heilbronn

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Peter Hawighorst, Leiter der Volkshochschule Heilbronn (Foto: Rolf Gebhardt)

Wer meint, die ältere Generation hätte kein Interesse (mehr) an lebenslangem Lernen, der kennt die „Jungen Senioren“ nicht. Im Hans-Rießer-Haus zeigten sie sich sehr aufgeschlossen für die aktive Wahrnehmung von entsprechenden Bildungsangeboten, als ihnen der Leiter der Volkshochschule Heilbronn (VHS), Peter Hawighorst, Heilbronn als Bildungs- und Wissensstadt und als Stadt des lebenslangen Lernens – nach Hawighorst besser: lebensbegleitendes Lernens – vorstellte.
„Eine Stadt geht in die Zukunft“. Diesen Slogan zitierte Hawighorst aus dem Stadtentwicklungsplan Heilbronn. Die Grundlagen werden geschaffen in der frühkindlichen Entwicklung und Entfaltung des Menschen, denn Kinder sind von Anbeginn – von der Geburt bis zur Vorschule – lernfähig und lernbegierige Personen. Dem ganzheitlichen Bildungsbegriff liegt laut Hawighorst neben der institutionellen auch eine informelle Bildungsbeteiligung zugrunde,.
Das setzt breit gefächerte „Investitionen in die Köpfe“ voraus. 1,9 Millionen Euro sind im Heilbronner Haushalt 2017/18 für Betreuungsmöglichkeiten von Kindern eingestellt. 98 Einrichtungen – Kindergärten und Kindertagesstätten – stehen für sie zur Verfügung, in kommunaler und freier Trägerschaft, jede dritte Kindertagesstätte mit Ganztagsangebot. Laut Hawighorst war Heilbronn die erste deutsche Großstadt, die (2008) Gebührenfreiheit für ihre Kindereinrichtungen einführte. – „eine wirklich familienfreundliche Stadt“.
Das Heilbonner Schulwesen umfasst – bei aktuell 28 500 Schülern – 64 städtische und private Schulen, so 18 Grund- und Werkrealschulen, vier sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren, vier Realschulen, zwei Gemeinschaftsschulen sowie fünf allgemeinbildende und fünf staatliche berufliche Gymnasien, ferner die berufsbegleitende Ausbildung mit sechs Berufsschulen. Laut Hawighorst geht heute vielfach der Trend zur Ganztagsschule, die – auch im Sinne eines erweiterten Bildungsangebots – viele Vorteile bietet. Organisatorische und finanzielle Herausforderungen ergeben sich aus den Bedingungen für schulische Durchlässigkeit, aber auch von Inklusion sowie von Integration und generell im Hinblick auf schulische Sozialarbeit.
Einen gewaltigen Aufschwung nahm und nimmt Heilbronn als Hochschulstadt mit einer für eine kleine Großstadt einzigartigen Vielfalt akademischer Bildungslandschaft, wie Hawighorst hervorhob. Am Anfang war die staatliche Fachhochschule, heute Hochschule Heilbronn (HHN), die Bachelor- und Master-Programme mit den Schwerpunkten Technik, Wirtschaft und Information bietet. In den letzten 15 Jahren hat sich die Zahl der HHN-Studierenden auf 8200 mehr als verdoppelt (einschließlich Schwäbisch Hall und Künzelsau); Zielmarke 2020: über 10 000. Dann die vom Standort Mosbach ausgegliederte Duale Hochschule mit dem Center of Advanced Studies (CAS), wo alle Master-Programme der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Technik, Wirtschaft und Sozialwesen zentral gebündelt werden.
„Motor der Bildungsstadt“, so Hawighorst, ist der permanent ausgebaute Bildungscampus der Dieter-Schwarz-Stiftung mit Bildungseinrichtungen in hochmodernen Gebäuden. Begonnen hatte es mit der Akademie für Innovative Bildung und Management (aim). Hier fand auch die DHBW und die CAS ihren Sitz, und auf dem erweiterten Bildungscampus ist Verwaltung und Rektorat der HHN sowie die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät angesiedelt. Nicht zuletzt die private German Graduate School of Management and Law (GGS), die mit berufsbegleitenden Masterprogrammen ein Renommee geschaffen hat, das zu einer Kooperation mit der Mannheim Business School (MBS) und der Fakultät für Betriebswirtschaft der Uni Mannheim im Rahmen der Schwarz-Stiftung auf dem Bildungscampus führen wird.
Neben diesem großen in Deutschland einmaligen Bildungscampus spielt für die Wissensstadt Heilbronn das nahe Science-Center „experimenta“ eine bedeutende Rolle, die bis 2019 einen noch doppelt so großen spektakulären Neubau in europaweiter Spitzenstellung erhalten wird. Hawighorst verwies auch auf weitere wichtige Bildungseinrichtungen: die Volkshochschule (33 000 Teilnehmende jährlich, Kurse in 26 Fremdsprachen, Allgemeinbildung, Gesundheit und Bewegung, Kultur und Kreativität, berufliche Weiterbildung), „Haus der Familie“ (9000 Teilnehmende pro Jahr, 700 Kurse und Veranstaltungen), die Städtische Musikschule und Jugendkunstschule mit 1800 bzw. 2100 Schülern, Stadtbibliothek (über 1200 Nutzer täglich, 250 000 Medieneinheiten), Kreismedienzentrum, Robert-Mayer-Sternwarte, Botanischer Obstgarten, bis hin zu Museen und Theater. Und dann gibt es ja auch noch die „Seniorenakademie Junge Senioren“, mit 25 Veranstaltungen im Winterhalbjahr und über 1800 Teilnehmenden.

