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Im Alter wächst die Gefahr des Knochenschwunds – Orthopäde Dr. Jan Bachmann über Ursachen und Therapie von Osteoporose

2014-10-27_15akl

Dr. Jan Bachmann (Foto: Rolf Gebhardt)

Der frühere Bundespräsident Roman Herzog war um seinen 80. Geburtstag davon betroffen und weiterhin sind es mindestens 2,5 Millionen Frauen über 50 und bestimmt eine Million Männer in Deutschland: von Osteoporose – in der Umgangssprache Knochenschwund. Über Ursachen und Therapiemöglichkeiten referierte der Orthopäde Dr. Jan Bachmann, niedergelassener Facharzt in Heilbronn, im Hans-Rießer-Haus bei den „Jungen Senioren“.

Dass dieses Veranstaltung einen Rekordbesuch von über 130 Besucher/innen erlebte, liegt daran, dass diese Krankheit insbesondere ältere Personen betrifft, vor allem Frauen nach den Wechseljahren, denn nach Aufhören der Regelblutung, wenn der Hormonschutz wegfällt, kommt es zu einer rapiden Abnahme der Muskelmasse (um 15 bis 20 Prozent), mit der Gefahr der Osteoporose. Aber auch ältere Männer sind durchaus dagegen nicht gefeit, besonders nach einer Prostata-Operationen. Wie Bachmann erklärte, sterben nun einmal mit zunehmendem Alter Muskelfasern ab und schwächen den Knochen, deren Innen- und Außenschicht brüchiger wird, ihre mechanische Belastbarkeit verringert sich, so dass sich das Sturz-Risiko erhöht –  mit der Folge von Frakturen, also Knochenbrüchen, zumeist Wirbelfrakturen und Oberschenkelhalsbrüchen.

Knochen  sind schließlich keine trockene Materie. Sie werden durchblutet, und in ihrem Inneren findet ständig ein Umbau statt, aber nur, wenn die Knochen ausreichend bewegt und versorgt werden. „Bewegte Muskeln halten Knochen fit“, so Bachmann. Osteoblasten bauen Knochen auf, Osteoklasten bauen Knochensubstanz ab, und dies überwiegt im Alter. Als Baustoffe brauchen Knochen und Muskeln Kalzium, und um Kalzium einzubauen gehört Vitamin D dazu, das von der Haut auf natürlichem Wege in der Sonne gebildet wird. Kalzium braucht der Muskel für die Kontraktion, das Blut zum Gerinnen. Sinkt der Kalziumspiegel im Blut, muss der Knochen das stabilisierende Mineral hergeben. Ein solches Absinken des Kalziumdepots im Knochen führt am ehesten zur Osteoporose.

Wen kann Osteoporose am ehesten erwischen? Laut Bachmann sind Warnsignale,  wenn Mutter oder Vater schon mal eine Hüftfraktur hatten, bei Untergewicht oder nach Diäten, wenn das Kalziumpolster aufgezehrt wird, bei Menschen mit Immobilität, Herzinsuffizienz oder auch höhergradiger Niereninsuffizienz, chronischer Hyponatriämie (erniedrigter Natriumspiegel), Altersdiabetes oder Schilddrüsenüberfunktion – generell bei latenter Sturzneigung. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente wie Betablocker und Schlafmittel begünstigen die Entwicklung zum Muskel- und Knochenschwund. Feststellen lässt sich das in der Laborkontrolle (Blutbild), exakter mit gezielten Röntgenaufnahmen und per Knochendichtemessung. Augenscheinlich ist eine Osteoporose, wenn Wirbelkörperverformungen, zu einer Verkürzung des Oberkörpers gekommen ist, der sogenannte Witwenbuckel bei älteren Frauen, verbunden mit akuten Rückenschmerzen.

Auf  jeden Fall sollte man es nicht auf einen ersten Sturzbuch ankommen lassen, sagte Bachmann. „Das ist ein Meilenstein“. Ein gebrochener Knochen kann in gewisser Zeit zwar unter günstigen Bedingungen durchaus wieder zusammenwachsen und belastbar sein wie vorher, doch die Wiederholungsgefahr eines Osteoporose-bedingten Sturzes und Knochenbruchs  besteht, das Risiko der Bewegungseinschränkung wächst, die Rekonvaleszenz wird schwieriger.

