Auf- und Abbrüche im Leben von Hölderlin

Martin Uwe Schmidt gibt Einblick in das komplexe Wirken des Dichters

Hölderlin? Da gibt es die Hölderlinstraße – in mehr als 600 Gemeinden in Deutschland, darunter gut drei Dutzend im Heilbronner Umland, natürlich auch in Hölderlins Geburtsstadt Lauffen,wo es auch „Hölderlin im Kreisverkehr“ gibt, Objekt eines Kunstwerks des Bildhauers Peter Lenk (von 2003), der Hölderlin in Beziehung zu anderen Figuren darstellt – und natürlich das Hölderlinhaus.

(Johann Christian) Friedrich Hölderlin kam am 20. März 1770 in Lauffen zur Welt, also vor 250 Jahren. Grund für die „Jungen Senioren“, im Hölderlin-Jahr 2020 zu seinem 250. Geburtstag, mehr über diesen bekannten und doch unbekannten Dichter zu erfahren. Oberstudienrat  a.D. Martin Uwe Schmidt nahm sich der Aufgabe an, Hölderlins dramatischen Lebenslauf und seine schwer zugängliche Dichtkunst darzustellen. . Da er die Zuhörer/innen mit Hölderlins langen und komplexen Gedichten verschonen wollte, stieg er ein mit dem noch recht verständlichen „Heidelberg“. Das nächste Gedicht „Neckar“ begann und endete zwar mit einer Hymne an Hölderlins Heimat-Fluss, aber dazwischen gedankliche Ausflüge in die von ihm verherrlichte Welt der antiken Mythologie und der griechischen Götter, was sein Lebensthema war. 

Hölderlin stammte – wie Schmidt es ausdrückte – aus den gebildeten Kreisen schwäbischer Ehrbarkeit: Sein Vater war der herzogliche Klosterhofmeister in Lauffen, starb jedoch schon, als Friedrich zwei Jahre alt war. Seine verwitwete Mutter, deren Vater Pfarrer in Cleebronn war, heiratete zwei Jahre später den aus Nordheim stammenden Schreiber und Weinhändler Johann Christoph Gock, der Bürgermeister in Nürtingen wurde, wohin die Familie 1774 zog. In der Oberamtsstadt wuchs der junge Hölderlin in großzügigen Verhältnissen auf und besuchte die Lateinschule von 1775 bis 1784. Sein geliebter Stiefvater starb bereits 1779. Hölderlin absolvierte erfolgreich die evangelischen Klosterschulen in Denkendorf und Maulbronn (niederes und oberes Seminar), jedoch nicht mit großer Begeisterung. Es folgte das Studium an der Universität Tübingen (1788-1793), wo Hölderlin im Evangelischen Stift jahrelang in fruchtbarem philosophischem Austausch ein Zimmer mit Friedrich Wilhelm Hegel und Friedrich Wilhelm Schelling, den er bereits aus Nürtingen her kannte, bewohnte. Auch wenn Hölderlin die „Galeere der Theologie“,  insbesondere unter der pietistischen  Ausrichtung, nicht liebte, schloss er das Theologiestudium ab und erwarb einen Magister in Philosophie.. 

Da Hölderlin – zum Leidwesen seiner Mutter – keinesfalls Pfarrer werden wollte, musste er sich als Hofmeister, Hauslehrer für Kinder reicher Familien, verdingen. Seine erste Stelle hatte er ab Ende 1793 im Schloss Waltershausen im Grabfeld bei Charlotte von Kalb auf Vermittlung von Friedrich Schiller, mit dem Hölderlin in literarischen Kontakt gekommen war und der auch eine Reihe von Hölderlins Schriften in seiner Zeitschrift „Thalia“ veröffentlichte. Nach gut einem Jahr wurde im Januar 1795 das Anstellungsverhältnis einvernehmlich gelöst und Hölderlin zog nach Jena. Hier klappte es jedoch weder mit einer Verbindung zu Goethe, die unglücklich verlief, noch mit einem Studium,, so dass er zur Jahresmitte 1795 Jena verließ..

Ab Anfang 1796 dann Hauslehrer in Frankfurt bei Bankier Jacob Gontard bei sehr vorteilhaften Bedingungen. Bedeutsam wurde die Begegnung mit der Hausherrin Susette Gontard, mit der sich eine kunstsinnige und wohl auch Liebesbeziehung entwickelte, und die in Hölderlins Briefroman „Hyperion oder der Eremit in Griechenland“ als die weibliche Hauptfigur Diotima, die Priesterin der Liebe in Platons „Gastmahl“, verewigt wurde. Als diese Beziehung des Hofmeisters ruchbar wurde, musste Hölderlin Ende September 1798 das großbürgerliche Haus verlassen. Hölderlin wurde von seinem langjährigen Freund und Förderer Isaak von Sinclair, inzwischen Regierungsrat in Homburg (Taunus), in der kleinen Fürstenresidenz als Bibliothekar übernommen, und hatte hier die Möglichkeit, heimlich mit Susette in Kontakt zu treten.

Im Juni 1800 kehrte Hölderlin wieder nach Nürtingen zurück, lebte zeitweise in Stuttgart und als Hauslehrer im schweizerischen Hauptwil (Kanton Thurgau), dann wieder in Nürtingen. Anfang 1802 reiste er zu Fuß nach Bordeaux, um Hauslehrer in der Familie eines reichen deutschen Weinhändlers und Konsul zu werden. Doch er hielt es nur wenige Monate dort aus und kehrte Ende Juni 1802 aus Frankreich in einem verwahrlosten und verwirrten Zustand nach Nürtingen zurück. Isaac von Sinclair holte Hölderlin 1804 noch einmal nach Homburg. Der republikanisch gesinnte Sinclair wurde Anfang 1805 auf Betreiben des Kurfürsten Friedrich II. von Württemberg verhaftet und gegen ihn ein Hochverratsprozess angestrengt. Hölderlin galt zwar als Mitwisser, doch wurden die Ermittlungen wegen seines bedenklichen Gesundheitszustandes schnell eingestellt. Hölderlin wurde in Tübingen in das Authenrieth-Klinikum eingeliefert und nach siebenmonatiger Behandlung als psychisch Kranker als unheilbar entlassen. Zum Glück fand Hölderlin eine Bleibe bei dem Schreinermeister Ernst Zimmer, der den Dichter bewunderte. 37 Jahr lang wurde Hölderlin in der legendären Turmstube von Familie Zimmer wohlwollend betreut, ehe er am 7. Juni 1843 friedlich einschlafen durfte und seine Grabstätte im Tübinger Stadtfriedhof fand.

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„Eine Kunst, die dem Leben nachlauscht“

Dekan Christoph Baisch über Ernst Barlach zu seinem 150. Geburtsjahr

Start des neuen Programms 2020/21 der „Jungen Senioren Heilbronn“ im Großen Saal des Hans-Rießer-Hauses – in der Coronazeit unter veränderten Bedingungen: Nur ca. 33 Personen, nach telefonischer Anmeldung unter 07131 964431 (Dienstag und Mittwoch Vormittag), an festen Tischen platziert, nach Referat Kaffee und Gebäck serviert, Beachtung der Hygiene-Vorschriften. 

