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Staunen über das Technische Schulzentrum – Oberstudiendirektor Bruno Troßbach präsentierte „seine“ Wilhelm-Maybach-Schule

2015-02-23_42akl

Schulleiter Bruno Troßbach führt durch Werkstätten der Maybach-Schule (Foto: Rolf Gebhardt)

Eigentlich sind für die „Jungen Senioren“ schulische Angelegenheiten kein drängendes Problem. Doch da alljährlich während des traditionellen Heilbronner Pferdemarktes der übliche Vortragssaal im Hans-Rießer-Haus wegen des gleichzeitig stattfindenden Flohmarkts nicht zugänglich ist, bot sich eine Gelegenheit zur Besichtigung der Wilhelm-Maybach-Schule. Der Zuspruch war über Erwarten groß, und viele konnten der Abschlussbemerkung des Schulleiters, Oberstudiendirektor Bruno Troßbach, zustimmen, den Enkeln im Zweifelsfalle den Besuch dieser Schule zu empfehlen.

Für die Teilnehmer/innen an der Exkursion war es nicht unbedingt verwunderlich von Troßbach zu hören, dass das Technische Schulwesen in Heilbronn schon seit über einem Jahrhundert eines der bedeutendsten Schulzentren im deutschen Südwesten ist. Schließlich war Heilbronn schon früh eine bedeutende Industriestadt, und nach wie vor verfügt die Wirtschaft des Heilbronner Landes über einen dichten Besatz an Maschinenbau, Kraftfahrzeugindustrie, Metall-und Elektro-Erzeugung.

Nach dem II. Weltkrieg begann im zerstörten Heilbronn 1946 wieder der Berufsschulunterricht für 1600 Schüler in 62 Klassen. Auf dem Gelände des früheren im Krieg zerstörten städtischen Krankenhauses in der Heilbronner Paulinenstraße entstand in den fünfziger Jahren ein Neubau als größte und modernste gewerbliche Schule in Baden-Württemberg. Die 3800 Schüler wurden – nach den Lehrberufen – eingeteilt in zwei selbstständige gewerbliche Berufsschulen, die 1973 auch neue Namen bekamen: nach dem in Heilbronn geborenen Motoren- und Automobil-Konstrukteur Wilhelm Maybach und nach dem Heilbronner Industriepionier Johann Jakob Widmann.

Wie Schulleiter Bruno Troßbach darlegte, ist das gemeinsame Schulareal dieses Technischen Schulzentrums nach mehreren Umbauten und Erweiterungen mit 55 000 Quadratmeter Unterrichtsfläche das größte Haus der Stadt Heilbronn, die auch für dessen Betrieb und Unterhalt zuständig ist (jährlich rund 800 000 Euro). Troßbachs Wilhelm-Maybach-Schule, an der rund 150 Lehrer (auch Handwerks- und Industriemeister) unterrichten, zählt 2600 bis 2700 Schülern, wovon etwa 1000 hier täglichen Unterricht haben. Die Johann Jakob Widmann-Schule ist fast ebenso groß, was bedeutet, dass das Schulzentrum jeden Tag um die 3000 Schülern – einschließlich der Teilzeit-Schüler – besucht werden, die hier auch in der Mensa verpflegt werden können.

OStD Bruno Troßbach, der von der (kaufmännischen) Gustav-von-Schmoller-Schule gekommen ist, kann sich nach eigenem Bekunden kein interessanteres, und spannenderes Betätigungsfeld als dieses gewerbliche Schulzentrum vorstellen, und trotz seiner 65 Lebensjahre denkt er noch mal an eine Verlängerung seiner Schulleiterposition. Natürlich gäbe es bei so viel Schülern, von denen etwa zwei Drittel multikulturellen Hintergrund (aber oft die deutsche Staatsbürgerschaft) haben, auch immer wieder besondere – auch psychosoziale – Probleme, vielleicht mit fünf Prozent „Auffälligen“, von denen einige auch schon mal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind. „Aber wir geben niemand verloren, wohl wissend, dass die die Firmen der heimischen Industrie und die Handwerksbetriebe auf gut ausgebildete gewerbliche Fachkräfte dringend angewiesen sind.“

Zur Wilhelm-Maybach-Schule, die in erster Linie Berufsschule ist, gehören auch eine einjährige Berufsfachschule (Anlagenmechaniker, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik; Umwelt), ein zweijähriges Berufskolleg (Elektrotechnik), ein dreijähriges Berufskolleg (Fahrzeugtechnik), eine Fachschule für Technik (Fertigungstechnik, Konstruktion, Elektrotechnik; Automatisierungstechnik, Mechatronik) und ein Technisches Gymnasium mit den Profilen Technik/Mechatronik, Technik und Management, Gestaltungs- und Medientechnik sowie Informationstechnik.

Bei geführten Rundgängen durch einige der fast drei Dutzend Werkstätten konnten sich die „Jungen Senioren“ staunend überzeugen von dem hohen Stand der Ausbildung mit hochmodernen Arbeitstischen und technischen Einrichtungen: Von den Bereichen Schleifen, Schweißen und Schmieden über Bohren, Fräsen und Löten bis hin zum „Motorlebau“, dem Erstellen von Elektroschaltungen gemäß Schaltplänen und mittels Diagnosegeräten Fahrzeug-Reparatur und -Service, schließlich ein vielseitiger Nutzfahrzeugbereich, auch für angehende Berufskraftfahrer, die selbst mit Logistik und Ladungssicherung vertraut gemacht werden.