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Im Alter wächst die Gefahr des Knochenschwunds – Orthopäde Dr. Jan Bachmann über Ursachen und Therapie von Osteoporose

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Dr. Jan Bachmann (Foto: Rolf Gebhardt)

Der frühere Bundespräsident Roman Herzog war um seinen 80. Geburtstag davon betroffen und weiterhin sind es mindestens 2,5 Millionen Frauen über 50 und bestimmt eine Million Männer in Deutschland: von Osteoporose – in der Umgangssprache Knochenschwund. Über Ursachen und Therapiemöglichkeiten referierte der Orthopäde Dr. Jan Bachmann, niedergelassener Facharzt in Heilbronn, im Hans-Rießer-Haus bei den „Jungen Senioren“.

Dass dieses Veranstaltung einen Rekordbesuch von über 130 Besucher/innen erlebte, liegt daran, dass diese Krankheit insbesondere ältere Personen betrifft, vor allem Frauen nach den Wechseljahren, denn nach Aufhören der Regelblutung, wenn der Hormonschutz wegfällt, kommt es zu einer rapiden Abnahme der Muskelmasse (um 15 bis 20 Prozent), mit der Gefahr der Osteoporose. Aber auch ältere Männer sind durchaus dagegen nicht gefeit, besonders nach einer Prostata-Operationen. Wie Bachmann erklärte, sterben nun einmal mit zunehmendem Alter Muskelfasern ab und schwächen den Knochen, deren Innen- und Außenschicht brüchiger wird, ihre mechanische Belastbarkeit verringert sich, so dass sich das Sturz-Risiko erhöht –  mit der Folge von Frakturen, also Knochenbrüchen, zumeist Wirbelfrakturen und Oberschenkelhalsbrüchen.

Knochen  sind schließlich keine trockene Materie. Sie werden durchblutet, und in ihrem Inneren findet ständig ein Umbau statt, aber nur, wenn die Knochen ausreichend bewegt und versorgt werden. „Bewegte Muskeln halten Knochen fit“, so Bachmann. Osteoblasten bauen Knochen auf, Osteoklasten bauen Knochensubstanz ab, und dies überwiegt im Alter. Als Baustoffe brauchen Knochen und Muskeln Kalzium, und um Kalzium einzubauen gehört Vitamin D dazu, das von der Haut auf natürlichem Wege in der Sonne gebildet wird. Kalzium braucht der Muskel für die Kontraktion, das Blut zum Gerinnen. Sinkt der Kalziumspiegel im Blut, muss der Knochen das stabilisierende Mineral hergeben. Ein solches Absinken des Kalziumdepots im Knochen führt am ehesten zur Osteoporose.

Wen kann Osteoporose am ehesten erwischen? Laut Bachmann sind Warnsignale,  wenn Mutter oder Vater schon mal eine Hüftfraktur hatten, bei Untergewicht oder nach Diäten, wenn das Kalziumpolster aufgezehrt wird, bei Menschen mit Immobilität, Herzinsuffizienz oder auch höhergradiger Niereninsuffizienz, chronischer Hyponatriämie (erniedrigter Natriumspiegel), Altersdiabetes oder Schilddrüsenüberfunktion – generell bei latenter Sturzneigung. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente wie Betablocker und Schlafmittel begünstigen die Entwicklung zum Muskel- und Knochenschwund. Feststellen lässt sich das in der Laborkontrolle (Blutbild), exakter mit gezielten Röntgenaufnahmen und per Knochendichtemessung. Augenscheinlich ist eine Osteoporose, wenn Wirbelkörperverformungen, zu einer Verkürzung des Oberkörpers gekommen ist, der sogenannte Witwenbuckel bei älteren Frauen, verbunden mit akuten Rückenschmerzen.