Ein gelungener Beginn mit dem Heilbronner Dekan Christoph Baisch, der über Leben und Wirken des expressionistischen Künstlers Ernst Barlach anlässlich seines 150. Geburtsjahres referierte. Ernst Barlach wurde am 2. Januar 1870 in Wedel (bei Hamburg) als ältester von vier Söhnen des Arztes Georg Barlach (1839-1864) geboren, verlebte seine Kindheit in Schönberg (Mecklenburg) und Ratzeburg (Holstein). Nach Kunststudium in Hamburg und Dresden sowie zweijährigem Aufenthalt in Paris arbeitete er ab 1897 als freischaffender Künstler, ohne großen Erfolg, so dass er  vorübergehend eine Lehrtätigkeit an einer Keramik-Fachschule im Westerwald aufnahm. 

Wie Baisch darlegte, kämpfte zu jener Zeit Barlach mit Existenzsorgen und Selbstzweifeln. Da erschien ihm 1906 eine achtwöchige Reise nah Russland mit seinem Bruder Nikolaus zu seinem dort ansässigen Bruder Hans als Ausweg. Tatsächlich bedeuteten – so Baisch – die Eindrücke in Russland für Barlach einen Neubeginn für sein künstlerisches  Schaffen, beeinflussten die künftige Gestaltung seiner Skulpturen, Druckgrafiken und kleinformatigen Plastiken. Er fand in Russland die Symbolik einer verblüffenden Einheit von Innen und Außen: „So sind wir Menschen alle Bettler und problematische Existenzen im Grunde“.

Wie Baisch herausstellte, wurde Barlach in jenem Jahr auch damit konfrontiert, dass er Vater geworden war, aus einer kurzen Beziehung mit der Näherin Rosa Schwab, die ihm auch Modell gestanden hatte. In zweijähriger teurer Auseinandersetzung kämpfte er um das Sorgerecht seines Sohnes Klaus, der erst einmal bei Barlachs in Güstrow wohnenden Mutter unterkam, während Barlach 1909 ein mit dem Villa-Romana-Preis verbundenes Stipendium in Florenz annahm. Inzwischen hatte Barlach seine  künstlerische Existenz weitgehend absichern können, da der Berliner Kunsthändler Paul Cassirer Barlachs Arbeiten für ein festes Gehalt übernahm. Zudem lernte er das Bildhauer-Ehepaar Bernhard und Marga Böhmer kennen, das ihn unterstützte. Das ging so weit, dass sich Marga Böhmer 1927 scheiden ließ und Barlachs Lebensgefährtin bis zu seinem Tod wurde und später seinen Nachlass verwaltete. Dank der Hilfe von Bernhard Böhmer (der wieder heiratete) konnte Barlach in  Güstrow ein ansehnliches Atelierhaus am Inselsee beziehen, das heute die Zentrale der 1994 gegründeten Zentrale der Ernst-Barlach bildet.

In der Darstellung von Barlachs Kunst war Baisch eingestiegen mit einem Bild  von „Der Schwebende“,  1927 im Güstrower Dom entstanden, eine an Ketten vom Gewölbe über ein Gitter  hängende Bronzegestalt. „Geschlossene Augen und geschlossener Mund, nach innen gewandt, Schwere und Schmerz ausdrückend, symbolisch zwischen Leid und Erlösung, Erde und Himmel,“ so Baisch. Doch dieses „Güstrower Ehrenmal“ wurde schon zehn Jahre danach entfernt und später „für Kriegszwecke“ eingeschmolzen. Glücklicherweise hatten Freunde den Originalguss retten können, so dass „der Schwebende“ 1953 wieder seine Bestimmung im Dom zu Güstrow und eine Zweitausfertigung in der Kölner Antoniterkirche finden konnte.

Barlachs Werke entsprachen nicht dem nationalsozialistischen Zeitgeist und trafen auf vielfache Anfeindungen. Dabei hatte Barlach noch freudig den Kriegsbeginn 1914 begrüßt und sich auf den Felddienst gefreut. Doch schon nach wenigen Monaten hatte er zu viel Schlimmes erlebt, litt an den Leiden der Frontsoldaten und wurde im Februar 1916 „als Künstler“ entlassen. Doch seine Formgebungen stießen immer mehr auf offizielles Missfallen: Die von Baisch aufgezeigte  Darstellung einfacher Menschen mit ihren Lebensverhältnissen und ihrer Befindlichkeit, so „der blinde Bettler“.“ russische Bettlerin“, „der Einsame“, „die tanzende Alte“, „drei singende  Frauen“, „der singende Mann“ – Gestalten, wo Gewand und Körper regelrecht miteinander verschmelzen; sie galten als undeutsch und fremdrassig. Noch schlimmer die Kritik an dem Kieler Ehrenmal „Schmerzensmutter“ (1922) und die anderen Ehrenmale für Kriegsopfer in Magdeburg (1929) und Hamburg (1931), die von den Nazis entfernt wurden. Über 400 Barlach-Werke wurden als entartete Kunst aus öffentlichen Sammlungen verbannt und Barlach 1937 mit Ausstellungsverbot belegt. Barlach starb am 24. Oktober 1938 in einer Rostocker Klinik an Herzinfarkt und wurde in der Familiengrabstätte in Ratzeburg begraben, geziert von der Skulptur „der singende Klosterschüler“ (1931). 

Wie Baisch erläuterte, verkörperte Barlach „eine„Kunst, die dem Leben nachlauscht“, festgemacht an dem bekannten „Fries der Lauschenden“ (1935)  mit neun Holzfiguren. Auch wenn Barlach nicht unbedingt als christlicher Künstler anzusehen sei, so habe er doch als Dichter in Dramen das Gute und  Böse thematisiert, Glaube als Wohltat und Glück, das Ringen mit Gott: „Ich habe keinen Gott. aber Gott hat mich.“

Veranstaltungsreihe 2020/21 beginnt

Die Jungen Senioren zu Corona-Zeiten:

Normalerweise steht jeder Nachmittag unter einem abgeschlossenen Thema. Versierte Referent*innen halten einen Vortrag über 40 bis 45 Minuten. Danach gab es die letzten 30 Jahre eine Kaffeepause, in der das Gehörte in kleiner Runde diskutiert werden konnte. Nach einer anschließenden Fragerunde an den Referenten / die Referentin wurde die Veranstaltung in der Regel gegen 16:30 Uhr beendet.

Wie wir es in diesem ‚Corona-Jahr‘ detailliert handhaben werden, können wir leider erst kurzfristig mitteilen, da wir die Entwicklung der Pandemie abwarten müssen. Der momentane Stand der Dinge ist, dass wir deutlich weniger Zuhörer*innen haben können, diese sich zuvor anmelden müssen und wir trotz steigender Unkostenbeiträge unseren kulinarischen Pausensnack reduzieren müssen.

Aber wir starten zuversichtlich ins neue Semester und freuen uns auf alle unsere Referent*innen, die uns von Neuem eine interessante Vortragsreihe bieten werden.

Bitte achten Sie gegen Ende September auf unsere Veröffentlichungen in der Heilbronner Stimme oder fragen Sie nach den neuesten Entwicklungen an per mail (sonja.albrecht@diakonie-heilbronn.de) oder per Telefon 07131 9644 31.

Wir freuen uns auf Sie!

