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Bluthochdruck ist eine weit verbreitete Krankheit – Prof. Dr. Hennersdorf informierte über Ursachen und Therapiemöglichkeiten

2013-11-04_12akl

Prof. Dr. Marcus Hennersdorf (Foto: Rolf Gebhardt)

Bluthochdruck – wohl jeder, insbesondere im fortgeschrittenen Alter, ist schon mal mit diesem Problemfeld konfrontiert worden. Und so kamen um die 150 „Junge Senioren“ ins Hans-Rießer-Haus, um sich von Prof. Dr. Marcus Hennersdorf, Direktor der Medizinischen Klinik I des SLK-Klinikums Am Gesundbrunnen, über Ursachen und Therapiemöglichkeiten informieren zu lassen.

„Arterielle Hypertonie bleibt häufig unerkannt, da man sie im schwächeren Stadium nicht wahrnimmt, doch sie birgt bedrohliche Risiken an Folgeerkrankungen bis hin zu Nierenversagen, Herzinfarkt und Schlaganfall.“ So Prof. Hennersdorf. Beschwerden würden oft erst eintreten, wenn es zu Organschädigungen (Herz, Niere, Hirn) gekommen ist. Über ein Viertel der Weltbevölkerung sei von der Bluthochdruckkrankheit betroffen ist – mit zunehmender Tendenz. Deutschland nehme eine Spitzenposition bei Bluthochdruckpatienten ein; hier habe mindestens jeder Zweite Bluthochdruck. Als Grenzwerte nannte der Kardiologe einen oberen Blutdruckmesswert von 135 und einen unteren von 80 mm HG (Millimeter Quecksilber).

Wenn man  Arztpraxis eine Blutdruckmanschette am Oberarm angelegt bekommt, ist der Blutdruck in der Regel höher als normal, bekannte Hennersdorf: „Weißkittelreaktion!“ Bei Selbstmessung sollte man darauf achten, dass Armbeuge und Herz sich dabei auf einer Höhe befinden. Durch falsche Handhabung de Blutdruckmessgeräts oder des Messens unter wechselnden Bedingungen könnten die ermittelten Werte vom wahren Wert abweichen. Daher sei es wichtig, den Blutdruck immer unter den gleichen Bedingungen in Ruhe zu messen. Psychische Erregung lasse den Blutdruck ansteigen. Am verlässlichsten zur Feststellung einer Bluthochdruckerkrankung sei eine 24-Stunden-Messung. Hennersdorf meinte aber auch, man solle sich nicht durch laufende Blutdruckmessungen „verrückt“ machen; Tagesschwankungen zwischen 120 und 140/150 bzw. 80 und 90 mm HG seien nicht besorgniserregend, ebenso ein leichter Bluthochdruck, wenn sonst keine Risiken vorlägen. Herz- und Zuckerkranke müssten jedoch unbedingt auf einen niedrigeren Blutdruckwert achten. Schwerer Bluthochdruck liege oberhalb von 180 und 110 mm.

Jeder Mensch verfügt über fünf bis sechs Liter Blut, die mindestens einmal pro Minute durch das riesige Blutgefäßnetz des Körpers fließen. Systole ist die Phase, in der sich das Herz zusammenzieht und mit viel Druck Blut herauspumpt. Der (untere) dyastolische Blutdruck kennzeichnet die Phase, in der das Herz erschlafft und sich wieder mit Blut füllt.

Wie der Kardiologe erläuterte, belastet ein hoher Blutdruck (Hypertonie) Herz und Kreislauf durch den Druck auf die Gefäßwände. Eine Herzwandverdickung führe zur Einengung der Blutbahn, zur Schädigung des Herzmuskels und damit Durchblutungsstörungen mit Herzschwäche, häufig verbunden mit Vorhofflimmern und unregelmäßigem Puls. Gefährlich würden Arterienschädigungen, wenn sie das Gehirn erreichen, was leicht Schlaganfall auslösen könne. Mit Augenhintergrund-Untersuchungen könnten Gefahrenherde frühzeitig erkannt werden.

In den wenigsten Fällen ließen sich konkrete Ursachen für die Entstehung des Bluthochdrucks ausmachen. Dazu gehöre Nierenarterienstenose. Hier ließe sich die Engstellen beseitigen, wenn keine Entzündung vorliege. Die Ausschüttung des Nebennierenhormon Aldosteron steigere den Blutdruck, und bei hohem Kaliumverlust könne dann für den Patienten Dialyse in Frage kommen.

Verkannt werde leicht die Gefährdung durch das Schlafapnosesyndrom: Schnarchen – je stärker umso gefährlicher. Luftholen durch verengte Atemwege koste dem Herzen Kraft und führe zwangsläufig zu hohem Blutdruck, zudem zu unruhigem Schlaf, Schlafdefizit und Abgespanntheit am Tage. Eine Atemmaske könne hier durchaus Abhilfe schaffen.

Bluthochdruck ist laut Hennersdorf auch eine Zivilisationskrankheit, oft bedingt durch Fettleibigkeit, Bewegungsarmut, ungesunde Ernährung. Deshalb riet er zu viel Obst und  Gemüse, fettarme Molkereiprodukte, wenig Alkohol sowie möglichst Ausdauertraining. Zur Behandlung von Bluthochdruck stünde eine breite Palette und Medikamenten bereit, wenngleich bei  ACE-Hemmer und Betablockern Nebenwirkungen nicht von der  Hand zu weisen seien. Nichtsdestoweniger solle man verschriebene Medikamente, soweit verträglich, regelmäßig und langfristig einnehmen.