Auf  jeden Fall sollte man es nicht auf einen ersten Sturzbuch ankommen lassen, sagte Bachmann. „Das ist ein Meilenstein“. Ein gebrochener Knochen kann in gewisser Zeit zwar unter günstigen Bedingungen durchaus wieder zusammenwachsen und belastbar sein wie vorher, doch die Wiederholungsgefahr eines Osteoporose-bedingten Sturzes und Knochenbruchs  besteht, das Risiko der Bewegungseinschränkung wächst, die Rekonvaleszenz wird schwieriger.

Vorbeugung ist also angesagt. Und das bedeutet, so Bachmann, Bewegung, am besten sportliche; „gehen Sie raus aus dem Haus“, denn Bewegung stärkt die Knochen und schützt sie besser vor Brüchigkeit als Medikamente. Wichtig ist die Versorgung von Muskeln und Knochen mit Kalzium, „1000 Milligramm pro Tag sind vonnöten“, meinte Bachmann, und die bekommt man unter anderem mit einem Liter guten Mineralwasser plus Käse , Quark und anderen Milchprodukten. Die Therapie bietet auch geeignete Arzneimittel. An erster Stelle nannte Bachmann in seinem gut verständlichen Vortrag Bisphosphonate: Wirkstoffe , die die knochenabbauenden Zellen wirksam hemmen und damit die Kalzium-Freisetzung aus dem Knochen vermindern, damit das Frakturrisiko und Schmerzen. Bewegungsmangel und Mangelernährung sind – neben auslösenden Krankheiten – die entscheidenden Ursachen für die zur Volkskrankheit werdenden Osteoporose., so Bachmann.

Jeder selbst verantwortlich für gesunde Ernährung – Was nachhaltiger Lebensstil für Bäckermeister Rolf Härdtner bedeutet

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Rolf Härdtner in seinem Betrieb (Foto: Rolf Gebhardt)

Zum Thema „nachhaltiger Lebensstil“ hatten die „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus als Referent mit Rolf Härdtner einen Unternehmer eingeladen, der diesen Grundsatz als Firmenphilosophie praktiziert. Der 71jährige Bäckermeister ist Seniorchef eines in dritter Generation von seinen Söhnen, seiner Tochter und dem Schwiegersohn geleiteten Familienbetriebs mit 1100 Beschäftigten, davon 138 Auszubildenden, und rund 100 Bäckerei-Filialen.

Nachhaltige Entwicklung beruht für Rolf Härdtner auf drei Säulen, die mit den Worten ökonomisch, ökologisch und sozial gekennzeichnet ist. Dabei gilt es, die Bedürfnisse der gegenwärtigen Generation gerecht zu werden, ohne die Lebenschancen künftiger Generationen zu gefährden. Das sieht er beispielhaft in der Forstwirtschaft verwirklicht, wo höchstens so viel Holz eingeschlagen werden soll, wie nachwächst. „Pflanzen Sie einen Baum, und Sie tun der Natur, Ihnen selbst und Ihren Nachkommen einen Gefallen“, meinte Härdtner, der auch in seinem Geschäftsgebaren „Mensch und Natur“ ins Zentrum stellt.

Das gilt fürs ein umweltverträgliches traditionelles Backen, wo auf schadstofffreie Backöfen, Wärmerückgewinnung und Ökostrom Wert gelegt wird. Und: „Wir verwenden qualitativ hochwertige Rohstoffe aus regionalem kontrollierten Anbau. Und da wir ausschließlich mit selbst gefertigten Natursauerteig backen, können wir auf all die üblichen chemischen Backbeimischungen verzichten.“ So Rolf Härdtner. Im Härdtner-Bäckerei-Reich sind durch die Firmen-Übernahmen von Mitterer und Böhringer Holzofen- und Demeter-Backerzeugnisse gut vertreten.