Denen helfen, die durch das Raster fallen – Alexandra Gutmann über Entwicklung und Dienste der „Mitternachtsmission“

BILD 2020-03-09 Alexandra Gutmann - Mitternachtsmission Heilbronn

Alexandra Gutmann (Foto: privat)

Internationaler Frauentag am Sonntag, 8. März 2020: Aus diesem Anlass fand wie gewohnt im Bundestag eine parlamentarische Debatte statt, bei der es generell um Gleichberechtigung in allen gesellschaftlichen Bereichen ging, aber auch um einen Aufruf zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und zum Ausbau von Frauenhäusern und besseren Opferschutz. Gerade diese Thematik bestimmte die Veranstaltung der „Jungen Senioren“ am Tag nach dem Frauentag im Hans-Rießer-Haus mit Alexandra Gutmann,, der Leiterin der „Mitternachtsmission“ in Heilbronn, 

Mitternachtsmission! Die Mitternachtsmission hat zweifellos christliche Wurzeln, hat jedoch mit Mission im herkömmlichen Sinn nichts zu tun, vielmehr damit, Menschen in mehr oder weniger ausweglosen Lebensverhältnissen – „die durch das Raster fallen“ – wieder in geordneten Bahnen zu verhelfen. Angefangen hatte das damit, dass 1955 die erste Leiterin Schwester Knapp ihren diakonischen Auftrag darin sah, Frauen, die sich nach Kriegsende in Heilbronn prostituiert hatten, aufzusuchen und zu begleiten. Zu dieser Zielgruppe kamen über die Jahre chronisch abhängige sowie straffällige Frauen dazu.1979 wurde das Frauen- und Kinderschutzhaus unter der zweiten Leiterin Schwester Marianne Wienand eröffnet. 

Als dann der personelle Wechsel anstand, übernahm Anfang 2000 die aus Südbaden stammende 30jährige Diplom-Sozialarbeiterin Alexandra Gutmann, die bereits fünf Jahre lang Schwester Wienand zur Seite gestanden hatte, die Abteilungsleitung der diakonischen Einrichtung, die – um die mit dem Namen Mitternachtsmission verbundene Assoziation zum Rotlichtmilieu eine Stigmatisierung der begleiteten Frauen zu vermeiden – ab 1975 den übergeordneten Begriff „Beratungsstelle für Frauen“ trug. Seit Dezember 2016 wurde für die heute sehr vielfältigen Dienste der ursprüngliche Namen Mitternachtsmission wieder eingeführt. Laut Gutmann beschreibt der Begriff Mitternachtsmission den biblischen Auftrag von der Vermittlung der christlichen frohen Botschaft und die Sendung von Gott zu den in Not geratenen Menschen und ihnen gegebenenfalls auch um Mitternacht zu helfen. Neben dieser sozialmissionarischen Ausrichtung gelte für alle Arbeitsbereiche die drei im Logo verankerten Grundsätze „Beziehungsorientierung, Niederschwelligkeit, Professionalität“.

Alexandra Gutmann informierte in rhetorisch sympathischer und in mitreißender Weise von der Betätigung in den vielfachen problematischen Arbeitsfelder der Mitternachtsmission, die von einem „bunten engagierten Team“, von dem zwei junge Personen anwesend waren, getragen wird. Zentrale Anlauf- und Beratungsstelle ist ein Haus in der Steinstraße 8, „nächtlich beleuchtet von dem angrenzenden Gefängnis“, mit psychologischer, seelsorgerlicher und psychosozialer Beratung sowie Erziehungs- und Suchtberatung.

Nach wie vor gibt es „Mitternachtsmission klassik“ als eine von fünf Arbeitsbereichen. Gutmann: „Wir suchen die Menschen zu unterschiedlichen Zeiten – auch mit einem Kontaktmobil – da auf, wo ihr Lebensmittelpunkt ist.“ In der Szene, auf dem Straßenstrich, im Zuhause, im Rotlicht, in Bars und Terminwohnungen, aber auch im Obdachlosen- oder Flüchtlingsheim. Natürlich gebe es auch junge und älter gewordene Frauen, die das vermeintlich leicht verdiente Geld im Sexgeschäft gesucht haben und nicht mehr davon wegkommen. Gutmann berichtete aber auch von Prostituierten, die aus osteuropäischen oder afrikanischen Ländern mit allerlei Versprechungen nach Deutschland gelockt worden sind und hier in die Prostitution gezwungen wurden. Sie werden ebenso in völliger Abhängigkeit gehalten wie aus Flüchtlingsheimen rekrutierte „Liebedienerinnen“. Da ist es schwer, für sie „einen Ausstieg in einen Einstieg“ zu finden.

Verstärkt – mit steigenden Fallzahlen – hat die Mitternachtsmission Zugang zu von häuslicher Gewalt Betroffenen. Gewalt gegen Frauen nehme leider in unserer aufgeklärten Gesellschaft eher zu oder Gewalterfahrung werde öfter bekannt, beobachtete Gutmann. Das ziehe sich durch alle soziale Schichten und Kulturen hin. Alle drei Tage stirbt in Deutschland eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner. Damit es nicht so weit komme, gehe es darum, von Gewalt bedrohten Frauen – meist infolge von Trennungsabsichten – einen sicheren Schutzraum zu bieten. In einem neuen Konzept werde am Standort der Beratungsstelle ab 2022 ein Frauen-und Kinderschutzhaus für schutzbedürftige nicht hochbedrohte Frauen entstehen. Außerdem werde es anonyme Schutzunterkünfte für hochbedrohte Frauen und Kinder aus Sicherheitsgründen an stetig wechselnden Standorten geben. Die Mitternachtsmission ist darüber hinaus eine landesweit tätige Fachberatungsstelle für Betroffene von Menschenhandel mit dezentral geschützten Unterkünften.

Als lokal sehr sinnvoll und wichtig haben sich zwei weitere Arbeitsbereiche ergeben: „Südstadtkids“ und „Nordstadtkids“: In der Heilbronner Südstadt die Einbindung von jährlich bis zu 300 Kindern aus prekären Lebenssituationen in vielfältigen aufbauenden Angeboten, In der Nordstadt mobile Betreuung von bis zu 200 Kindern aus Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünften im Kiosk am Industrieplatz, an einem Standort in der Kleiststraße und bei umliegenden Spielplätzen. Gutmann: „Wir helfen ausgegrenzten Kindern und Jugendlichen, konstruktives Denk- und Sozialverhalten zu erlernen und eigene Talente zu entwickeln – mit Empathie und Gottvertrauen.“

Die faszinierenden Elebniswelten der Experimenta – Besuch der Jungen Senioren in dem neuen spektakulären Science Center

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Foto: Rolf Gebhardt 

Neugierig folgten die „Jungen Senioren“ der Einladung zum Besuch der neuen „Experimenta“. Nur wenige haben sie schon mit Enkelkindern besucht, aber alle kannten das Bild des neuen imposanten und spektakuläre Gebäudes des Science Center neben dem dem „alten“ im „Hagenbucher“ am Neckar. Und so wollte man sich die nähere Bekanntschaft mit dem als architektonischer Leuchtturm für die Wissensstadt und neues städtebauliches Wahrzeichen Heilbronns gepriesene größten und innovativsten Science Center Deutschlands nicht entgehen lassen.