Vorbeugung ist also angesagt. Und das bedeutet, so Bachmann, Bewegung, am besten sportliche; „gehen Sie raus aus dem Haus“, denn Bewegung stärkt die Knochen und schützt sie besser vor Brüchigkeit als Medikamente. Wichtig ist die Versorgung von Muskeln und Knochen mit Kalzium, „1000 Milligramm pro Tag sind vonnöten“, meinte Bachmann, und die bekommt man unter anderem mit einem Liter guten Mineralwasser plus Käse , Quark und anderen Milchprodukten. Die Therapie bietet auch geeignete Arzneimittel. An erster Stelle nannte Bachmann in seinem gut verständlichen Vortrag Bisphosphonate: Wirkstoffe , die die knochenabbauenden Zellen wirksam hemmen und damit die Kalzium-Freisetzung aus dem Knochen vermindern, damit das Frakturrisiko und Schmerzen. Bewegungsmangel und Mangelernährung sind – neben auslösenden Krankheiten – die entscheidenden Ursachen für die zur Volkskrankheit werdenden Osteoporose., so Bachmann.

Bestes Heilmittel gegen Rückenschmerzen ist Bewegung – Dr. Jürgen Kußmann klärt auf, wie man dem Verschleißprozess entgegen wirkt

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(Foto: Rolf Gebhardt)

Das Kreuz mit dem Kreuz: Rückenschmerzen hat fast jede und jeder mal, vielfach auch chronisch. Über das Leiden mit Wirbelsäule und Bandscheiben informierte die „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus Dr. Jürgen Kußmann. Er ist Arzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Notfallmedizin, Chirotherapie, Physikalische Therapie und Sozialmedizin. 25 Jahre lang war er an Orthopadie-Kliniken tätig, wo er „kaputte Knochen repariert“ hat, und seit einigen Jahren im Reha-Bereich, derzeit ärztlicher Leiter für ambulante orthopädische Rehabilitation bei Meyer Training und Therapie in Untergruppenbach.
Fehlhaltung und Rundrücken müssen nicht unbedingt weh tun, meinte Kußmann einleitend. Andererseits lassen sich Schmerzen an Schulter und Rücken nicht immer exakt auf körperliche Ursachen zurückführen, mitunter würde da viel reinprojiziert. Vielfach bestünde eine Wechselwirkung zwischen körperlichen und seelischen Leiden. „Da kann es sein, dass Ihnen bei Stress und in depressiven Phasen das Kreuz und sonst noch alles weh tun, und nach Trauer- oder Problembewältigung, wenn sie gut drauf sind, spüren Sie nichts mehr.“
Häufig sind Rückenschmerzen jedoch echt und nachweisbar. Das hängt nun einmal zusammen mit der Wirbelsäule, die das Rückenmark umschließt und schützt, ein bewegliches gekrümmtes Achsenskelett, das den Oberkörper stabilisiert und im Rücken stützt, den Kopf trägt und Beine mit Schultern und Armen verbindet. Dr. Kußmann zeigte dies plausibel und anschaulich an bildhaften Darstellungen auf. Unsere 24 Wirbel im Hals-, Brust- und Lendenbereich sind untereinander verbunden mit Wirbelgelenken, an denen Bänder und Muskeln hängen, die für Beweglichkeit sorgen. Die Wirbel werden gut gepolstert durch Bandscheiben, mit Wasser gefüllte etwa fünf Millimeter dicke Puffer, die jeden Stoß oder Druck bei Bewegen oder Gehen abfedern.
Diese elastischen Verbindungsschienen zwischen zwei Wirbeln bestehen aus einem faserigen Ring und einem gallertartigen Kern. Doch die Krux ist, dass die Bandscheiben im Laufe des Lebens, spätestens ab dem 30. Lebensjahr immer mehr austrocknen und Stöße nicht mehr so gut abfedern; die Elastizität der Wirbelsäule geht allmählich verloren. Der mit dem Alter zunehmende Verschleißprozess mit Abnutzungserscheinungen muss also nicht zwangsläufig krankhaft bedingt sein, kann jedoch zu einer zusätzlichen Belastung der Wirbelkörper führen, so dass Wirbelsäulen-Beschwerden auftreten, Rückenschmerzen, die durch Muskelverspannungen noch verstärkt werden.
Zu einer meist schlagartig auftretenden, sehr schmerzhaften Erkrankung kommt es bei einem Bandscheibenvorfall, wenn also die Bandscheibe rausspringt, der gallertartige Kern nach außen drückt und die umliegenden Nerven reizt oder sie gar entzündet.und mitunter auch das Rückenmark schädigt. Es kommt zu starken Rückenschmerzen mit Auswirkungen auf auf Spinalnervenwurzeln, oft verbunden mit Gefühlsstörungen bis hin zu Lähmungen, Versagen der Muskelsteuerung. Exakt lassen sich die Ursachen feststellen durch Aufnahmeverfahren wie Computertomographie oder – nicht durch Strahlen belastet – mit neuer Kernspin- oder auch Magnetresonanztomographie.Bei fortschreitenden Lähmungserscheinungen ist eine schnelle Bandscheibenoperation erforderlich, um bleibende Schäden zu verhindern. Doch soweit muss es nicht kommen,meint Dr. Kußmann- Als Osteopath sucht er die Krankheit nicht nur im Knochenleiden, sondern im Wissen um das funktionierende Zusammenspiel von Bindegewebe, Muskeln, Organen, Knochen und Gelenken kann er mit den Händen Verspannungen und Blockaden auflösen. Wenn schon Knochenschwund vorliegt, also die bei Frauen nach den Wechseljahren relativ schnell fortschreitende Osteoporose mit Rückenschmerzen aufgrund von Wirbelkörperverformungen, ist eine Therapie angesagt mit Bädern und Krankengymnastik, am besten Wassergymnastik.
Dr. Kußman ist überzeugt: „Man kann seine Wirbelsäule sein ganzes Leben lang elastisch halten, indem man sich recht viel bewegt,“ gemäß dem Grundsatz, „Vorbeugen ist besser als Leiden“. Er empfiehlt sowohl Ausdauertraining, regelmäßiges Joggen oder (Nordic)Walken, als auch Muskelaufbau durch Gymnastik oder an Geräten. „Es geht um Durchsaftung der Gelenkschmiere.“ Bis ins hohe Alter und auch bei Beschwerden könne man so etwas für Fitness und Gesundheit tun.