Nach Krebserkrankung ist Nachsorge unerlässlich – Klinik-Chefarzt Dr. Peter Trunzer plädiert für Ganzheitsmedizin

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Dr. Peter Trunzer (Foto: Rolf Gebhardt)

Krebs – eine solche Diagnose ist für Betroffene niederschmetternd: Eine bösartige Erkrankung, die durch eine unkontrollierte Vermehrung von Zellen gekennzeichnet ist und unbehandelt zum Tod führt. Einigermaßen rechtzeitig erkannt ist Krebs heutzutage grundsätzlich heilbar. Doch die Therapieformen haben zumeist unangenehme Neben- und Nachwirkungen. Da sind Reha- und Nachbehandlungen unerlässlich. Darüber referierte bei den „Jungren Senioren“ im Hans-Rießer-Haus der Chefarzt der MediClin Kraichgau-Klinik in Bad Rappenau. Dr. Peter Trunzer.

Dem Krebspatienten geht es zum ersten ums Überleben, um Heilung von dieser schlimmen Krankheit. Doch wenn er den Krebs „los“ ist, ist längst noch nicht alles überstanden. Ängste und Verunsicherung sind weitgehend weg, doch die Therapie ist überwiegend belastend, anstrengend und ermüdend. Trunzer plädierte dabei, Betroffene nach Abschluss der akuten Therapiephase gezielt und vor allem ganzheitlich zu unterstützen. Wer Chemotherapie und/oder Strahlenbehandlung bekommen hat, ist – hoffentlich – geheilt, aber längst noch nicht gesund im wörtlichen Sinne. Da ist Rehabilitation angesagt – Maßnahmen zur Linderung oder Beseitigung von chronischen, körperlichen oder seelischen Erkrankungen. Reha-Maßnahmen zielen darauf ab, den Einfluss behindernden und benachteiligen Funktionen zu beheben oder zu verringern, auch um Fähigkeiten und Begabungen so zu trainieren, dass sich die Betroffenen in ihrer Umgebung, in ihrem sozialen – familiären und gegebenenfalls beruflichen – Umfeld, (wieder) zurecht finden.

Besonders ausgeprägt sind seelische Belastungen durch die Krebserkrankung und zudem durch die Folgen der Behandlung, so Trunzer. Müdigkeit und Erschöpfung sind erkennbare Symptome. Mitunter kommen bereits vor der Krebserkrankung vorhandene bestimmte psychische Problemlagen hinzu, die belasten und die normale Rückkehr in das alte Lebensumfeld erschweren bis unmöglich machen. Der Patient „fällt in ein Loch“, machte Trunzer deutlich. Zur psychischen Krankheitsbewältigung sind dann sowohl medizinische wie (bio-)soziale Maßnahmen gefragt.

Die Palette medizinischer Rehabilitation umfasst alle ärztlichen Behandlungsmöglichkeiten, die gezielte und angemessene Verschreibung von Arzneimitteln,  bis hin zur Physiotherapie und Ergotherapie. Nachsorge-Untersuchungen sind so ausgerichtet, dass das Wiederauftreten von bösartigen Tumoren rechtzeitig erkennt wird. Neben der herkömmlichen Schulmedizin, die in den letzten Jahrzehnten aufgrund neuerer Erkenntnisse enorme Fortschritte gemacht hat, möchte Trunzer aber auch „komplementäre Medizin“ nicht nicht unberücksichtigt lassen: „Es gilt: Ausprobieren was hilft – Wer heilt, hat recht!“ So Trunzer im Hinblick auf Heilpraktiker und Psychotherapeuten, auf Anthroposophie und „alternative Heiler“ sowie Akupunkturkunst.

