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Die schillernde Persönlichkeit des Robert Mayer – Annette Geisler vom Stadtarchiv über den Entdecker des Energieerhaltungssatz

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Annette Geisler (Foto: Rolf Gebhardt)

„Mensch Mayer“ – unter diesem Motto steht eine Sonderausstellung im Haus der Stadtgeschichte Heilbronn im Otto-Rettenmaier-Haus. Unter diesem Aspekt stellte auch die Stadtarchiv-Bibliothekarin und Kuratorin Annette Geisler ihr Referat über Robert Mayer, der als Erster den Energieerhaltungssatz – ein physikalisches Grundgesetz – formulierte, bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus. In einem zweistündigen spannenden Vortrag, unterbrochen von einer 20minütigen Kaffeepause „zur Erhaltung der Energie“, vermochte die charmante Referentin, deren illustrierten Ausführungen fast 100 Zuhörer/innen geradezu gebannt folgten, die wechselvolle Biografie und der mit vielen bekannten Heilbronner Namen verbundene Familiengeschichte der schillernden Persönlichkeit Robert Mayers anhand von zugestandenermaßen mitunter „indiskreten“ Archivunterlagen und Nachlässen unterhaltsam, anschaulich und nachdenkenswert darzustellen.

Geboren wurde Julius Robert Mayer am 25. November 1814 in der Rosengasse, wo der Vater Christian Jakob von der Kaufmannsfamilie Rauch einen geräumigen Gebäudekomplex erworben und seine Apotheke „Zur Rose“ eingerichtet hatte (bereits 1892 abgerissen). Wie Annette Geisler darlegte, genoss er und seine beiden älteren Brüder eine liebevolle und freiheitliche Erziehung. Robert zeigte sich schon als Kind an naturkundlichen Erscheinungen interessiert, war jedoch an der humanistischen Schule ein schlechter Schüler, „der mit anderen Maßstäben zu messen war“.

Ab 1831 studierte er an der Landesuniversität Tübingen Medizin, wurde 1837/38 mit anderen Kommilitonen wegen öffentlich die Farben tragen einer von ihm mitgegründeten unerlaubte Studentenverbindung für ein Jahr suspendiert, nutzte die Zeit zu Reisen und Studienzwecken, und promovierte dann doch zum Doctor medicinae et chirurgiae. Über Verwandt hatte er Kontakte nach Rotterdam, lernte Holländisch, und nach einen Zwischenaufenthalt in Paris musterte er 28jährig als Sanitätsoffizier auf der holländischen Dreimastbark „Java“ zur Fahrt nach Niederländisch Indien (Indonesien) an. Auf dieser Reise machte er als Kolonialarzt (bei Aderlässen) und durch Beobachtung der Meereswellen die überraschende Entdeckung. dass Bewegung und Wärme Erscheinungsformen des gleichen Phänomens und der gleichen Einheit sind, der „Kraft“ (Energie), eine Erkenntnis, die heute längst zum klassischen Unterrichtsstoff gehört.

Nach Heilbronn zurückgekehrt ließ er sich zum Oberamtswundarzt wählen, heiratete Wilhelmine geborene Closs (1816-1899) und wohnte in einem dreistöckigen Haus am Kirchhöfle. Bewegend schilderte Annette Geisler, wie Mayer seine Forschungen ausbaute, sie allerdings in den „falschen“ Fachzeitschriften (erstmals 1842) veröffentlichte. Die Nichtbeachtung sowie die Flucht seiner radikal-demokratischen Brüder und der Tod von zwei seiner Kinder trieb ihn im Delirium am 28. Mai 1850 zu einem Suizid-Versuch (Fenstersturz). Ein knappes Jahr später praktizierte er zwar wieder als Stadtarzt, doch seine manisch-depressiven Krankheitserscheinungen mehrten sich; er wurde Patient in der „Staatsirrenanstalt“ Winnenthal und in der Heilanstalt Kennenburg, zu Hause verständnisvoll gestützt von seiner Frau und Schwägerin Emma Closs, geb. Knorr.

Schließlich erfuhr Mayer doch noch zahlreiche öffentliche Anerkennungen und Ehrungen, auch aus England, wo ihm vorübergehend James Prescott Joule den Entdeckerruhm streitig machte, und er erhielt vom württembergischen König den Personaladel. Bei einem Kongress in Innsbruck stellte er allerdings seinen Lehrsatz „Nichts entsteht aus Nichts“ in Frage, versteifte sich entgegen des Darwinismus auf einen Schöpfergott und riskierte seinen wissenschaftlichen Ruf: verkannt als irrer Provinzarzt,  in der Welt der Physik nicht ernst genommen  – „ein genialer Spinner“.