Die Neugier ist dem Menschen angeboren….und sollte bis ins hohe Alter gestärkt werden, so Prof. Daniel Zimprich.

Veranstaltung vom 14. Oktober 2013

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Ein volles Hans-Rießer-Haus zur Eröffnung der neuen Reihe der „Jungen Senioren“ (Foto: Rolf Gebhardt)

Neugierig auf die neue Programmreihe 2012/14 der „Jungen Senioren Heilbronn“ waren rund 120 Zuhörer/innen ins Hans-Rießer-Haus gekommen, um die Startveranstaltung zum 25jährigen Bestehen dieser Institution zu erleben – vor der Kulisse einer Sonderausstellung der Diakonie mit einem Dutzend Info-Wänden über Probleme, Anliegen und Ziele unserer alternden Gesellschaft. In der Begrüßung würdigte der evangelische Heilbronner Dekan Otto Friedrich das im Herbst 1988 entwickelte und erfolgreich fortgeführte Format einer Art „Senioren-Akademie“, deren Angebot und Anspruch deutlich über das hinausgehe, was üblicherweise der älteren Generation zugemutet werde – und das mit großer Resonanz und Nachhaltigkeit Der Heilbronner Kulturbürgermeister Harry Mergel lobte in einem Grußwort das anspruchsvolle Bildungsprogramm der „Jungen Senioren“, das zudem auch mit der Möglichkeit von Begegnungen und Gesprächsaustausch am Kaffeetisch der drohenden neuen Altersvolkskrankheit Einsamkeit entgegenwirke. Hier werde für Heilbronner Senioren eine wichtiges Forum zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben geboten.