Härdtners Backwaren müssen „natürlich, bekömmlich und schmackhaft“ sein. Rolf Härdtner legt privat und betrieblich Wert auf gesunde Ernährung. Nahrungsergänzungsmittel bedürfe es dazu nicht, sondern einer ausgewogenen Kost, die automatisch genügend Vitalstoffe – Vitamine und Mineralien – enthält, sowie eine ausreichende Menge an Ballaststoffen; „Vollkorn reinigt Magen und Darm“. In der Regel ernähre man sich gut und richtig, wenn man das zu sich nehme, nach dem es einem gelüstet; das brauche der Körper. „Viel trinken und lachen nicht vergessen.“
Wenn es stimme, dass 70 Prozent der Schüler und Berufstätigen nicht mehr zu Haus frühstücken, so profitierten davon Bäckereien und Imbisse. Doch sei es gut zu wissen, was man tatsächlich zu sich nimmt, was drin ist in Lebensmitteln. Ein Gutteil aller Krankheiten sei ernährungsbedingt. Er wertete es als Verfall der Esskultur, dass in modernen Haushalten immer weniger selbst gekocht werde. Es sei schließlich durchaus möglich, sich preiswert und gut zu ernähren.

Dafür sei die gängige Devise des Ernährungsverhaltens: möglichst billig und groß. Das könne nicht gesund sein, meinte Härdtner: „Billigfleisch aus Massentierhaltung – was man da den Tieren und sich selbst antut:“140 000 Tonnen Pestizide würden jährlich in der deutschen Landwirtschaft eingesetzt, mitunter versprüht bis acht Tage vor der Ernte. Härdtner appellierte an das Verbraucher-Gewissen: „Seien Sie kritisch.“ Jeder sei selbst für eine adäquate Ernährung verantwortlich. Noch nie sei das Lebensmittelangebot so groß und vielfältig gewesen. Man habe die Wahl, sich billig und überreichlich zu ernähren, oder qualitativ ausgewogen zu angemessenen Preisen.

Härdtner betonte die „Macht der Verbraucher“. Wenn man von der Verführungskraft der Werbung absehe, bringe der Hersteller nur das auf den Markt, was der Konsument wolle. Das Angebot stelle sich im Grunde auf die Nachfrage ein. Das gelte auch für seine Bäckereifilialen und Caf’és, die je nach örtlichen Nachfrage-Schwerpunkten über unterschiedliche Sortimente verfügten. Besonderen Wünschen der Kunden werde nachgekommen, Anregungen und Beschwerden aufgegriffen. Der Kunde habe genügend Möglichkeiten, seiner Verantwortung als Konsument Gehör zu verschaffen.

So wichtig gesunde Ernährung zu einem nachhaltigen Lebensstil gehört, so wichtig erscheint für Härdtner auch Bereitschaft, sich zu bewegen, zu sportlicher Betätigung, „besser als Medikamente“. Auch Aufgeschlossenheit für gesellschaftliche Belange gehöre zu verantwortungsbewusstem Lebensstil. All dies verkörpert Rolf Härdtner in seiner Person: Er war früher ein ein erfolgreicher Kanusportler, engagiert sich im Neckarsulmer Gemeinderat und Sportverein, fördert karitative Aktivitäten und unterstützt in Kindergärten und Schulen Sonderaktionen für „gesunde Ernährung“.

Wirtschaftliche Vorgaben auch für Krankenhäuser – Klinik-Direktor Dieter Bopp informierte über den Wandel im Gesundheitswesen

Veranstaltung am 9. Dezember 2013

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Klinikdirektor a.D. Dieter Bopp (Foto: Rolf Gebhardt)

