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Korea bereit für Vollversammlung der Kirchen – Pfarrer Kwon Ho Rhee berichtete über die Vielfalt des religiösen Lebens

Veranstaltung vom 21. Januar 2013

Straßenszene in Seoul (Foto: Johannes Barre / wikimedia commons)

Straßenszene in Seoul (Foto: Johannes Barre / wikimedia commons)

Korea – dieser Halbinsel-Staat ganz im Osten des asiatischen Festlandkontinents ist für uns ziemlich fremd, wenngleich wir wissen, dass es ein geteiltes Land – nach dem verheerenden „Korea-Krieg“ – und Südkorea ein aufstrebendes High-Tech-Land  ist. Südkorea ist aber auch ein  recht christliches Land. Über die Kirchen Koreas zwischen Wachstum und Widerstand berichtete der koreanische Pfarrer Kwon Ho Rhee bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus.

Rhee lebt seit dem Jahr 2000 in Deutschland. Ursprünglich wollte er hier wissenschaftlich tätig werden und promovieren, doch er bekam eine Pfarrstelle für eine koreanische Gemeinde im westfälischen Münster. Seit März 2012 ist er für drei Jahre ökumenischer Mitarbeiter in Ludwigsburg im Pfarramt des Dienstes für Mission, Ökumene und Entwicklung (DiMOE) der Evangelischen  Landeskirche in Württemberg. Rhee ist verheiratet und hat zwei Kinder, eine 14jährige Tochter und einen achtjährigen Sohn, „die besser deutsch sprechen als ich“, so Rhee, obwohl er in Satzbau und Grammatik fehlerlos spricht.

Wie Rhee berichtete, hatte das lange abgeschottete Land der Koreaner – ein bis heute sehr homogenes Volk – schon vor etwa 250 Jahren über den  Dunstkreis der ostasiatischen Weltanschauungen hinaus geblickt und kam im Nachbarland China in eine erste Berührung mit dem Christentum. Als die ersten Missionare ins Land kamen, gab es bereits eine Bibel-Übersetzung ins Koreanische (zur uraltaischen Sprachfamilie gehörend). 1884 gab es die erste katholische Taufe eines Koreaners, und im gleichen Jahr kam ein Missionar der presbyterianischen Kirche der USA, die seitdem stark das christliche Geschehen in Südkorea prägt. Von den ersten sieben Pastoren, die 1904 in Korea ordiniert wurden, war einer der Urgroßvater von Kwon Ho Rhee.

In Korea vollzog sich ein regelrechtes Missionswunder. 1910 gab es unter 13 Millionen Koreaner 177 000 Christen, 1990 waren es 11,4 Millionen bei 43 Millionen Koreaner, also gut 27 Prozent. Heute sind von den gut 50 Millionen Einwohnen Südkoreas rund zwölf Millionen Mitglieder christlicher Kirchen. Laut Telefonbuch-Eintragungen gibt es etwa 60 000 christliche Gemeinden in Südkorea, mehr als doppelt so viele wie vor 20 Jahren. Wie Rhee weiter informierte, sind koreanische Kirchen inzwischen mit 21 000 Missionaren in 169 Ländern vertreten, darunter auch 250 Missionare in Deutschland und eben so viele selbst in der Türkei (bei 4000 Protestanten).

Das kirchliche Leben in Korea unterscheidet sich stark von dem in Deutschland. Neben unzähligen kleinen Gotteshäusern in allen Stadtteilen – an manchen Straßenecken Seouls gibt es ein halbes Dutzend Hinweise – befinden sich von den 50 weltgrößten „Megachurch“ 20 in Südkorea – riesige moderne Veranstaltungszentren. getragen von charismatischen und Pfingstgemeinden. Eine solcher Megakirchen zählt 750 000 Gemeindeglieder und veranstaltet sieben Sonntagsgottesdienste. Morgenandachten gehören zum Alltag koreanischer Kirchen, wobei die erste oft bereits um 4 und die letzte um 11 Uhr beginnt. Überhaupt, so Rhee, ist die Zugehörigkeit zur Kirche sehr eng unter sozialer Kontrolle mit Beiritt zu Hauskreis und der Kinder zu Sonntagsschule. Da die Mitglieder durchweg bereit sind, den „Zehnten“ ihres Einkommens zu zahlen (als Spenden im Briefumschlag oder per Geldautomat), sind die Kirchen meist auch ziemlich reich. Auch sind n Korea Evangelisationsbemühungen auf der Straße sind an der Tagesordnung.

Pfarrer Rhee gehört zur Presbyterian Church of Korea (PCK“), „Freund der kleinen Leute“, mit mehr als 2,8 Millionen Mitglieder, 8300 Kirchengemeinden und über 16 000 Pfarrer und 1290 Missionaren in 88 Ländern die zweitgrößte des Landes, die zusammen mit der kleineren Presbyterianischen Kirche in der Republik Korea (PROK) Vorreiter in der Ökumene-Bewegung ist. Angestrebt wird auch eine verstärkte Zusammenarbeit mit der württembergischen Landeskirche und dem Evangelischen Missionswerk in Südwestdeutschland (EMS).  Auf Hochtouren laufen die Vorbereitungen für die Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) im Herbst 2013 in der südlichen Hafenstadt Busan – dem dritten Weltgroßereignis in Korea nach der EXPO 2012 in Yeosu (Thema: „Der lebende Ozean“) und den Olympischen Spielen 1988 in Seoul. Widerstand gibt es dagegen von den Pfingstkirchen, den Buddhisten und dem Drittel der Atheisten.