Zu dieser Prämisse passte das Thema des ersten Nachmittags: „Rettet die Neugier im Alter“, das der Referent Prof. Dr. Daniel Zimprich von der Uni Ulm als „eine entwicklungspsychologische Anstiftung“ verstand. Neugier ist – obwohl allgegenwärtig – nach Erkenntnis des Gerontologen und Entwicklungspsychologen ein stiefmütterlicher Forschungsbereich, den er mit der Darstellung zahlreicher Test- und Vergleichsuntersuchungen aus dem Schattendasein herauszuholen versuchte. Da Neugier oft mit Schaulust und Sensationsgier gleichgesetzt werde, sprach er von der Janusköpfigkeit der Neugier, der schlechten und der guten , der Curiositas und der Studiositas, und er zeigte im Diagramm unterschiedliche Determinanten der Neugier auf.

Ist Neugier ein Trieb, der einen unangenehmen Zustand – Erregung – auslöst und der beseitigt werden muss? Wird Neugier – wie Angst – durch die Umwelt induziert? Aus psychologischer Sicht, so der Professor, werde Neugier als Inkongruenz zwischen Erwartung und Erfahrung betrachtet,.als menschliches Streben, die Welt zu verstehen. Neugier resultiere aus Informationslücken, zu deren Wahrnehmung jedoch Vorwissen vonnöten sei. Nach US-amerikanischen Studien sei Neugier ein Persönlichkeitsmerkmal, zeitlich überdauernd, situationsübergreifend, Offenheit für neue Erfahrungen und typisches intellektuelles Interesse beinhaltend. Nachgewiesenermaßen nehme Neugier für die Schulleistung den gleich hohen Rang ein wie Intelligenz. Neugier, so Zimprich, habe also positive Auswirkungen auf Schulleistung und Persönlichkeitsbildung. Da Neugier ein typisch intellektuelles Engagement beinhalte, korreliere dies auch mit Erfindungsreichtum. Da blieb es nicht aus, dass Prof. Zimprich an die Zuhörerschaft appelliert, offen zu sein für neue Erfahrungen, auch wenn diese Tendenz im höheren Alter abnimmt. Neugier werde vor allem hervorgerufen durch Unerwartetes, Überraschendes oder Paradoxes. Um Neugier zu wecken und zu stärken, solle man den Vorrat an Vorwissen aufstocken. Auch im fortgeschrittenen Alter – „die Menschen werden immer älter und bleiben länger gesund“ könne man sich im Sinne lebenslangem Lernens fortbilden. Man solle viel lesen und möglichst auch recherchieren, ob herkömmlich im Brockhaus oder heute noch besser über neue Medien, im Internet, etwa bei Wikipedia.

Und bei Wikipedia findet man unter dem Begriff Neugier als erste Erklärung: „Neugier ist das als Reiz auftretende Verlangen, Neues zu erfahren und insbesondere Verborgenes kennenzulernen.“So wurde auch in der Diskussion erörtert, dass der Mensch mit Neugier auf die Welt kommt, dass die Neugierde, die Welt zur erforschen und zu verstehen, uns angeboren ist und deshalb wohl auch bis ins hohe Alter erhalten bleibt. Dieser natürliche Drang werde auch von der Konsumwirtschaft über die Werbung ausgenutzt, mit immer raffinierteren Methoden. Dem Neugier-Prinzip entspreche andererseits auch der Aufbau von Kriminalromanen, in dem der Leser mit einem Spannungsbogen bis zuletzt gefesselt werde, um schließlich die Lösung zu erfahren – wie ja auch bei Rätseln. Prof. Zimprich konnte da die ältere Generation nur ermuntern, wach und offen zu bleiben und am besten mit Gleichgesinnten und in Gemeinschaft sich um Neues zu bemühen – wie im Forum der „Jungen Senioren“, deren Wahlspruch ja heißt „Wissenswertes weitergeben“.

25 Jahre „Junge Senioren Heilbronn“

Anspruchsvolles Bildungsprogramm für Menschen jenseits des Berufslebens

Die „Jungen Senioren Heilbronn“ können zu Beginn der neuen Veranstaltungsreihe 2013/14 auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken. Es war Lothar Späth, der eigentlich Pate stand für die Gründung. Auf einem Demografie-Kongress 1988 in Stuttgart betonte der baden-württembergische Ministerpräsident den demografischen Wandel und forderte Konsequenzen aus dieser Entwicklung. Als Vorstandsmitglied des Kreisseniorenrats Heilbronn fühlte ich mich angesprochen, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass damals bei vielen Unternehmen eine Welle der Frühverrentung lief. Da wurden viele Menschen vom Arbeitsprozess freigestellt, die noch nicht das 60.Lebensjahr erreicht hatten, die berufserfahren, leistungsfähig und gesund waren und plötzlich aus dem Erwerbsleben ausgeschieden (worden) waren, eine entscheidende Lebensbasis verloren hatten. Eine neue Herausforderung für alle Institutionen, die mit Altenarbeit befasst waren, neue Formen für diese „jungen Alten“ zu finden und anzubieten.