Die Gesundheit ist unser höchstes Gut, heißt es immer wieder. Doch die „Jungen Senioren“, die alle so ihr Erfahrungen mit Ärzten und wohl auch mit Krankheiten und Krankenhäusern haben, müssen zur Kenntnis nehmen, dass auch das Gesundheits- und Krankenhauswesen wirtschaftliche Vorgaben berücksichtigen muss. Diese Erkenntnis vermittelte im Hans-Rießer-Haus Klinikdirektor a.D. Dieter Bopp, Diplom-Verwaltungswirt, der 38 Jahre lang Führungsverantwortlicher in Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen war, schwerpunktmäßig Geschäftsführer der Klinik-Löwenstein, aber auch für die Orthopädische Klinik Markgröningen sowie für die Häuser in Öhringen und Künzelsau.
Gerade die Krankenhäusern im Hohenlohekreis gehören zu den ältesten in Deutschland. Das Öhringer ist 100 Jahre und das in Künzelsau gar 112 Jahre alt, berichtete Bopp. Krankenhäuser kamen erst um 1900 auf, wobei die Bismarckschen Reichsgesetze aus dem Jahr 1882 über die Krankenversicherung der Arbeiter die Grundlage bildete. In den 300 Jahren vorher gab es lediglich Siechenhäuser für Arme mit ansteckenden Krankheiten sowie Seelhäuser für Kranke. Erst im 20. Jahrhundert wurde das Krankenhaus zum Ort der Behandlung und Pflege aller kranken Menschen, , während früher die Bessergestellten medizinisch zuhause versorgt und gepflegt wurden. Heute, so Bopp, „erhält bei uns in Deutschland jeder Obdachlose und/oder Millionär eine im Prinzip gleich gute ärztliche und auch stationäre Krankenhausversorgung.“ Die Patienten müssten sich darauf verlassen können, nach neuestem medizinischem Standard bei bester Qualität behandelt zu werden.
Gut elf Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung entfällt heute auf das Gesundheitswesen, das nach Bopps Angaben einen Markt im Jahresvolumen von 180 Milliarden € darstellt, wobei 65 Milliarden € von den Krankenhäusern absorbiert werden. Nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz von 1972 sollten der Krankenhausbetrieb, also die Personal- und Sachkosten, von den Krankenkassen finanziert werden, die Investitionskosten von den Ländern. Das habe dazu geführt, dass es in allen Bundesländern Investitionsstaus gibt, denn die Länder steuern über Einzelförderungen die Krankenhaus-Standorte. In Baden-Württemberg sind in diesem Jahr die Landesmittel für Krankenhäuser ¨C durch Aufgabe der Pflegeheim-Finanzierung ¨C um 65 auf 235 Millionen € aufgestockt worden. Auch die SLK-Kliniken haben hieraus Gelder für ihre Neubauten erhalten.
Bopp wies darauf hin, dass trotz einer nachholenden Finanzierungsspritze des Bundes in Höhe von 1,1 Milliarden € für Krankenhäuser derzeit die Hälfte der Kliniken mit roten Zahlen arbeite. Auch die Klinik Löwenstein habe 20012 erstmals einen Verlust verzeichnet, die SLK-Kliniken zwar noch einen Gewinn von ein Million €, „bescheiden bei 280 Millionen € Umsatz“. Bopp geht davon aus, dass die Zahl der Krankenhäuser von derzeit 205 in den nächsten Jahren deutlich weiter zurück geht. Für Schließungsmaßnahmen seien im neuen Koalitionsvertrag 500 Millionen € vorgesehen. Der Trend gehe hin zu „Spezialisierung bei hoher Qualität“. Zudem gebe es vermehrt Ausgliederungen in GmbH`s, möglich geworden aus Überführung von Eigenbetrieben, was Bopp auch aus seiner langjährigen Tätigkeit als Gemeinderat und Stadtrat miterlebt hat.
Ein wichtiges Element im Krankenhauswesen sei das vor zehn Jahr eingeführte DRG-System, die Fallpauschalen, was wohl auch dazu geführt habe, dass es in Deutschland die meisten Knie- und Hüft-Operationen gebe. Man müsse davon ausgehen, dass sie medizinisch notwendig sind. Auch wenn eine RWI-Studie davon spreche, dass 60 Prozent der Deutschen kein Vertrauen in die Krankenhausversorgung hätte, nehme Deutschland mit 240 Klinikaufenthalten pro 1000 Einwohner eine Spitzenposition ein, ebenso in der Bettenzahl mit 8,3 pro 1000 Einwohner.
Bopp, der ins seiner Berufszeit praktisch jedes Jahr eine Gesundheitsreform erlebt hat, erwartet eine weitere Verzahnung von stationärer-, haus- und fachärztlicher Versorgung mit einer Zunahme von medizinischen Versorgungszentren (Ärztehäusern). Nichtsdestoweniger möchte er die Funktion der Hausärzte als Lotsen für Fachärzte und Krankenhäusern gestärkt sehen. Er selbst setzt sich regional vehement ein für ein für eine ausreichende Ärzteversorgung auf dem Land, wobei er auf erste persönliche Erfolge bei Praxisnachbesetzungen verweisen konnte.