Treffpunkt: 14.45 Uhr im Haupteingangsbereich der Experimenta bei der Kasse. Zehn Euro Tagesticket, Gruppenermäßigung. Nachdem jede(r) mit einem „Bändchen“ am Handgelenk ausgestattet ist, auf dem sich alle Eigenaktivitäten speichern lassen, geht es ein Stockwerk runter, „zwölf Meter unter dem Neckar“, durch das Foyer in den Begrüßungsraum, wo die Supervisorin Sandra Bader die „Jungen Senioren“ begrüßt und stolz anmerkt, dass man selten diesen mit 100 Sitzplätzen ausgestatteten Raum voll besetzt hat.  „Lassen Sie sich in diesem großen und komplexen Haus nicht verwirren. Sie sind hier nicht in einem Museum, sondern tauchen ein in eine einzigartige Wissens- und Erlebniswelt, wo sie sich interaktiv betätigen können,“ Begonnen hatte das „Projekt Experimenta“ 2006 mit dem Beschluss zum Umbau des ehemaligen Ölsaatenspeichers Hagenbucher aus den 1930er Jahren zu einem Science Center, wofür die Dieter-Schwarz-Stiftung die Kosten für Innenausbau und laufenden Betrieb übernahm., „Der Start für Heilbronn als „Zukunftsstadt“, wie es der damalige  Ministerpräsident Günther Oettinger im November 2009 bei der Eröffnung ausdrückte. Dank des großen Erfolgs – die anvisierte Besucherzahl von 100 000 pro Jahr wurde (zeitweise) um das Doppelte übertroffen – gingen die Planungen weiter für Erweiterung und Neubau. Bei einem europäisch ausgeschriebenen Wettbewerbs setzte der Siegerentwurf des international tätigen Berliner Architektenateliers Sauerbruch Hutton neue Maßstäbe: ein futuristisches Bauwerk, das wie ein magischer Würfel aus Glas wirkt. Nach dem Aushub einer 5000 qm großen Baugrube, dem Abpumpen von 37 Millionen Liter Wasser und der Beendigung der archäologischen Grabungen wurde im Frühjahr 2016 mit dem Rohbau begonnen, 2017 das alte Experimenta-Gebäude umgebaut und die „neue Experimenta“ im Frühjahr 2019 kurz vor Beginn der Bundesgartenschau eröffnet, laut Ministerpräsident Winfried Kretschmann „ein Wissenschaftspalast der Extraklasse“.

Und so präsentiert sich jetzt die neue Experimenta in neue bestechender Dimension auf 25 000 qm Fläche, gegenüber 7500 qm vordem. der „alten“, mit Tunneldurchgang erreichbaren „e2“ im neugestalteten Bestandsgebäude Hagenbucher. Dort befinden sich die „Forschungswelten“, die auf fünf Stockwerken insbesondere für Schulklassen acht hochwertig ausgestattete Labore und eine Experimentierküche bieten und zahlreiche naturwissenschaftliche und technische Kurse: das Schülerforschungszentrum Nordwürttemberg. Die „Jungen Senioren“ durchstreiften den Neubau „e1“. Geschlossen wegen schlechtem Wetter war leider die Sternwarte, die mit modernster Teleskoptechnik einen grenzenlosen Blick ins Universum bieten kann, auf der Dachterrasse, die gleichwohl ein Besucher-Highlight ist, da man hier Einblick ins Experimentaltheater hat und vor allem einen tollen Rundblick über die Neckarstadt Heilbronn und die Weinberge und Wälder vor Wartberg und Schweinsberg. Auch die darunter liegenden vier Stockwerke, in spiralförmiger Formation ausgerichteten Rolltreppen erreichbar, eröffnen in unterschiedlicher Perspektive wunderbare Aussichten. 

Welche Themenfelder mit 140 interaktiven Exponaten findet man in den vier Stockwerken (von unten)? 

– „Stoffwechsel“: Die Natur der Dinge – Alltag und Umwelt – neu entdecken, Ausstellung zeigt, was hinter den Dingen steht und macht Unsichtbares sichtbar; im Studio Materialien kombinieren und Objekt gestalten.

– “Kopfsachen“: Ausstellung, wie die Welt so vielfältig in unsere Köpfe kommt, sie mit allen Sinnen und dem Körper wahrnehmen; im Studio kreativ sein mit Klängen, Worten und Bildern.

– WeltBlick“: Ausstellung, mit Wissenschaft und Technik die Welt erforschen, erkennen, verstehen und gestalten; im Studio die Umwelt neu sehen, so eine lebhafte Mikrowelt außerhalb unseres Blickfelds.

– „Forscherland“: In der Ausstellung ein Abenteuerspielplatz für die ganze Familie – zu  Land, zu Wasser und in der Luft; im Studio spielend lernen mit Fahrzeugen, Bauklötzen und Forscherboxen.

Die meisten „Jungen Senioren“ hielten es in der Experimenta aus bis kurz vor Schluss um 17 Uhr. Einige suchten vorher noch im Erdgeschoss das Restaurant auf oder wählten im Shop passende Geschenke für ihre Enkel. Ein Extra-Besuch wert wäre für viele noch im Untergeschoss jener Science Dom, unter dessen eleganter 700-qm-Kuppel sich ein Hightech-Erlebnisraum verbirgt, dessen Herzstück das bewegliche  Auditorium ist, das sich um 189 Grad dreht und mit modernster Lasertechnik schier unfassbare , aber eindrucksvolle Erlebnisse auf der Theaterbühne oder unter einer Sternenkuppel vermittelt. 

Vor 100 Jahren begann eine neue Weltepoche – Historiker Matthias Hofmann über die entscheidenden Weichenstellungen

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Matthias Hofmann (Foto: Rolf Gebhardt)

Die Zeit ist voller Turbulenzen. So rund um den Tag der Veranstaltung der „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Hauses, als das Thema „1919 – Aufbruch in eine neue Epoche“ auf dem Programm stand und vor- und nachher das Orkantief „Sabine“ die Wetterlage bestimmte, als ein innenpolitisches Beben von einem Wahl-Eklat in Thüringen ausgehend die Republik erfasste und weltweit Angst vor der Ausbreitung des Coronarvirus herschte  Die außenpolitischen und internationalen Konfliktherde traten da vorübergehend in den Hintergrund, wenngleich sie nach wie vor virulent sind – und vielfach zurückgehen auf entscheidende Weichenstellungen vor 100 Jahren.

Darüber berichtete der Historiker und Orientalist Matthias Hofmann, vor 50 Jahren geboren in Teheran als Sohn eines dort tätigen Managers des Hoechst-Konzerns, mit vielen Jahren Erfahrung als landeskundlicher Berater der Bundeswehr und auch mehrmonatigem Reservisteneinsatz in Afghanistan. So wie sich heute Europa und der Nahe Osten – Orient und Okzident, Abendland und Morgenland – darstellen, hängt in großem Maße mit politischen Entscheidungen zusammen, die im Rahmen des I. Weltkriegs, die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, getroffen wurden, größtenteils in eigentlich fahrlässiger und rücksichtsloser Weise – aus heutiger Rückschau. 