Wir in Heilbronn entschieden uns für die Bildung eines neuen Programms, das Bildungsangebot mit Begegnungsmöglichkeiten verbinden sollte. Uns schwebte eine Art „Senioren-Akademie“ vor, doch da dieser Name schon besetzt war, einigten wir uns auf den Begriff „Junge Senioren“. Mit Schwung machten wir uns an die Arbeit. Zu den Pionieren gehörten Pfarrer Pfister und seine in der Evangelischen Frauenarbeit engagierte Frau Elisabeth, die noch heute dabei ist, Dr. Bauspieß und Frau, Landgerichtspräsident Lindenmaier, Gymnasialdirektor Harsch und nicht zuletzt Dekan Gerhard Simpfendörfer, der bald darauf auch Vorsitzender des Kreisseniorenrats wurde und mit das Seniorenbüro und „Verein Senioren für andere“ aus der Taufe hob. Neben dem Diakonischen Werk kamen die Evangelische Frauenarbeit und die Evangelische Erwachsenenbildung mit ins Boot. Allerdings war uns von Anfang an klar, dass es keine evangelisch-kirchliche Einrichtung sein sollte, sondern dass das Angebot offen stehen solle für „junge Senioren“. Ein Beirat kümmert sich um die Ausgestaltung des Programms – ein Angebot über das „Winterhalbjahr“ von Mitte Oktober bis zumindest Ende April. Durchweg an jedem Montag eine Veranstaltung um 14.30 Uhr im Hans-Rießer-Haus mit einem knapp einstündigen Vortrag, dann Kaffeepause, um ins Gespräch zu kommen, und danach Diskussion mit dem Referenten. Zur Deckung der Kosten für Referenten sowie für Kaffee und Gebäck wurde und wird jeweils ein Eintrittsbeitrag erhoben.

Im Oktober 1988 fand also die erste Veranstaltung der „Jungen Senioren Heilbronn“ statt. Schon der erste Nachmittag bestätigte uns, was wir erhofft hatten: Viele „Senioren“ und auch bekannte Personen aus Kirche und Gesellschaft waren zu der Veranstaltung ins Hans-Rießer-Haus gekommen und bestärkten uns, mit unserem Programm auf einem richtigen Weg zu sein. Viele Referenten, die mal bei uns waren, zeigten sich gerne bereit, ein nächstes Mal wieder mit einem anderen Thema anzutreten. Und auch die Honorarwünsche hielten sich durchweg im Rahmen. Mitunter verzichten sie auf ein festes Honorar, und die „Entlohnung“ erfolgt dann mit einem Buchgutschein oder einem Weinpräsent,,und traditionellerweise bekommt jeder Referent auf jeden Fall ein Rose als symbolische Geste des Dankes. In den ersten Jahren hatten wir pro Veranstaltung durchschnittlich 30 bis 40Besucher,nach zehn Jahren 40 bis 60 Besucher und in den letzten fünf Jahren hatten wir durchschnittlich jeden Nachmittag 70 bis 90 Besucher, bei besonderen „Ausreißern“ – etwa einem allgemein interessierenden wichtigen Gesundheitsthema – auch schon um die 150, womit wir platz- und organisationsmäßig wirklich an Grenzen stießen. Natürlich freuen wir uns, dass sich ein besonders treuer Stamm von vielleicht zwei Dutzend Besuchern eingestellt hat, für die es einfach zum Wochenverlauf gehört, bei den „Jungen Senioren“ zu seine; mitunter haben sich durch solche Begegnungen auch Freundschaften ergeben. Generell aber dürfte das Thema entscheidend sein. Zweimal müssen wir allerdings ausweichen aus dem großen Hans-Rießer-Saal, wenn im Hans-Rießer-Haus im Rahmen des Heilbronner Pferdemarktes ein großer Flohmarkt vorbereitet und abgehalten wird. Dann laden wir zu Exkursionen und Besichtigungen ein, in etwa in Museen oder Kirchen oder auch in der Natur. Das Jahresprogramm wird in einem weit verbreiteten Flyer bekanntgegeben, jedesmal vorher auch in der „Heilbronner Stimme“ mit einem kurzen Ankündigungstext und im Terminkalender bekannt gegeben. Seit Jahren bieten wir auch den besonderen Service, dass über alle Veranstaltungen auf unserer Homepage „www-junge-senioren-heilbronn.de“ ein jeweils gleich langer Bericht mit einem Referenten oder einem thematischen Bild eingestellt wird. Gelegentlich wird ein solcher Bericht auch in der „Heilbronner Stimme“ auf der Seniorenseite veröffentlicht. Zu Beginn des neuen Semesters erscheint eine Broschüre mit den zusammengefassten Berichten über die Veranstaltungen des vorangegangenen Programms nebst Vorschau. So verfügen wir über eine ansehnliche Dokumentation der Veranstaltungen und Themen, auf die immer wieder gerne zurück gegriffen wird. Nicht zuletzt deswegen wird uns „Jungen Senioren“ von kompetenter Seite – von Bildungsforschern– bescheinigt, dass wir ein anspruchsvolles Programm bieten und in punkto Erwachsenenbildung für Senioren in Deutschland eine Spitzenposition einnehmen.