Bluthochdruck ist eine weit verbreitete Krankheit – Prof. Dr. Hennersdorf informierte über Ursachen und Therapiemöglichkeiten

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Prof. Dr. Marcus Hennersdorf (Foto: Rolf Gebhardt)

Bluthochdruck – wohl jeder, insbesondere im fortgeschrittenen Alter, ist schon mal mit diesem Problemfeld konfrontiert worden. Und so kamen um die 150 „Junge Senioren“ ins Hans-Rießer-Haus, um sich von Prof. Dr. Marcus Hennersdorf, Direktor der Medizinischen Klinik I des SLK-Klinikums Am Gesundbrunnen, über Ursachen und Therapiemöglichkeiten informieren zu lassen.

„Arterielle Hypertonie bleibt häufig unerkannt, da man sie im schwächeren Stadium nicht wahrnimmt, doch sie birgt bedrohliche Risiken an Folgeerkrankungen bis hin zu Nierenversagen, Herzinfarkt und Schlaganfall.“ So Prof. Hennersdorf. Beschwerden würden oft erst eintreten, wenn es zu Organschädigungen (Herz, Niere, Hirn) gekommen ist. Über ein Viertel der Weltbevölkerung sei von der Bluthochdruckkrankheit betroffen ist – mit zunehmender Tendenz. Deutschland nehme eine Spitzenposition bei Bluthochdruckpatienten ein; hier habe mindestens jeder Zweite Bluthochdruck. Als Grenzwerte nannte der Kardiologe einen oberen Blutdruckmesswert von 135 und einen unteren von 80 mm HG (Millimeter Quecksilber).

Wenn man  Arztpraxis eine Blutdruckmanschette am Oberarm angelegt bekommt, ist der Blutdruck in der Regel höher als normal, bekannte Hennersdorf: „Weißkittelreaktion!“ Bei Selbstmessung sollte man darauf achten, dass Armbeuge und Herz sich dabei auf einer Höhe befinden. Durch falsche Handhabung de Blutdruckmessgeräts oder des Messens unter wechselnden Bedingungen könnten die ermittelten Werte vom wahren Wert abweichen. Daher sei es wichtig, den Blutdruck immer unter den gleichen Bedingungen in Ruhe zu messen. Psychische Erregung lasse den Blutdruck ansteigen. Am verlässlichsten zur Feststellung einer Bluthochdruckerkrankung sei eine 24-Stunden-Messung. Hennersdorf meinte aber auch, man solle sich nicht durch laufende Blutdruckmessungen „verrückt“ machen; Tagesschwankungen zwischen 120 und 140/150 bzw. 80 und 90 mm HG seien nicht besorgniserregend, ebenso ein leichter Bluthochdruck, wenn sonst keine Risiken vorlägen. Herz- und Zuckerkranke müssten jedoch unbedingt auf einen niedrigeren Blutdruckwert achten. Schwerer Bluthochdruck liege oberhalb von 180 und 110 mm.

Jeder Mensch verfügt über fünf bis sechs Liter Blut, die mindestens einmal pro Minute durch das riesige Blutgefäßnetz des Körpers fließen. Systole ist die Phase, in der sich das Herz zusammenzieht und mit viel Druck Blut herauspumpt. Der (untere) dyastolische Blutdruck kennzeichnet die Phase, in der das Herz erschlafft und sich wieder mit Blut füllt.