Uns in Deutschland ist vor allem in Erinnerung und bewusst, der euphorische Eintritt in diesen sich als so verheerend erweisenden Krieg, der Millionen Opfer auf unrühmlichen Schlachtfeldern forderte, zur Kriegsmüdigkeit und großem Elend führte. Der bis dato schlimmste Krieg wurde beendet am 11. 11. 1919 in der beweglichen Befehlszentrale des französischen Marschalls Ferdinand Boch, einem Eisenbahn-Salonwagen im Wald von Compiègne, wo der deutsche Staatssekretär Matthias Erzberger (anstelle der deutschen Militärs) das Waffenstillstandsabkommen unterschreiben musste. 

Wie Hofmann darlegte, waren die anschließenden „Pariser Vorort-Gespräche“ erst recht folgenreich. So der Vertrag von Versailles am 28. 6, 1919 mit dem Deutschen Reich, das 13 Prozent des Territoriums und zehn Prozent seiner Bevölkerung abtreten musste. Noch heftiger traf es beim Vertrag von Saint-Germain-Laye am 10. 9. 1919 Österreich-Ungarn, das70 Prozent seines Territoriums und den Großteil seiner Bevölkerung verlor und Anschlussverbot an das Deutsche Reich bekam. Insbesondere Kriegsschuld und Reparationen belasteten langfristig das politische Geschehen. Europa war nach Kriegsende wirtschaftlich am Boden und konnte praktisch nur durch Kredite aus den USA einen Neuanfang finden, der jedoch durch den Börsencrash des „Schwarzen Freitag“ am 25. 10. 1929, gestoppt wurde und in Deutschland zu Hyperinflation und Massenarbeitslosigkeit führte und letztlich zum Aufstieg des NS-Regimes. Zu einer  Hypothek der Nachkriegszeit wurde auch die spanische Grippe“, die in Europa mehr Tode forderte als der Krieg. 

Es war aber nicht nur das deutsche Kaiserreich und die K-und K-Monarchie, die vor 100 Jahren kollabierten, sondern auch das Osmanische Reich (1299-1922), das ehemals den Bereich des heutigen Westbalkans südlich der Donau beherrschte und ganz Nordafrika und den Nahen Osten bis zum Indischen Ozean, ein Riesenreich ohne Grenzen, aus deren Zerschlagung letztlich ein gutes Dutzend überwiegend durch Linienziehung auf der Landkarte begründete Nationalstaaten entstanden. 

Schon während des Krieges hatten sich Engländern und Franzosen auf eine symmetrische Verteilung von Mandatsgebieten geeinigt und wurden vom Völkerbund mit dar Neuorganisation von Nordafrika und Arabien beauftragt. Armenien, Mesopotamien und Kurdistan sollten selbstständig werden, und Palästina die Heimstätte des jüdischen Volkes. Arabische Stämme, die die Briten gegen das Osmanische Reich unterstützt hatten, erhielten große Gebiete auf der arabischen Halbinsel, die Sauds (das spätere) Saudi Arabien und die Haschemiten Transjordanien bzw. Jordanien. Um die neuen Staaten mit künstlichen  Grenzen, die Völker, Stämme und Glaubensrichtungen willkürlich trennten, in den Griff zu kriegen, bildeten sich zumeist Monarchien, so auch in Syrien, das ehemals eine viel größere Provinz des Osmanischen Reiches war. In der Türkei, dem Nachfolgestaat des reduzierten Osmanischen Reiches, folgten nach Großwesir und Sultan die Jungtürken mit dem modernistisch orientierten Regime von Kemal Atatürk.

Hofmann beleuchtete auch die Beziehung des kaiserlichen Deutschlands zum Islam. Unter der Ägide einer Nachrichtenstelle für den Orient unter der Leitung des Islamwissenschaftlers Max von Oppenheim versuchte  man (ziemlich vergebens), Muslime – selbst Kriegsgefangene – zum „heiligen Krieg“ gegen die Briten aufzuhetzen. In den letzten Jahrzehnten wurde ja dann der Islam zum Bindeglied der Nationalstaaten in Nordafrika und im Nahen Osten – mit dubiosen Folgen für die Weltpolitik. Als positive Aspekte des Geschehens vor 100 Jahren hob Hofmann die Demokratiebewegungen hervor und die Verbesserung der gesellschaftlichen Stellung der Frau einschließlich der Einführung des Frauenwahlrechts.

Wie Schmerz entsteht und wie man ihm begegnet – Der Neurochirurg Dr. Vassilios Vadokas über aktuelle Therapiemöglichkeiten

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Dr. Vassilios Vadokas (Foto: Rolf Gebhardt)

Oh. Schmerz lass nach! Wer hat das nicht schon mal gedacht, gesagt, gewünscht. Schmerz gehört zum Leben, er kommt und (ver)geht – meistens, hoffentlich. Was es mit dem Schmerz auf sich hat, wie er entsteht und wahrgenommen wird, wie man ihn behandelt, ihn mildert und mit modernen Therapiemöglichkeiten angeht, darüber informierte bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus der Heilbronner Mediziner Dr. Vassilios Vadokas, Facharzt für Neurochirurgie, spezielle Schmerztherapie sowie ambulante und stationäre Operationen vom Zentrum für interventionelle Schmerztherapie und Neuromodulation  – gebürtiger Athener, wie er extra betonte.

„Der Schmerz ist älter als die Menschheit“, konstatierte Vadokas, um anzuschließen, dass Schmerz überlebenswichtig ist. Ohne Schmerzempfindung spürt man nicht, ob man sich verbrannt, verletzt oder etwas gebrochen hat. Der akute Schmerz ist eine lebensnotwendig Sinneswahrnehmung, dass der Organismus Schaden nimmt, er ist also ein Warnsignal. Anders bei chronischen Schmerzen. Da ist die Schutz- und Warnfunktion aufgehoben; der Schmerz hat sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild entwickelt.

Gleichwohl ist der Schmerz ein körperlicher und/oder seelisch quälender Zustand, der nach Befreiung verlangt. In frühen Zeiten (und heute noch bei Naturvölkern) war es den Heilern und Schamanen aufgetragen, die Geistern und Dämonen, die vermeintlich die Schmerzen auslösen, aus dem Körper der schmerzgeplagten Menschen zu vertreiben. Man erkannte auch früh die schmerzlindernde Wirkung von bestimmten Pflanzen und Drogen, in erster Linie Opium; heute ist oft Morphium das Mittel der Wahl.  

In der Regel kann man die vom Schmerz betroffene Stelle des Körpers lokalisieren, etwa eine Schädigung an der Hand oder am Bein oder – unbestimmter – an der Schulter oder am Rücken. Der Schmerz, so Vadokas, entsteht nicht dort, wo wir ihn fühlen, sondern immer im Gehirn. In vielen Geweben des Organismus liegen Aufnahmeorgane für Schmerzreize, Die Reizung der Schmerzrezeptoren ruft ein Signal hervor, das über Nervenfasern des vegetativen Nervensystems zunächst zum Rückenmark gelangt, ein Abschnitt des Wirbelsystems, der im Wirbelkanal liegt. Vom Rückenmark, der mit dem Gehirn das Zentralnervensystems bildet, werden Überträgerstoffe des Nervensystems ausgeschüttet, die dessen Weiterleitung vermitteln. 