Am 20. März 1878 starb der „größte Sohn der Stadt Heilbronn“, dessen Grabmal im „Alten Friedhof“ zu finden ist. 1892 wurde er mit einem Denkmal gewürdigt, das heute wieder auf  dem ursprünglichen Platz am Marktplatz vor dem Rathaus steht. Nach ihm ist auch das Robert-Mayer-Gymnasium benannt, gibt es eine Robert-Mayer-Sternwarte und einen Robert-Mayer-Schulpreis. Und just im Anschluss an die Veranstaltung der „Jungen Senioren“ wurde als Höhepunkt des Mayer-Jubiläumsjahres in einem Festabend in der Harmonie eine offizielle 90-Cent-Sonderbriefmarke „Julius Robert von Mayer“, und der bekannte Wissenschaftler Ranga Yogeschwar würdigte Mayers Verdienste. Eingeladen waren auch über 30 Mayer-Nachkommen aus dem In- und Ausland, zurückgehend auf Mayers 1843 geborene älteste Tochter Elise.

Wie Heilbronn unter das Hakenkreuz kam – Stadtarchiv-Direktor Prof. Schrenk referierte über Heilbronn um 1933

Veranstaltung am 27. Januar 2014

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Prof. Dr. Christhard Schrenk (Foto: Rolf Gebhardt)

Es war eher Zufall, dass gerade am Tag des Gedenkens an die Nazi-Herrschaft und den Holocaust, dem auch 300 Heilbronner Juden zum Opfer fielen, bei den „Jungen Senioren“ das Thema auf dem Programm stand: „Heilbronn um 1933 – eine Stadt kommt unter das Hakenkreuz“. Darüber referierte der Direktor des Heilbronner Stadtarchivs, Prof. Dr. Christhard Schrenk, und über 140 Zuhörer/innen hatten sich dazu in dem überfüllten Saal des Hans-Rießer-Hauses eingefunden.

Anfang der 30er Jahre hatte Heilbronn rund 50 000 Einwohner und 38 000 Industriearbeitsplätze. Die Stadt  war eine Hochburg der SPD, die bei allen Wahlen die mit Abstand meisten Stimmen bekam. Die Nationalsozialistische Partei konnte lange Zeit in Heilbronn nicht richtig Fuß fassen. So schilderte Schrenk die örtliche Ausgangslage. Bei dem ersten Heilbronn-Besuch von Adolf Hitler im Mai 1926, wo er in der „Harmonie“ auf einer NSDAP-Versammlung sprach, wurde ihm und seinen Anhängern mit massiven Demonstrationen und bösem Affront begegnet; der Gemeinderat forderte gar Redeverbot im Lande für Hitler. 1932/33 gab es in Heilbronn hunderte von Kundgebungen von Sozialisten, Kommunisten und Hakenkreuzträgern. Doch seitdem Hitler Ende Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt worden war, wurden zunehmend SPD-und KPD-Funktionäre verprügelt, verhaftet, verurteilt, in U-Haft oder in „Schutzhaft“ genommen.

Doch noch bei der Reichstagswahl am 5.März 1933 in Heilbronn mit einer überdurchschnittlich hohen Wahlbeteiligung von 92 Prozent unterlag die NSDAP noch knapp der SPD. Aber wenige Tage darauf wurde die SPD-Tageszeitung „Neckar-Echo“ verboten und die „Vereinsdruckerei“ von der SA beschlagnahmt, und am 15.März der SPD-Abgeordnete Fritz Ulrich verhaftet.

Kommunalpolitisch brachen neue Zeiten an, ein Ende der Demokratie. Wie Schenk berichtete, wurde der Heilbronner Gemeinderat, der vordem noch eine Hakenkreuz-Beflaggung abgelehnt  und in dem die SPD elf und die NSDAP nur drei Sitze hatte, am 5. April 1933 aufgelöst, der seit 1921 amtierende Oberbürgermister Emil Beutinger (1975-1957) in der Sitzung am 26. April, der er krankheitshalber fernblieb, des Amtes enthoben. Neuer Bürgermeister wurde SA-Sturmbannführer Heinrich Gültig und 1. Beigeordneter Hugo Kölle, beide – wie Alfred Faber – bereits NSDAP-Gemeinderäte. Parteien wurden verboten und Gewerkschaften zerschlagen. Es kam zur Einparteien-Herrschaft, und in dem neu gebildeten Gemeinderat hatten die 24 NSDAP-Räte auch nur noch beratende Funktion. Fast alle Gemeinde-Bediensteten beantragten NSDAP-Beitritt.