Richard Siemiatkowski-Werner                                                                                                     Stellv. Geschäftsführer / Leiter Altenarbeit, Diakonisches Werk Heilbronn

 

Gesellschaftliche Herausforderungen des Alters – Mit ehrenamtlichem Engagement Lebens- und Berufserfahrung einbringen

Veranstaltung vom 10. Dezember 2012

Foto: (c) IStock

Foto: (c) IStock

Höre nie auf, anzufangen, etwas Neues zu lernen und höre nie auf, zu lernen.“ Diesen Rat gab die stellvertretende Vorsitzende des Landesseniorenrats Baden-Württemberg, Eva Balz, den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus mit, um sich den „gesellschaftlichen Herausforderungen im Alter“ zu stellen. Eva Balz, jetzt wohnhaft und mit vielen Aktivitäten vernetzt in „LE“ (Leinfelden-Echterdingen), stammt „aus einem musikalischen Pfarrerhaushalt in Heilbronn“. Ihr Vater, Pfarrer Erwin Schwab, war seinerzeit eine Institution in Böckingen.

Der Landesseniorenrat, dem 33 Verbände und Organisationen (u.a. Diakonie, Caritas, VDK, AWO, Deutsches Rotes Kreuz, Volkshochschulverband, Landessportverband, Schwäbischer Turnerbund)  angeschlossen sind, vertritt 2,6 Millionen Bürger über 60 Jahre in Baden-Württemberg, also ein Viertel der Bewohner des Landes mit ihren Interessen und Belangen, Sorgen und Nöten, ist Anwalt  ihrer Anliegen gegenüber der Landesregierung, „wo wir immer ein offenes Ohr finden“, erklärte Balz einleitend. „Wir werden in Stuttgart ernst genommen und bei allen Gesetzesvorhaben, die die ältere Generation direkt betreffen, mit eingebunden“. So etwa beim Pflegeheimbauordnungsgesetz, wo der Landesseniorenrat darauf gedrängt habe, dass sich in den Pflegeheimen der Ein-Bett-Zimmer-Standard durchsetzt,  „um weitere Voraussetzungen zu schaffen, in Würde alt zu werden.“

Balz bekräftigte, dem demografischen Wandel müsse auf allen Feldern konsequent Rechnung getragen werden. Entscheidend für die Gesellschaft sei nicht nur, dass die Lebenserwartung und damit auch die Zahl der Älteren, Alten und Betagten laufend steige, sondern dass die Menschen gesünder und vitaler älter werden. Deshalb gelte es, die Potenziale und Chancen der Menschen auch nach dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben verstärkt zu nutzen. Sie könnten wertvolle Berufs- und Lebenserfahrung einbringen. Da komme es auf jeden Einzelnen an, sagte Balz. Sie wolle dabei  nicht dem Landesprojekt „Langlebigkeit verpflichtet“ das Wort reden, denn Freiwilligkeit im Engagement habe Priorität. Doch was das bürgerschaftliche Engagement betreffe, da nehme Baden-Württemberg einen Spitzenplatz ein, denn die Hälfte der Senioren betätigten sich ehrenamtlich.