Wie der Kardiologe erläuterte, belastet ein hoher Blutdruck (Hypertonie) Herz und Kreislauf durch den Druck auf die Gefäßwände. Eine Herzwandverdickung führe zur Einengung der Blutbahn, zur Schädigung des Herzmuskels und damit Durchblutungsstörungen mit Herzschwäche, häufig verbunden mit Vorhofflimmern und unregelmäßigem Puls. Gefährlich würden Arterienschädigungen, wenn sie das Gehirn erreichen, was leicht Schlaganfall auslösen könne. Mit Augenhintergrund-Untersuchungen könnten Gefahrenherde frühzeitig erkannt werden.

In den wenigsten Fällen ließen sich konkrete Ursachen für die Entstehung des Bluthochdrucks ausmachen. Dazu gehöre Nierenarterienstenose. Hier ließe sich die Engstellen beseitigen, wenn keine Entzündung vorliege. Die Ausschüttung des Nebennierenhormon Aldosteron steigere den Blutdruck, und bei hohem Kaliumverlust könne dann für den Patienten Dialyse in Frage kommen.

Verkannt werde leicht die Gefährdung durch das Schlafapnosesyndrom: Schnarchen – je stärker umso gefährlicher. Luftholen durch verengte Atemwege koste dem Herzen Kraft und führe zwangsläufig zu hohem Blutdruck, zudem zu unruhigem Schlaf, Schlafdefizit und Abgespanntheit am Tage. Eine Atemmaske könne hier durchaus Abhilfe schaffen.

Bluthochdruck ist laut Hennersdorf auch eine Zivilisationskrankheit, oft bedingt durch Fettleibigkeit, Bewegungsarmut, ungesunde Ernährung. Deshalb riet er zu viel Obst und  Gemüse, fettarme Molkereiprodukte, wenig Alkohol sowie möglichst Ausdauertraining. Zur Behandlung von Bluthochdruck stünde eine breite Palette und Medikamenten bereit, wenngleich bei  ACE-Hemmer und Betablockern Nebenwirkungen nicht von der  Hand zu weisen seien. Nichtsdestoweniger solle man verschriebene Medikamente, soweit verträglich, regelmäßig und langfristig einnehmen.

Mit zunehmendem Alter leidet das Sehvermögen – Prof. Dr. Lutz Hesse informierte über Augen-Funktion und Sehstörungen

Veranstaltung vom 4. Februar 2013

Foto: Rolf Gebhardt

Prof. Dr. Lutz Hesse beim Vortrag im Hans-Rießer-Haus (Foto: Rolf Gebhardt)

Sehen ist das wichtigst Sinnessystem des Menschen zur Wahrnehmung der Umwelt und das komplizierteste überhaupt. Über das Sehorgan Auge und über altersbedingte Sehstörungen informierte der Chefarzt der Augenklinik Heilbronn, Prof. Dr. Lutz Hesse, die „Jungen Senioren“ im überfüllten großen Saal des Hans-Rießer-Hauses.

Jeder Christ kennt die biblische Geschichte vom ungläubigen Thomas: Er will die Erzählungen der anderen Jünger von der Erscheinung des auferstandenen Jesus nicht glauben, sondern er will ihn nicht nur selber sehen, sondern auch mit den Händen ertasten, dass es der Gekreuzigste ist, der vor ihm steht. Mit diesem Bild machte Prof. Hesse eingangs deutlich, dass mit der so großartigen menschlichen Gabe des Sehens auch berechtigte Zweifel verbunden sind, ob sie die Wirklichkeit tatsächlich real wider gibt.