Die brutale und systematische Machtergreifung in Heilbronn ist laut Schrenk ganz entscheidend mit der Person des NS-Kreisleiters Richard Drauz (1894-1946) verbunden, der eine – auch für damalige Verhältnisse – schlimme Gewaltherrschaft praktizierte. Zeitzeugen berichteten von ausufernden Trinkgelagen und Folterschreien aus dem „Braunen Haus“ an der Sülmerstraße.

Dieweil ging das Alltagsleben weiter. Beim Festzug am Tag der nationalen Einheit am 1. Mai 1933 versammelten sich 40 000 Personen auf der Theresienwiese.1934 wurde das Freibad  Neckarhalde eingeweiht und 1935 der Neckarkanal. Doch im „Dritten Reich“ dominierte auch in Heilbronn gesellschaftliche Gleichschaltung und Verfolgung von Andersdenkenden. Bereits am 28 März wurden 60 Gegner des NS-Regimes ins KZ Heuberg transportiert. Später entstanden Außenlager des KZ  Natzweiler im Elsaß in Neckargartach und Kochendorf. Honorige jüdische Bürger Heilbronns wie der Anwalt, Gemeinderat und gar Ehrenbürger Max Rosengart und der Jurist Dr. Siegfried Gumbel wurden verfolgt, jüdische Geschäfte „arisiert“ (aus dem Kaufhaus der Gebr. Landerer an der Kaiserstraße wurde das Kaufhaus Beilharz), und auch die stattliche Synagoge wurde in der Nacht zum 10. November 1938 in Brand gesetzt.

Schrenk verwies aber auch auf Widerstand und erwähnte insbesondere die Kaiser-Riegraf-Gruppe (mit den Ehepaaren Sascha und Dr. Karl Kaiser sowie Trude und Helmut Riegraf), Sympathisanten der sozialistischen Arbeiterpartei (SAP), die mit verdeckten Plakat- und Flugblatt-Aktionen agierten und 1938 wegen Hochverrat zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden.

Das Ende ist bekannt: Fast 7000 Heilbronner fielen der britischen Bombardierung am 4. Dezember 1944 zum Opfer, und insgesamt gab es im „Tausendjährigen Reich“ 11 000 Heilbronner Kriegstote.

Hedwig Heuss war jahrelang die First Lady – Annette Geisler vom Stadtarchiv würdigte unbekanntere Heilbronnerinnen

Veranstaltung vom 8. April 2013

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Annette Geisler, Stadtarchiv Heilbronn (Foto: Rolf Gebhardt)

Heilbronner Frauen? Da fällt einem auf Anhieb fast automatisch das „Käthchen von Heilbronn“ ein. Doch diese Kleist-Figur hat ja eigentlich nichts mit Heilbronn zu tun. Dabei gab es in der jüngeren Geschichte Heilbronns genügend Heilbronnerinnen mit interessanten Lebensschicksalen, die – auch wenn sie weithin nicht so bekannt (geworden) sind – es verdient haben, öffentlich bekannt(er) gemacht zu werden. Annette Geisler, Bibliothekarin beim Stadtarchiv Heilbronn, befasst sich seit längerem mit der Erforschung Heilbronner Frauenbilder und präsentierte bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Reißer-Haus einen bunten Strauß Heilbronner Frauenpersönlichkeiten.

Annette Geisler begann mit einer Frau Heuss. Aber sie meinte nicht jene Elly Heuss-Knapp, die 44 Jahre lange die Ehefrau des Journalisten, Politikers und ersten deutschen Bundespräsidenten Theodor Heuss war und die auch einem Heilbronner Gymnasium ihren Namen gegeben hat. Es geht um Hedwig Heuss, die Frau des älteren Bruders von Theodor Heuss, Ludwig Heuss (1881-1932): Dieser hat die 1883 in Reutlingen geborene Hedwig 1908 geheiratet. Er selbst war Stadtarzt und Schularzt in Heilbronn, wo auch Hedwig Heuss die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte. In ihrem Haushalt hat sich auch Theodors Heuss`einziger Sohn, Ernst Ludwig (1910-1967), oft aufgehalten; Hedwig hatte auch einen Sohn: Conrad Heuss (1914-45). Als Arzt-Gattin war die gelernte Krankenschwester Hedwig stark sozialfürsorgerlich engagiert. So stellte sie den Heilbronner Frauenverein auf die Beine, der sich dafür einsetzte, dass Heilbronner Müttern ausreichend spendenfinanzierte Milch in sterilisierte Form zur Verfügung gestellt wurde. Denn die damals hohe Kindersterblichkeit – 38 Prozent in Böckingen – wurde vielfach auf verdorbene Milch zurück geführt. Sie setzte sich auch mit ein für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für minderbemittelte Frauen; so wurden im I. Weltkrieg Uniformmäntel zum Ausbessern nach Heilbronn gebracht