Schmerzsignale von der Körperoberfläche erreichen sehr schnell das Zentralnervensystem und können örtlich genau zugeordnet werden. Wie stark man Schmerz empfindet, ist laut Vadokas individuell unterschiedlich, auch abhängig von der Erfahrungen mit Schmerzen und dem Schmerzgedächtnis. Man sollte einen Schmerz nicht so einfach hinnehmen, ihn aushalten wollen. Wenn man öfter oder gar permanent Schmerzen hat, erhöht sich die Schmerzsensibilisierung, man gewöhnt sich Schonhaltungen an, die den Schmerz befördernde Fehlhaltungen entstehen. lassen  Vadokas riet deshalb: akuten Schmerz immer sofort behandeln und bei chronischen Schmerzen ausloten, was man am besten dagegen tun kann.

Für den Arzt, so Vadokas, geht es zuerst mal um die Anamnese, um die Befragung des Patienten nach der Vorgeschichte und der Bewertung seiner Schmerzempfindung auf einer Schmerzskala von 1 bis 10. ehe zusätzliche Untersuchungsverfahren eingeleitet werden. Die Feststellung der Schmerzcharakteristika gibt Auskunft über die Schmerzart, ob es sich um Gewebeschmerz handelt, Tiefenschmerz oder Entzündungsschmerzen, ob neuropathischer oder psychosomatischer Schmerz. Wichtig ist, ob dem Schmerz ein Krankheitsbild wie Diabetes, Gürtelrose oder Windpocken zugeordnet werden kann, ob feststellbare Organschäden oder keine organische Störung, ob Druck auf Nervenstränge oder chronische Erkrankung der Nervenstränge, oder ob es sich um Verschleißerscheinungen an Muskeln und Bändern handelt.

Bei der Schmerzbekämpfung kommen primar Schmerzmittel zum Einsatz. Hinzu kommen physikalische Therapien, Massagen zum Lösen von Muskelverhärtungen und zur Förderung der Durchblutung, Kältebehandlungen bei Verletzungen und akuten Entzündungen sowie bei Arthrosen und rheumatischen Erkrankungen. Auch Akupunktur erweist sich laut Vadokas häufig erfolgreich bei schmerzhaften Muskelverspannungen, ebenso die (in Bangkok) zertifizierte Thai-Massage. 

In der modernen Schmerztherapie kommt auch die Vibrationstherapie zur Behandlung von Muskel- und Nervenschmerzen in Frage. Dr. Vadokas ist spezialisiert auf neurochirurgische Schmerzeingriffe zur Behandlung von chronischen Schmerzen.Wie er erläuterte, wird bei einer neurochirurgischen Operation  unter der Haut über dem Rückenmark ein kleines elektronisches Gerät implantiert, Es enthält optimal angeordnete Elektroden, die elektrische Impulse abgeben und so eine spezifische gezielte Stimulation der Nerven im Rückenmark erbringen. Diese Stimulationen verringern die Erregungsbereitschaft von Nervenzellen, überlagern die Übertragung von Schmerzsignalen an das Gehirn, lindern also das Schmerzempfinden und ermöglichen so ein schmerzvermindertes und wohl auch aktiveres Leben. 

Fotografisch darstellen, wie die Natur wirklich ist – Roland Schweizers Multivisionsshow von Löwensteiner Bergen und von Island

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Es war wieder ein Highlight im Programm der „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus: Die Multivisonsshow des renommierten Löwensteiner Fotokünstlers Roland Schweizer, von dem es heißt: „Er zeichnet mit seiner Kamera die Landschaften und  vermittelt ein Bild von der Natur, wie sie wirklich ist.“ In jahrzehntelanger Leidenschaft für die Kunst der Fotografie hat er eine Veranstaltungsform „DiaVision in Concert“ zu einem Markenzeichen multimedialer Bildpräsentation entwickelt. Darüber hinaus hat sich Schweizer mit zahlreichen Bildbänden und noch mehr Fotokalendern einen Namen gemacht und große Anerkennung gefunden für seine Arbeiten, die gleichermaßen seine Heimatverbundenheit wie seine Weltoffenheit erkennen lassen.

So galt denn auch der erste Teil von Schweizers Vorführungen Impressionen von den Löwensteiner Bergen und dem Sulmtal. Hier ist er aufgewachsen, in einem kleinen Weingärtnerbetrieb in Löwenstein, wo die Weinberge vor der Flurbereinigung sein Abenteuerspielplatz war, wo er sich nach wie vor wohlfühlt und wo er in der heimischen Natur auch immer wieder noch ein Stück Wildnis entdecken kann. 

Als Betrachter kann man nur schauen und staunen, was Schweizer da für einen Bildreichtum präsentiert, über eine Gegend, die man ja eigentlich zu kennen glaubt. Aber so in der Farbenpracht der Jahreszeiten hat man Rebhänge, Wiesen, Felder und Wälder noch nicht gesehen oder nicht gebührend beachtet, ebenso die harmonische bis spektakuläre Verbindung von Landschaft und Himmel. Immer wieder auch der Breitenauer See aus verschiedener Perspektive, und auch andere Gewässer. Dann die Gemeinden Löwenstein und Obersulm und ihre Ortsteile in der Ferne über der welligen Ebene.  

Schließlich noch eine „Bilderreihe Kindheit“ – eine anscheinend heile Welt von früher auf dem Land, wie sie wohl auch viele „junge Senioren“ erlebt und in Erinnerung haben: Die Oma im Garten, beim Kartoffelschälen, Opa und Enkel auf der Bank und beim Spazierengehen, der alte Schuster in seiner überladenen Werkstatt, Weinlese, Würstchen-Grillen am offenen Feuern, Brot- und Zwiebelkuchen-Backen im Backhäuschen und ihr Transport mit dem Bollerwagen, aber auch Erinnerungen an die Schulzeit, wie sie im Schulmuseum von Weiler lebendig wird.

Gespannt erwarteten die 140 „jungen Senioren“ die zweite Bilderschau nach der Kaffeepause: Schweizers fotografisches Lebensthema ist die Darstellung der möglichst unangetasteten Natur in ihrer atemberaubenden Schönheit der Poesie von Formen und Farben in der Magie des Lichts. Diese Motive findet Schweizer vornehmlich in Island, seiner zweiten Heimat, die er schon mindestens zwei Dutzend mal bereist hat und gerne auf Fotoseminaren vermittelt: Jenes Land aus Feuer und Eis, der Vulkane und Geysire, im äußerten Nordwesten Europas, etwa so groß wie Baden-Württemberg und Bayern zusammen, die jedoch 70mal so viele Einwohner haben wie Island (ca. 350 000). Island entstand vor 25 Millionen Jahre durch vulkanische Aktivität, weil es im Bereich des mittelatlantischen Rückens einer tektonisch aktiven Bruchlinie der europäischen und amerikanischen Kontinentalplatten liegt. Man kann auf dieser Insel, die zu über 90 Prozent aus vulkanischem Ursprung und aus purer Wildnis besteht, erkennen, “wie die Erde entsteht“, so Schweizer. 