Dass wir unseren Augen nicht immer trauen können, zeigt sich bei einer Fata Morgana (Luftspiegelungen in der Wüste) oder bei einer Unzahl von Fixierbildern und optischen Täuschungen. Zwei Parallelen erscheinen durch ein Strahlengitter gewölbt. Wir können Dinge erkennen, die es gar nicht geben kann. Das Sehen ist zwar für uns Abbild der Wirklichkeit, „doch wir sehen nicht, was wir sehen“, so Hesse.. Das liegt zum einen daran, dass wir nur drei Farben sehen können: rot, grün und blau. Doch die schier unendliche Farbenvielfalt, die wir sehen (oder auch anwenden), ist nur eine Verunsicherung bzw. Überlagerung dieser drei Grundfarben. Auch gibt es Farbfehlsichtigkeiten. Für Menschen mit Rot-Blindheit sind beispielsweise rote Tomaten schwarz. Farben sind durch Licht ausgelöste physiologisch-psychologische Gesichtsempfindungen.

Das alles liegt am Bau und der Funktion des Auges, das eigentlich mit einer Kamera vergleichbar ist. Es ist ein Organ zur Aufnahme von Lichtreizen. Von außen eindringende Lichtreize müssen erst lichtbrechende Schichten (Hornhaut, Kammerwasser, Linse, Glaskörper) durchdringen, bevor sie die eigentliche Sinneszellenschicht auf der Netzhaut (in der viele Millionen Lichtrezeptoren – Zapfen und Stäbchen – sitzen) erreichen, so Hesse. Wie die Linse eines Fotoapparates müssen sie die einfallende Strahlen so bündeln, das auf der Netzhaut ein scharfes Bild entsteht. Das Netzhautbild ist ein spiegelbildliches, umgekehrtes Bild des betrachteten Objekts, demonstrierte Hesse. Die Brechkraft des Auges muss permanent variiert werden.

Wie bei allen Organen nimmt mit zunehmendem Alter auch die Leistungsfähigkeit der unzähligen Zellen im Auge ab. Dass 15 Prozent der über 60jähriegn nicht mehr in der Lage sind, etwa drei Seiten eines Buches hintereinander zu lesen, liegt laut Prof. Hesse jedoch nicht (immer) an den Augen, sondern am Lesevermögen, „denn Lesen ist der komplizierteste Vorgang, den wir im Leben lernen“, so die ruckartige Augenbewegung nach jeder Zeile. Wer nicht übt, kann verlernen, längere Texte zu lesen. Und: Wir lesen nicht Buchstaben für Buchstaben, sondern Wörter als Ganzes.

Die bekannteste altersbedingte Erkrankung der Augen ist der graue Star mit unterschiedlicher  Schwere der Eintrübungen. Das Auge wird nicht mehr mit ausreichenden Nährstoffen versorgt. Kontraste und Farben verblassen, das gesehene Bild verliert mehr und mehr an Schärfe. Grauer Star ist zwar die häufigste Erblindungsursache der Welt, doch gleichzeitig ist die Staroperation heute ein ambulanter Routineeingriff und laut Hesse „die häufigste und erfolgreichste Operation der Menschheit, die einzige, mit der sich der Alterungsprozess zurückdrehen lässt.“

Prof. Hesse empfiehl, im Alter regelmäßig vom Augenarzt den Augeninnendruck messen zu lassen, um eventuelle Sehnervenschädigungen im Hinblick auf den grünen Star (Glaukom): „Lässt sich im frühen Stadium mit Augentropfen gut behandelt, in schweren Fällen Operation unerlässlich.“ Die – trockene oder feuchte – altersbedingte Makuladegeneration (AMD) deutet sich an, wenn etwa die Schrift wellig erscheint. Auch hier gibt es erfolgreiche Operationsmöglichkeiten.

Hesses Schluss-Aussagen: Sehstörungen lassen sich noch hinnehmen, wenn man im Alltag damit zurecht kommt. Und: Augen zu schonen, ist nicht vonnöten. Augen können nicht überlastet werden; sie brennen höchstens und man wird müde, sie nehmen auch keinen Schaden, wenn man bei schlechtem Licht liest. Fernehen ist sogar gut für die Augen, und Bildschirmarbeit nicht verkehrt.