So offeriert Trunzer in seiner Klinik auch eine intensive  psychosoziale Betreuung in der onkologischen Rehabilitation. Die Patienten kommen in die Praxis mit Klagen über Unruhe und Schlafstörungen, auch über Schweißausbrüchen und Hitzewallungen, empfinden Mattigkeit und Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit, haben Nerven- und Gefühlsstörungen, grübeln zu viel, haben sich innerlich und äußerlich – aus dem gesellschaftlichen Leben – zurückgezogen. Notwendig ist ein Abbau von Ängsten und die Rückgewinnung von Selbstbewusstsein, Selbstbestimmtheit und Zuversicht. Es sollte nicht hingenommen werden, dass ein Krebskranker beklagt, dies sei eine Strafe Gottes für eventuelle Verfehlungen. Vielmehr müsse dem ereilten Schicksal Solidarität entgegen gebracht werden. Psychoanalyse lehnt Trunzer ab.

Trunzers Ratschläge betreffen zum einen die Vermeidung von speziellen Krebs-Risiken, so Rauchen, zu intensive Sonnenbelastung und Umweltgiften. Dabei sollte man durchaus „ins Freie an die frische Luft gehen“. Sonnenschein ist gut für den körperlichen D-Vitamin-Haushalt, dem man gegebenenfalls mit speziellen Lampen oder Nahrungsergänzungsmitteln nachhelfen könne. Immer gut, auch gegen Gelenkbeschwerden, ist nun einmal viel Bewegung, laut Trunzer am besten in der Woche drei Stunden Kreislauftraining (flottes Spazieren) und eineinhalb Stunden Krafttraining. „Sport ist so wichtig wie ein Krebsmedikament“. Schmerzmittel seien mit Vorbehalt zu empfehlen, schon eher Krankengymnastik.

Für Trunzer gehört zur ganzheitlichen Behandlung auch Unterstützung bei der beruflichen Eingliederung, aber auch Partner- und Sexualberatung. Zudem hat er erkannt, dass Humor- und Musik-Therapie durchaus hilfreich sein kann. Und aus diesem Segment gab Trunzer, bekannt auch als singender Chefarzt und Kabarettist, nach der Kaffeepause Kostproben zur Gitarre und „brachte den Seniorensaal zum Rocken“.

Wie Martin Luther die Kirche revolutionierte – Prälat Harald Stumpf erläuterte das allgemeine Priestertum aller Gläubigen

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Prälat Harald Stumpf beim Vortrag im Hans-Rießer-Haus  (Foto: Rolf Gebhardt)

2017 – Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation, erinnernd an Martin Luthers Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg; Abschlussjahr der von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ausgerufenen Reformationsdekade, die 2016 „Reformation und ihre Welt“ zum Inhalt hatte und 2017 unter dem Leitgedanken „Vertrauen“ steht. Für die „Jungen Senioren“ quasi ein „Muss“, das neue Jahr im Hans-Rießer-Haus mit einem Reformationsthema zu beginnen.

„Wir sind Papst“, an diese Schlagzeile nach der Wahl von Kardinal Ratzinger zum Papst erinnern sich viele. Prälat Harald Stumpf nimmt sie als Titel für seinen Vortrag beim Treffen der „Jungen Senioren Heilbronn“. Er spricht über Luthers Lehre vom allgemeinen Priestertum.

Mit diesem Text kündigte das Evangelische Gemeindeblatt für Württemberg diese Veranstaltung an. Der Heilbonner Prälat stellte gleich zu Beginn heraus, dass Reformation sowohl eine reine  Herzensangelegenheit wie eine Bildungsbewegung war und ist. Dieser Reformationskern sollte an der Basis, in den Kirchengemeinden, verankert sein. Deshalb habe man auch im Heilbronner Sprengel zu 500 Jahre Reformation eine Anleitung herausgegeben unter dem Titel „… da ist Freiheit“ und den charakteristischen Worten „Allein … Christus – durch Schrift – durch Glauben“. Gleichzeitig erinnerte Prälat Stumpf an die – vor einem Jahr bei den „Jungen Senioren“ erörterte – Jahreslosung 2016 mit dem Jesaja-Wort “Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“. Dies habe man auch in Heilbronn beherzigt mit einer „großartigen Willkommenskultur“ und in einer gesamt-gesellschaftlichen Hilfsbereitschaft geflüchtete Menschen würdevoll aufgenommen. „In solch einer solidarischen bunten Gesellschaft lebe ich gerne“,  betonte Stumpf. Bedauerlich sei andererseits, dass auf diese globale humanitäre Herausforderung andere mit Feindseligkeit reagiere. Solche Befürchtungen, Ängste und Parolen habe die Heilbronner Johann-Jakob-Widmann-Schule in einem Projekt beispielhaft aufgenommen und sich mit den Hintergründen beschäftigt, gängige Vorurteile konkret hinterfragt und entlarvt und sie beleuchtet in einer Plakatserie, die Stumpf in einer Auswahl auf der Titelseite eines Neujahrsbriefs platziert hat.