Dass Island noch immer noch in Bewegung ist, dem spürte Schweizer in der Bergwelt im Landesinnern nach. Da gibt es den größten Gletscher Europas, größer als alle Alpen-Gletscher zusammen, eine Fläche von der Größe der Mittelmeerinsel Korsika: Vatnajökull („Wassergletscher“). Unter seiner 400 m dicken Eisschicht liegen mehrere  aktive Vulkane. Erdstöße verändern laufend die Struktur der Landschaft. Bei dem Ausbruch des 2000 m hohen Bardabunga 2014, am Nordwestabbruch des Vatnajökull, war Schweizer vor Ort und erhielt als einer von einem knappen Dutzend Personen die Erlaubnis zur Beobachtung dieses imposanten Naturschauspiels aus der Nähe: Frappierende Bilder, wie aus der Glut des  Mittelpunkt der Erde 1000 Grad glühend heiße rote Lava in senkrechter Fontäne hunderte Meter hoch herausgeschleudert werden.. 

In seiner Bilderschau zeigte Schweizer, wie Feuer Schluchten ins Eis gräbt, Eiszapfen und Eisberge, Gletscherseen und zerfurchte Gletscherzungen, Fjorde, Steilküste, Geysire, brodelnde Schlammtöpfe und Dampfquellen. Dann wieder in allen Schattierungen leuchtende wellenförmige Landschaftsformationen, von unzähligen Wasserläufen durchzogen – über 30 hat Schweizer durchquert; Wasserfälle in breiter Front oder in schmaler Schlucht vor schwarzen Basaltsäulen, tosend und schäumend herabstürzend, aber auch eingefrorene Wasserfälle .Urtümliche düstere Schwemmlandschaften, in der sich ein einzelner Mensch verloren ausnimmt, aber auch exotische Vögel in blühender Tundra-Vegetation: isländisches Vulkanland in Herbstfarben und im Winterzauber, unterlegt von schmeichelnder oder dramatischer Musik – der Natur abgelauschte feinfühlige Foto-Kunst im spektakulären Spiel von Farben und Licht, wie sie kein Maler je  hervorbringen kann. Roland Schweizer bildet mit seinem Gefühl für Bilder die Sprache der Natur ab.

Erinnerungen an die 1960er Jahre in Heilbronn – Impressionen von Stadtarchiv-Direktor Prof. Dr. Christhard Schrenk

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Prof.Dr. Christhard Schrenk (Foto: Rolf Gebhardt)

Die 1960er Jahre in Heilbronn. Die allermeisten die zu diesem Thema erschienenen rund 150 „Jungen Senioren“ haben diese Zeit erlebt. Wie war das vor 50/ 60 Jahren? Der Heilbronner Stadtarchiv-Direktor Prof. Dr. Christhard Schrenk berichtete darüber umfassend, detailliert und unterhaltsam im Hans-Rießer-Haus. Übrigens diente das damals neu erbaute Hans-Rießer-Haus ab September 1962 als zentraler Treffpunkt für organisierte und nicht organisierte Jugendliche und trug wesentlich mit zu dem sich entwickelnden neuen Lebensgefühl der Jugend bei.

Wie Schrenk darlegte, nehmen die 1960er Jahre in der Heilbronner Stadtgeschichte eine Art Zwischenstellung ein. „Sie bilden den Übergang von der Wiederaufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg zur Großstadt“. Konkret markierte dies Schrenk an drei Faktoren: So trat 1967 mit Paul Meyle der prägende Nachkriegs-Oberbürgermeister in den Ruhestand. Auf ihn folgte Dr. Hans Hoffmann, vormals Bürgermeister von Neckarsulm, der zwar 50,6 % der Stimmen bei der Wahl am 26. Juni 1966 erhielt, die jedoch wegen Formfehler für ungültig erklärt wurde, und erst bei der Neuwahl am 21. Mai 1967 mit 57 % „richtig“ gewählt wurde. Zum anderen erhielt das Heilbronner Wahrzeichen Kilianskirche am 1. Dezember 1968 den in großen Teilen kriegszerstörten und nun nachgeschnitzten Seyfer-Hochaltar (anstatt eines von Dekan Dr. Siegel favorisierten „modernen“ Altars) zurück, was als Symbol für den Abschluss des Wiederaufbaus angesehen wurde. Allerdings spürte die Heilbronner Bevölkerung nach dem „Wirtschaftswunder“ 1967 erstmals einen konjunkturellen Einbruch, doch alsbald kehrte der ökonomische Optimismus wieder zurück.

In den 1960er Jahren erlebte die Heilbronner Industrie laut Schrenk eine Blütezeit.Immer mehr Betriebe siedelten sich im Industriegebiet Neckar entlang der Austraße und rund um das Salzwerk an. Um mehr Platz für die expandierende Industrie zu schaffen, gab es Pläne, den Neckar in Richtung Norden einige Kilometer weiter westlich fließen zu lassen. Da gleichzeitig der Bau eiern Autobahn-Brücke über den Neckar anstand,ließ man die jetzige – neu- bzw. umgebaute – extrem lange Brücke errichten, um den Eventualitäten zu genügen. Es war auch die Zeit, als als der Handelskonzern Gustav Lichdi mit seinen vielen Filialen die Tante-Emma-Läden ablöste. Rasanten Zuwachs ergab sich auch für den Verkehrsfluss, so  dass an der Allee erste Ampeln eingerichtet wurden; die Zahl der Kraftfahrzeugzulassungen stieg 1967 auf über 25 000.

Schrenk berichtete auch über großes Aufsehen erregende Randerscheinungen. Da war 1961 der Mordfall Trümpy: Der Italiener Enrico Trümpy hatte seine Ehefrau, die  nicht in eine Scheidung einwilligen wollte, umgebracht und die Leiche in kleine Stücke zersägt. Dann der „Spätzles-Krieg. ausgelöst von einem Leserbrief im März 1965 in der Heilbronner Stimme, in dem es hieß: „Daß es in Schwaben ein Mehlteiggericht gibt, dass ebenso unappetitlich aussieht wie es mundet… das Letzte für jeden Feinschmecker-Gaumen.“ Das empörte die Volksseele und führte zu massiven Reaktionen, an die 200 weitere Leserbriefe und Veröffentlichungen darüber in der überregionalen Presse bis hin zum „Spiegel“. Große Empörung gab es im gleichen Jahr auch wegen des Kunstwerks von Dieter Läpple, die Kathchen-Figur am Kathchen-Brunnen: die Skulptur sei eine Beleidigung für alle Heilbronner Frauen.

Die Heilbronner Kulturszene entwickelte sich erfreulich. Das kleine Theater hatte seine Heimstätte im Gewerkschaftshaus. Das Musikleben gedieh. Neben verschiedenen Konzertchören gab es zwei gut besucht Orchester, das Heilbronner Sinfonie-Orchester und das Württembergische Kammerorchester, um die sich ein kommunalpolitischer  Streit wegen der städtischen Förderung entzündete. In den 60er Jahren begann auch der Ausbau des Deutschhofs zum neuen  Kulturzentrum mit Stadtbibliothek; im November 1967 wurde das Gewölbe zum Jugendkeller umgebaut. Enzo Pressutti machte 1962 über seinem Eiscafé am Kiliansplatz ein Tanzlokal auf.  Laut Schrenk gab es damals in Heilbronn rund 30 Kellerclubs und Jazzkeller. 