Interessant: Hedwig war länger „First Lady“ als Elly, denn nach deren Tod am 19. Juli 1952 nahm Theodor Heuss seine Schwägerin als offizielle Begleitung in seiner Amtszeit (1949-1959) mit aufs diplomatische Parkett, wo die „lebenskluge uneitle“ Frau auch mit der Königin von England und dem Kaiser von Äthiopien zusammen kam. Und sie übernahm auch ganz selbstverständlich den Vorsitz im von Elly 1950 gegründeten und geleiteten Muttergenesungswerk.

Theodor Heuss, war der erste, der nach dem Krieg die Ehrenbürgerschaft der Stadt Heilbonn bekam, übrigens zeitgleich mit dem ersten Innenminister des Landes, Fritz Ulrich (1888-1969). Ulrichs Frau Berta stammte auch aus Reutlingen (1890 geboren), war dort Direktrice. Auch sie stand ihrem Mann stets couragiert zur Seite, insbesondere während seiner von den Nazis erzwungenen Zeit als „tausendjähriger Wengerter“, so mit einem Nähbedarfsgeschäft. Wie Geisler erkundete, veröffentlichte Berta Ulrich bereits 1939 eine regelrecht revolutionäre Schrift, „Der menschliche Weg“, in der sie postulierte, dass Kinder Aufziehen eine gesellschaftliche Aufgabe sei und man die Menschen ab 55 Jahre von Erwerbsarbeit freistellen sollte, damit sie ihre Talente anderweitig einbringen könnten.

Dann Wilhelmine Mayer, Tochter des Stadtschultheißen, seit 1842 die Frau des berühmten Heilbronner Arztes Dr. Robert Mayer (1814-1878), dem Entdecker physikalischer Grundgesetze. Laut Geisler war die Arztfrau, die sieben Kinder das Leben schenkte, ihrem Mann in allen Stürmen des Lebens eine getreue Stütze, insbesondere seitdem er (ab 1850) immer wieder von Depressionsanfällen heimgesucht wurde.

Schließlich Victoria Wolff (1903-1992), wohlsituierte Tochter des Lederwarenfabikanten Victor und Cousine von Albert Einstein. Sie war erst mit dem Heilbronner Textilfabrikanten Dr. Alfred Max Wolf verheiratet, im Exil in den USA mit Dr. Erich Wolff. Als Drehbuchautorin und Schriftstellerin kam sie in Kalifornien zu großem Ansehen, besuchte nach 1949 auch immer wieder Heilbronn.

Die erste junge Frau, die in Heilbronn Abitur machte, war laut Geisler die 1886 geborene Lina Marquardt, deren Eltern durchsetzten, dass Lina 1907 „unspektakulär“ am Karlsgymnasium Abitur machen konnte; sie wurde später Medizinerin und Bildungspropagandistin.

Annette Geisler hat noch zahlreiche weitere Heilbronnerinnen würdigen können.

Aus dem Noller-Haus ist das Kilianshaus geworden . . . und die Wirkungsstätte der Heilbronner Citykirche sowie des Weltladens

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Blickfang in der Kirchbrunnenstraße – das Kilianshaus (Foto: Archiv)

Einen doppelten „Blick hinter die Kulissen“ erlebten die „Jungen Senioren“ beim Besuch des Kilianshauses in der Kirchbrunnenstraße 32 in Heilbronn: Sie erhielten Informationen über das Pfarramt Citykirche Heilbronn und über den Weltladen Heilbronn.