Balz betonte, dass es für die Ehrenamtlichen nicht nur darum geht, selbstlos etwas Gutes zu tun, sondern sie wollen der Gesellschaft etwas zurück geben, was sie selbst in ihrem Leben an Positiven erfahren haben. „Wer sich mit seinen Gaben ehrenamtlich einbringt, gewinnt Selbstvertrauen und erwirbt neue soziale Kontakte“, erklärte Balz und erläuterte zahlreiche Betätigungsfelder aus ihrem Wirkungskreis LE speziell in der Seniorenarbeit und Generationen übergreifenden Aktivitäten.

Der Moderator des Nachmittags konnte der Landesseniorenrat-Vizechefin kund tun, dass auch in Heilbronn die ältere Generation in puncto Engagement gut aufgestellt ist. So gibt es nicht nur einen aktiven Kreisseniorenrat, sondern auch ein „Forum Ehrenamt“, dem 55 Vereine und Institutionen angehören, und das am „Tag des Ehrenamtes“ am 5. Dezember im „Haus der Wirtschaft“ eine eindrucksvolle Jubiläumsveranstaltung durchführte. Und da gibt es seit 20 Jahren auch den Verein „Senioren für andere“ (Seniorenbüro) mit zwei Dutzend Arbeitskreisen.

Nicht zuletzt gibt es ja die „Jungen Senioren“, eine Gruppierung, die sich als „Seniorenakademie“ versteht und mit 25 anspruchsvollen Veranstaltungen im Winterhalbjahr, einer hohen Besucherfrequenz von je 40 bis 140 aufgeschlossenen und interessierten Teilnehmer/innen – mit reger Kommunikation in der Kaffeepause – sowie einer beispielhaften Publizität mit breit gestreuten Flyern, regelmäßiger Ankündigung in der Zeitung und zeitnaher Berichterstattung im Internet (www.junge-senioren-heilbronn.de, gelegentlich auch in der Zeitung, und später zusammengefasst in Broschüren, kürzlich von einem Gerontologie-Wissenschaftler als „Spitze in Deutschland“  bewertet wurde. Hier zeigt sich auch das Ideal von Frau Balz, dass der ehrenamtliche Beirat hauptamtlich begleitet wird, von Richard Siemiatkowski-Werner von der Offenen Altenarbeit der Diakonie Heilbronn, der auch veranlasste, dass zum Schluss dieser Veranstaltung ein verdienter Senior, der 91jährige Georg Stadermann, für seine jahrzehntelange Klavier-Begleitung bei allen möglichen Anlässen mit dem Kronenkreuz der württembergischen Diakonie ausgezeichnet wurde – von Dekan Otto Friedrich als Vorsitzender des bei der Diakonie geführten Forums Ehrenamt.

Früher war man ja mit 60 Jahren schon ein Greis

Dekan Friedrich verdeutlicht den Wandel der Altersbilder in der Gesellschaft (Veranstaltung vom 15. Oktober 2012)

Otto Friedrich (Foto: Rolf Gebhardt)

„Von der Kunst, erfüllt älter zu werden“. Passender hätte das Thema zum Start der neuen Programmreihe 2012/13 der „Jungen Senioren Heilbronn“ kaum sein können. Schon traditionell wurde das Eröffnungsreferat von dem Heilbronner Dekan Otto Friedrich wahrgenommen, umd 110 zahlende Zuhörer/innen waren gekommen, um sich einstimmen zu lassen auf die zeitgemäße Nutzung der Herausforderungen und Möglichkeiten in der Altersphase des Lebens.

Dekan Friedrich machte geltend, dass er kürzlich zu seinem 60. Geburtstag mit dem Spruch konfrontiert wurde, „wenn dich am heutigen Tage zum Greise stempeln die Jahre . . .“ Tatsächlich habe man ja vor etlichen Jahren einen Sechzigjährigen für einen Greis gehalten. Doch längst sei es überfällig, sich von überkommenen Altersbildern zu verabschieden. Friedrich konnte dabei auf eine parallele Foto-Austellung der 71jährigen Heilbronner Fotografin Gerlinde Ose im großen Saal des Hans-Rießer-Hauses verweisen, die unter dem programmatischen Titel „Ja zum Alter“ die heutige Realität Älterer in ihrer Vielfalt und vor allem in ihrer Freude am Leben in den Blick nimmt.