Die Jugend gewann an Gewicht. Die Gaffenberg-Freizeiten erfreuen sich großer Beliebtheit, wurden selbst von Kindern aus der neuen Partnerstadt Beziers wahrgenommen. Im Sport wurde Heilbronn (nicht nur) durch den mehrfachen Weltmeister Karl-Heinz Losch zur Rollkunstlauf-Hochburg. Die Heilbronner Gymnasien wurden ausgebaut.1961 entstand die Staatliche Ingenieurschule Heilbonn (die 1971 zur Fachhochschule wurde). Da konnte Heilbronn auch nicht unberührt bleiben von den wilden 68ern. Es kam zu radikalen Schulaktionen, Aufbegehren gegen die Elterngeneration und gegen politisches Geschehen. Die Frauenmode ging vom Rock über Minirock zu Hosenanzug und Jeans.

Zum 1. Januar 1970 wurde Heilbronn zur Großstadt, dank der Eingemeindung von Klingenberg. Aber die 100 000-Einwohnerzahl stand sowieso bevor. Nicht zum Zuge kam der ehrgeizige Plan von OB Hoffmann,. aus Heilbronn ein Stadtgebilde entlang des Neckars von Lauffen bis Neckarelz zu machen, andererseits aber auch nicht die Auflösung des Stadtkreises Heilbronn in einem vergrößerten Landkreis Heilbronn.

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ – Prälat Harald Stumpf erklärt die Jahreslosung – und sein Ausscheiden

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Prälat Harald Stumpf (Foto: Ralf Gebhardt)

In christlichen Kreisen ist es guter Brauch, sich mit der Jahreslosung zu befassen. Das taten auch die „Jungen Senioren“ auf ihrer ersten Veranstaltung in neuen Jahr, traditionell mit dem Heilbronner Prälaten. Harald Stumpf ging erst einmal auf die Entstehung der Jahreslosung ein. Sie gibt es seit 90 Jahren. 1930 wurde sie erstmals von dem Stuttgarter Pfarrer und Liederdichter Otto Riethmüller (1889-1938) herausgegeben: „Ich schäme mich des Evangeliums von Jesus Christus nicht.“ (Röm. 1 16a) Diesen Bibelvers hatte er gewählt in Absprache mit dem Dachverband der Evangelischen Jungmännerbünde (Vorläufer des CVJM). Seit 1928 war Riethmüller Leiter des Evangelischen Reichsverbands weiblicher Jugend in Berlin-Dahlem und wurde 1935 Vorsitzender der Jugendkammer der Bekennenden Kirche, die sich gegen die Gleichschaltung durch das Nazi-Regime wehrte. Unter Riethmüllers Vorsitz wurde auch das Kreuz auf der Weltkugel als Symbol für die Evangelische Jugend festgelegt- heute auch noch über dem Eingang zum Hans-Rießer-Haus sichtbar. Wie Prälat Stumpf weiter erläuterte, werden die Jahreslosungen seit 1960 von einer  Ökumenischen Kommission jeweils für vier Jahre im voraus festgelegt.

Stumpf meinte, wir könnten auch noch beschwingt in das neuen Jahrzehnt der 20er Jahre gehen mit der Jahreslosung von 2019 „Suche Frieden und jage ihm nach!“ Aber auch die Jahreslosung 2020 ist wegweisend: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9, 24)  Was hat es mit dieser Aussage auf sich. Stumpf zitierte dazu aus seinem Neujahrsbrief, der an Gesprächspartner und  Wegbegleiter in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, an Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Mitarbeitende in Kirche und Diakonie ging:

„Vertrauen ist ein großes Geschenk. Bei vielen Gesprächen mit Verantwortungsträgern in meiner Prälatur im Rahmen der Bezirksvisitationen oder bei Beratungs- und Konfliktgesprächen in den Kirchengemeinden habe ich das ganz beglückend erlebt. 

Die Jahreslosung erschließt sich nur aus ihrem Zusammenhang der  Heilungsgeschichte, der sie entnommen ist:  Der Vater eines behinderten Sohnes hat von Jesus und seinen Heilungen gehört. Er macht sich auf den Weg zu ihm, trifft Jesus aber nicht persönlich an, sondern nur seine Jünger. Er hofft, dass auch die ihm helfen können. Aber seine Hoffnung wird enttäuscht. Die Jünger können seinem Sohn nicht helfen. Da kommt Jesus. Der frustrierte Vater überfällt Jesus mit einem Redeschwall und erzählt im alles. Jesus schimpft mit seinen Jüngern und nennt sie ein ;ungläubiges Geschlecht‘. Dann erst wendet er sich dm behinderten Kind zu, das gerade einen Anfall hat. Der verzweifelte Vater fragt Jesus: ,Wenn du etwas kannst, so erbarme dich unser und  hilf uns!‘ Aber Jesus hilft immer noch nicht, sondern sagt nur. ;Alle Ding sind möglich dem, der glaubt.‘ Das bringt den Vater vollends zur Verzweiflung. Sein Glaube ist ihm zwar verloren gegangen, aber er will dennoch weiter daran glauben, dass Jesus ihm und seinem Sohn hilft. Er ist hin- und hergerissen und schreit diesen paradoxen Satz „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!‘ Und dann geschieht es. Jesus hilft dem Sohn und hilft so auch dem verzweifelten Vater. … Der ungläubige Glaube hat nicht vergeblich geglaubt.“

Prälat Stumpf bekräftigt, dass unser Glaube kein fester Besitz ist, das auch Zweifel dazugehören. Er belebte seine Ausführungen mit von den „Jungen Senioren“ gemeinsam gesungenen (von einem befreundeten Dekan) neu gedichteten alten Kirchenlied („Auf dem Weg in neue Zeiten…. “), am Klavier begleitet von Stumpfs Frau Annette, sowie einem modifizierten Segensgebet aus dem 4. Jahrhundert und dem Vaterunser. 

Nach der Kaffeepause stellte sich Stumpf Fragen zur Prälatur und Landeskirche. Dabei verdeutlichte er, dass er als Prälat nicht Dienstvorgesetzter für die 14 Dekanate des Sprengels ist, sondern als Regionalbischof in erster Linie Seelsorger ist und bei Visitationen und Pfarrstellenbesetzungen in den 380 Kirchengemeinden mitwirkt. Neben der Prälatur Heilbronn gibt es in der Württembergischen Landeskirche drei weitere Prälaturen – Stuttgart, Reutlingen und Ulm. Die vier Prälaten sind Mitglieder im Oberkirchenrat, dem unter Vorsitz des Landesbischofs noch acht Dezernenten sowie der Leiter des diakonischen Werks angehören. 

Stumpf machte noch eine Mitteilung, die die „Jungen Senioren“als erste erfuhren: Er habe, 62jährig, den Antrag auf vorzeitigen Ruhestand gestellt, der von der Kirchenverwaltung am Freitag (10. Januar) genehmigt worden sei, so dass er zur Jahresmitte nach achteinhalb Jahren aus dem Amt ausscheide: „Die Würde ist auch eine Bürde“, auch aus gesundheitlichen Gründen, und um sich mehr seiner Familie (vier Kinder, sechs Enkelkindern) widmen zu können, Gleichzeitig sei auch bereits der neue Heilbronner Prälat bestimmt: Der („zupackende“) Nagolder Dekan Ralf Albrecht, seit 2008 Vorsitzender der pietistischen „Christusbewegung Lebendige Gemeinde“ und als LG-Landessynodaler Vorsitzender des landeskirchlichen Gesprächskreises Lebendige Gemeinde; der Prälat ist gleichzeitig auch Prediger an der Heilbronner Kilianskirche.