Die meisten der über 80 Besucher/innen kannten das Kilianshaus noch als „Noller-Haus“, das jahrzehntelang eine der prominentesten Adressen der Heilbronner Innenstadt war. Die Institution „das Noller“ hatte begonnen mit einem Fisch-Restaurant am heutigen Insel-Café, ehe Gottlob Noller 1931 in der Kirchbrunnenstraße ein Kaffeehaus eröffnete, das dem Bombenangriff am 4. Dezember 1944 zum Opfer fiel. Nach dem Krieg wurde in einem Flachbau eine gastliche Stätte eingerichtet. 1957 erhielt das Haus weitgehend seine spätere Gestalt. 1969 übernahm der Sohn des Gründers, der 30jährige Konditormeister John Noller, die Regie und baute das Haus 1986 groß um, mit einer preiswürdigen Fassade. Im Jahr 2000 musste das renommierte Café jedoch schließen,weil die Kontrollbehörde die Küche als zu klein befand. Die Konditorei wurde noch bis Ende 2009 weiter geführt, bis John Noller und seine Frau Gerlinde in den Ruhestand traten.

Da bot sich für die Evangelische Kirche Heilbonn die einmalige Gelegenheit, direkt gegenüber der stattlichen Kilianskirche eine zentrale Wirkungsstätte zu etablieren. Für gut zwei Millionen Euro wurden die beiden Gebäudeteile des Hauses grundlegend umgebaut. Der bestehende Erker wurde ein die Neuplanung aufgenommen, die Fassade in Anlehnung an die Kilianskirche mit regionaltypischem hellem Sandstein ausgestaltet, versehen mit großen quadratischen und schmalen Fensteröffnungen, in denen sich die Kilianskirche spiegeln kann.

Im Kilianshaus hat nun auch das Pfarramt der Kiliansgemeinde seinen Sitz, da das alte Kiliansgemeindehaus an der Olgastraße – auch zum Zwecke der Mitfinanzierung des Kilianshauses – verkauft worden ist. Auf der gleichen Etage befindet sich das Pfarramt der Citykirche Heilbronn. Im zweiten Stock kommt man in die Sitzungsräume und den unterteilbaren Gemeindesaal der Kiliansgemeinde, der allerdings platzmäßig den Ansturm der „Jungen Senioren“ kaum fassen konnte. Im östlichen Teil des Untergeschosses hat der Weltladen – als Ankermieter – seinen Platz. Und ganz oben im Kilianshaus genießt der Ex-Hausbesitzer John Noller, der sich bei seiner früheren Kundschaft noch großer Beliebtheit erfreut, mit seiner Familie Wohnrecht auf Lebenszeit.

City-Pfarrerin Gunhild Riemenschneider freut sich, dass sie seit einem Jahr im Kilianshaus eine ständige und repräsentative Bleibe gefunden hat. Sie legt aber wert auf die Feststellung, dass das Interieur sehr nüchtern, schlicht und ohne Schnickschnack ausgestattet ist, aber hell, freundlich und raktisch. „Das ermöglicht eine gute atmosphärische Konzentration.“ Frau Riemenschneider, die sich bereits als Gemeindepfarrerin sowie als Hochschulseelsorgerin bewährt hat, sieht in ihrer Pfarrstelle „mitten in der Stadt und mitten in der Gesellschaft“ eine große Chance, Menschen, die der Kirche nicht „gebunden“ nahe stehen, zu erreichen.Spiritualität seht dabei für die Pfarrerin, die auch studierte Gestalttherapeutin, Meditationslehrerin und Supervisorin ist, ganz oben. So gibt es nicht nur im Kilianshaus Angebote (Leserkreis Publik Forum sowie diverse theologische und andere Kurse, sondern auch und erst recht in der gegenüberliegenden Kilianskirche: so jeden Dienstag und Donnerstag um 12.15 Uhr 15 Minuten „Atempause“ und zwischen 15 und 17 Uhr „Offene Tür“ für Gespräche, Seelsorge und Beratung. „Wir spüren, dass hierfür ein Bedarf besteht“, meint Riemenschneider, die betont, dass angesichts der insgesamt nachlassenden Kirchlichkeit – es gibt in Heilbonn seit Jahren mehr christliche Beerdigungen als Taufen – die Kirche kleiner und anders werden muss. Pfarrerin Riemenschneider ist zudem Vorsitzende der Evangelischen  Erwachsenenbildung Heilbronn und damit auch Mitglied im Beirat der „Jungen Senioren“.

Bärbel Sticher vom Team des Weltladens, der geleitet wird von Sabine Murthum, stellte die Konzeption des Heilbronner Weltladens vor. Er fungiert als Projekt der Jugendwerkstätten der Diakonischen Jugendhilfe und sieht sich wie die anderen 800 Weltläden in Deutschland als Fachgeschäft für fairen Handel in Kooperation mit der GEPA und anderen zertifizierten Einkaufsorganisationen, die die Partnerschaft mit Kleinerzeugern in der Dritten Welt fördern.