Auch diese Aspekte hätten Beziehungen zum Verständnis des Priestertums aller Gläubigen, merkte der Prälat an, von Martin Luther konkretisiert in seiner Schrift „An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung“. Die Vorstellung vom Priestertum aller Gläubigen ist laut Stumpf seit Anfang des Christentums eng mit der Taufe verbunden und wird mit einem Petrus-Wort den Neugetauften zugesprochen, ihnen die bedingungslose Liebe Gottes gnädig und barmherzig zugewandt. Luther habe das Priestertum aller Gläubigen verknüpft mit der Forderung nach Bildung für alle, dass auch alle die Bibel lesen können, in ihrer Sprache, wofür ja Luther mit der sprachgewaltigen Bibelübersetzung in deutsch gesorgt habe.

Luther wollte durch das Priestertum aller Gläubigen die Hierarchie zwischen Klerikern und Laien abschaffen. Stumpf verwies auf die Erklärung im Evangelischen Erwachsenenkatechismus: „Die Getauften sind Glieder des Volkes Gottes und haben als Priester in Glauben und Gebet unmittelbar Zugang zu Gott“. Aber auch: „Das Priestertum aller Gläubigen schließt das besondere Amt (als Dienst mit Wort und Sakrament) nicht aus, sondern setzt es voraus.“

In der spätmittelalterliche Kirche schien aus dem Dienst mit der apostolischen Überlieferung eine „Herrschaft über die  Seelen“ geworden zu sein. Die Reformation entdeckte demgegenüber die neutestamentliche Einsicht wieder, dass die Christen ein priesterliches Volk bilden. Dies habe nach Darstellung Stumpfs erhebliche Folgen für Kirche und Gemeinde, schließe aber nicht aus, Theologen in in das Pfarramt und Predigtamt der Evangeliumsverkündigung zu berufen , mit entsprechender Amtsverpflichtung. Stumpf merkte an, für ihn gäbe es keinen schöneren Beruf als den des Pfarrers, auch und gerade, weil seine geistliche Dimension kein übersteigertes Amtsbewusstsein beinhalte. Gleichwohl sei das evangelische Amtsverständnis neben der Eucharistie der entscheidende Trennungspunkt zur katholischen Kirche, die aber auch bekenne, von der Reformation gelernt zu haben.

Generell vertrat Prälat Stumpf die Ansicht, dass sich die Kirche immer wieder erneuern müsse – „Ecclesia semper reformanda“. Aber nicht nur die Kirche; jeder Einzelnen müsse bereit sein zu Umkehr und Veränderung. Unter Bezug auf die Jahreslosung 2017 „Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen guten Geist in euch“ wünschte der Prälat „viele geistreiche und herzerfrischende Begegnungen“.

Die Weihnachtsgeschichte in der Kunstgeschichte – Kunsthistorikerin Dr. Martin Kitzing-Bretz mit einem Gemälde-Kaleidoskop

giotto_-_scrovegni_-_-17-_-_nativity_birth_of_jesusZu Weihnachten gehört die bildhafte Vorstellung von der Geburt Christi in der Krippe im Stall mit Maria und Joseph sowie Ochs und Esel. Eine solche mehr oder weniger kunstvoll gefertigte Krippen-Gruppierung findet sich zu Weihnachten in so manchen Haushalten und in fast jeder Kirche. Bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus bot die Kunsthistorikerin Dr. Martina Kitzing Bretz aus Löwenstein eine anspruchsvolle und hintergründige Darstellung der Weihnachtsgeschichte in der bildenden Kunst vom frühen Christentum bis zum 20. Jahrhundert.