In dem Austellungsflyer werden Albrecht Dürers Bildnis der Mutter, eine Kohlezeichung von 1514, und ein Foto der Schauspielerin Sophia Loren von 1996 gebenüber gestellt, zwei Frauen im 63. Lebensjahr, die eine eine verhärmte Greisin, die andere eine strahlende Schönheit. Natürlich ist eine solche Gegenüberstellung auch ein Hinweis auf die grundverschiedenen Lebenssituationen beider Frauen und der Gesellschaft, in der sie leb(t)en. „Die zivilsatorische Entwicklung des vergangenen Jahrhunderts hat dazu geführt, dass Menschen heute davon ausgehen können, mit großer Wahrscheinlichkeit eine relativ lange Lebensphase des Alters nach der Pensionierung zu erleben,“ so Dekan Friedrich. Hierfür zog er die Statistik heran: Wer heute 65 Jahre alt ist, kann als Mann damit rechnen, weitere 17 Jahre und sechs Monate und als Frau noch 20 Jahre und acht Monate zu leben. Alljährlich erhöht sich die Lebenserwartung um ein bis zwei Monate. Für Neugeborene beträgt sie inzwischen 78 Jahre (Männer) bzw. 83 Jahre (Frauen). Seit 1960 stieg die durchshcnittliche Lebenserwartung um zehn Jahre, und die Zahl der Hundertjährigen hat sich in den letzten 30 Jahren verfünffacht.

Der anhaltende Trend zur Langlebigkeit hat gesellschaftliche Konsequenzen, betonte Friedrich. Natürlich müsse man sich auf eine steigende Zahl von Pflegefällen und Demenzkranken einstellen. Doch die medizinisch-biologische Sichtweise, die Altern als einen Prozess zunehmender Leistungseinschränkungen und Funktionsverluste in den Blick nehme, vermittle eine zu negative Einsicht. Es gelte, im Prozess des Altwerdens auch Aufbau, Entfaltung und Reifung im Sinne einer Vertiefung und Erweiterung des Lebens wahrzunehmen. Man dürfe Altern nicht nur unter dem Aspekt von als Abbau, Verlust und Defizit sehen, aber auch nicht unbedignt der Anti-Aging-Philosophie nacheifern wollen. Das Alter gehöre in allen Facetten angenommen zu werden. „Das Ausscheiden aus dem Beruf bedeutet ja heute lange nicht nur Rückzug aus der Gesellschaft“, meinte Friedrich, Die dritte Lebensphase sei für viele Ältere eine Zeit, in der sie noch fit und voller Tatendrang sind,, in der sie sich ehrenamtlich engagieren und auch in ihren Familien Verantwortung tragen, in der Pflege von hochbetagten Angehörigen und vor allem im Einsatz für Enkelkinder.

Für den Dekan konnte es nicht ausbleiben,dass er auf Altersbilder in der Bibel einging, so auf Aron und Sarah, auf Hana und Simeon. Er verlangte aber auch von der Kirche, dass sie sich auf neue Milieus von selbsbewussten und anspruchsvollen Älteren einstellen müsse. Friedrichs Fazit: Das Alter als Chance zur Lebensgstaltung wahrzunehmen ist in der Tat eine Kunst.“

Zu Beginn der Veranstaltung gab Beiratsmitglied Kurt Pöhler dem Empfinden vieler Anwesenden Ausdruck, dass man sich nach der Sommerpause wieder darauf freut, Neues zu erfahren und zu lernen aus einem bunten Themenreigen und insbesondere beim Pausenkaffee mit Gleichgesinnten in Gedankenaustausch zu kommen. Pöhler sowie Richard Siemiatkowski-Werner, der rührige Mann im Hintergrund, nahmen am Podium noch eine Ehrung vor, nämlich die nunmehr über 80jährige Margarete Köhl aus Flein, die 15 Jahre lang dem Beirat angehörte und viele Jahre auch aktiv in der Hospiz-Bewegung und Patienterfürspecherin war, mit einem Blumenstrauß zu verabschieden.