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„Von guten Mächten wunderbar geborgen . . .“

Dr. Dinger würdigte Bonhoeffer als Widerstandskämpfer und Glaubensvorbild        (Veranstaltung vom 29. Oktober 2012)

Dr. Jörg Dinger (Foto: Rolf Gebhardt)

Dietrich Bonhoeffer. Es bedarf keines besonderen Gedenktages, um sich dem Leben, Wirken und Werk des bedeutenden deutschen Theologen zu widmen. Dies taten die „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus bei einem Vortrag von Landesbauernpfarrer Dr. Jörg Dinger vom Evangelischen Bauernwerk in Württemberg in Waldenburg-Hohebuch.Dinger, gebürtiger Heilbronner, hatte in Heidelberg über Bonhoeffer promoviert, und sein Doktorvater Wolfgang Huber hatte in seiner Amtszeit als EKD-Ratsvorsitzender Bonhoeffer ohne Umschweife als modernen Heiligen bezeichnet – einen, wo Lebenszeugnis und Glaubenskraft zum Handlungsvorbild für andere Menschen werden. Dinger entwickelte das Lebensbild von Bonhoeffer anhand seines bekannten Gedichtes „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, das mehrfach vertont wurde und im Evangelischen Gesangbuch mit zwei Melodien Eingang gefunden hat.

Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau geboren und wuchs in einer großbürgerlichen Familie auf; seinVater war Psychiater und Neurologe. Schon mit 17 Jahren machte er am Berliner Grunewald-Gymnasium sein Abitur und studierte dann Theologie in Tübingen und nach einem Studienaufenthalt in Rom in Berlin, wo er 1927 promovierte. Noch im gleichen Jahr wurde er Vikar an der deutschen evangelischen Kirchengemeinde in Barcelona, 1929 Assistent an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität, legte – noch nicht 25 – 1930 das Zweite Theologische Examen ab und ging für ein Jahr als Stipendiat an das Union Theological Seminar in New York. Er kehrte an die Berliner Universität zurück, hielt gut besuchte Lehrveranstaltungen, wurde zum Pfarrer ordiniert und übernahm die Aufgabe eines Jugendsekretärs des Ökumenischen Weltbundes für die Freundschaftsarbeit der Kirchen (WfK), ein Vorläufer des Weltrats der Kirchen.

Erstmals in politischen Konflikt kam Bonhoeffer bei einem Radiovortrag m 1. Februar 1933 wegen deutlicher Krititk am nationalsozialistischen Führerprinzip. Den Wahlsieg der Deutschen Christen im Juli 1933 empfand er für die deutsche evangelischen Kirche als verhängnisvoll, gründete mit Martin Niemöller den Pfarrernotbund und nahm eine Auslandspfarrstelle in Lodon für zwei deutschsprachige Kirchengemeinden an. Im Frühjahr 1935 kehrte Bonhoeffer nach Deutschland zurück und übernahm für die Bekennende Kirche die Ausbildung angehender Pastoren im Predigerseminar Finkenwalde, das zwar bereits 1937 vom NS-Staat geschlossen wurde, aber weiter wirkte, bis im März 1940 auch hier die Gestapo eingriff.  Zwischenzeitliche Aufenthalte in London und New York brach Bonhoeffer ab, kam in Kontakt zur Spionageabwehr im Oberkommando der Wehrmacht unter Admiral Canaris und unternahm ab 1940 Auslandsreisen im Auftrag des Widerstandes; er erhielt Rede- und Schreibverbot. Am 5. April 1943 wurde Bonhoeffer wegen „Wehrkraftzersetzung“ verhaftet und am 5.April 1945 von einem SS-Strafgericht im KZ Flossenbürg zum Tod durch den Strang verurteilt.

„Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Diese 7. und letzte Strophe von Bonhoeffers Hoffnungs- und Trost-Gedicht bzw. -Lied, verfasst nach 20 Monaten Haft, ist für Dinger die entscheidende Botschaft Bonhoeffers. Er hatte es beigelegt in einem Brief an Maria von Wedemeyer (Enkelin seiner Gönnerin Ruth von Kleist-Retzow), die er 1938 konfirmiert und sich im Januar 1943 mit ihr verlobt hatte (sie studierte später Mathematik und verstarb 1977 in New York).

Nach Dingers Erkenntnis war Bonhoeffer nicht an der Planung von Hitler-Attentaten beteiligt, wohl aber Verbindungsmann des Widerstandes gegen den NS-Terror, speziell zum Ausland. Mit ihm wurde Wilhelm Canaris hingerichtet. Zudem starben von seiner Familie im Widerstand sein Bruder Hans (ein Agnostiker) und die Schwager Hans von Dohnanyi und Rüdiger Schleicher.

Als Pazifist und Widerstandskämpfer wurde Bonhoeffer nach 1945 vor allem in Befreiungs- und Armutsbewegungen verehrt; sein Standbild findet sich auch in der Westminster Abbey in London. Seine Schrift „Widerstand und Ergebung“ dokumentierte seine religiöse und ethische Überzeugung. Als Kirchenerneuerer wirkte sein Wort nach: „Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.“ „Er wurde in der Nachfolge Christ zum Märtyrer und wahrhaftiges Vorbild im Glauben“, so Dinger.

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