Das erste von Kitzing-Bretz präsentierte Weihnachtsbild stammt von dem Florentiner Maler Giotto di Bondone (1267-1337), der als eigentlicher Begründer der italienischen Renaissance gilt. Es zeigt ein großartiges Freskengemälde in der Arena-Kapelle des Enrico Scrovegni in Padua (siehe oben; Abb. wikicommons/gemeinfrei) und machte das traditionelle Weihnachtsgeschehen in typischer Weise anschaulich: In einem Holzgestell, über dessen Dach jubilierende Engel zu sehen sind, beugt sich Maria voller Innigkeit über ihren neu geborenen Sohn, beide mit Heiligenschein versehen. Im Vordergrund abgewendet ein ziemlich unbeteiligter Joseph, umringt von Ochs und Esel sowie Schafen mit zwei Hirten am rechten Rand.

Den Künstlern in der Renaissance ging es nicht nur darum, das in den Evangelien berichtete Geschehen zu malen, sondern die Gläubigen dazu zu bringen, sich in das Weihnachtgeschehen zu versenken, dass Gott Mensch geworden ist. Ein solches (Altar-)Bild von der heiligen Familie gibt es etwa auch von Albrecht Dürer (1471-1528): Die heilige Familie ruht vor der Ruine eines vormals herrschaftlichen Hauses, das nun den Tieren als Unterstand dient. Das Gesicht Marias, tief in das Mysterium versunken, ist wie das des Christus-Kindes hell erleuchtet. In anderer Form bei  Rembrandt (1606-1669): In dem dunkel gehaltenen Bildgeschehen die spirituell durch eine  Lichtquelle aufbereitete Szene der Geburt Christi und im Hintergrund Joseph als Zimmermann.

Kitzing-Bretz verzichtete auf die Vorführung von den weit verbreiteten Bildern der heiligen Madonna, der Mutter Gottes mit dem Kind, sondern wollte in erster Linie das klassische Weihnachtsgeschehen aufzeigen. Dazu gehören Bilder, oft Altargemälde, von der „Anbetung der Könige“. Exemplarisch zeigte sie das grandiose Gemälde des Dekorationsmalers Giovanni Batista Tiepolo (1696-1770)  in der Sakristei von San Marco in Venedig: der neugeborene Jesus in Windeln angebetet von den Königen, begleitet von Heerscharen der Engel.

In der Bibel ist allerdings nirgends die Rede von Königen. Lediglich das Matthäus-Evangelium spricht von Magiern und Sterndeutern aus dem Osten, die in Jerusalem nach dem neugeborenen König der Juden fragen. Wie Kitzing-Bretz zeigte, wurde in den Anfängen der Ostkirche in Byzanz im 6. Jahrhundert die drei Magier Balthasar, Melchior und Caspar als Sterndeuter in orientalischer Kleidung und Mützen dargestellt. So bildet ein farbenprächtige Mosaik in der Kirche Sant’Apollinare Nuovo in Ravenna die drei Magier ab, die mit ihren Gaben auf dem Weg zur Geburtsstätte sind. Ab dem 10. Jahrhundert wurden sie mit Kronen als Könige gekennzeichnet.

Im christlichen Orient wurde die Weihnachtgeschichte auch anders dargestellt als im Abendland, nämlich die Jesus-Geburt nicht in einem Stall, sondern in einer Höhle. Zwar verlässt der Evangelist den Hirten durch einen Engel verkünden, „ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt“, doch von einem Stall ist keine Rede (ebenso wenig von Ochs und Esel). Damals gab es im Nahen Osten keine hölzernen Ställe oder Futtertraufen. Die Hirten suchten Zuflucht in Höhlen. Und so dürfte Jesus das Licht der Welt in einer Höhle oder Grotte erblickt haben,(auch die Geburtskirche in Bethlehem wurde errichtet über der vermuteten Geburtsstätte Jesu, ausgemacht als Geburtsgrotte), wie es auch in der Ostkirche oft darstellt wurde, Maria mit dem Kind auf einer Art Matratze liegend. Dem Florentiner Sandro Botticelli (1445-1510) gelang es, in einem mythologischen Bild byzantinische und abendländische Tradition zusammenzuführen, indem er eine Geburtshöhle in felsigem Terrain malt; im unteren Teil des Bildes werden Dichter von drei Engeln umarmt, dargestellt in den Farben der theologischen Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung.

Die Kunsthistorikerin Kitzing-Bretz schloss ihre künstlerische Bilderschau der Weihnachtsgeschichte  mit einem farbintensiven Gemälde des französischen Malers Paul Gaugin (1848-1903), der – auf seiner Suche nach dem Paradies – die Geburt des Gottessohns in eine exotische Hütte in der Südsee verlegt: eine eingeborene Maria langgestreckt auf einer Liege und neben sich den winzigen Knaben.