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Wenn die Freunde meiner Freunde meine Freunde sind – Facebook, Twitter & Co: Wie soziale Netzwerke unsere Gesellschaft verändern

like-facebookDa war selbst der junge Referent erstaunt, welch großes Interesse die“Jungen Senioren“ dem Thema rund ums Facebook, Twitter & Co entgegenbringen.. An die 100 ältere – aber auch mittelalterliche und neue – Besucher/innen wollten im Hans-Rießer-Haus von Adrian Saile, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule für Medien in Stuttgart, erfahren, wie soziale Netzwerke unsere Gesellschaft verändern – und nach der Kaffeepause angeregt darüber diskutieren.

Am Anfang stand das Zitat eines 19Jährigen, der bekannte, in einer Generation „online“ aufgewachsen zu sein, die sich eine Welt ohne Internet, Handy und Smartphone gar nicht vorstellen kann, wo doch die aktuelle Informations- und Kommunikationsgesellschaft, das private wie das öffentliche Leben, zunehmend von digitalen Medien und sozialen Netzwerken geprägt wird.

Unter sozialem Netzwerk versteht man, so Saile, die Gesamtheit der sozialen und kommunikativen Beziehungen von Internetz-Nutzern in einem gemeinschaftlichen Netzwerk, einer Netzgemeinschaft. Größtes soziales Netzwerk ist Facebook, 2004 von dem damals 20jährigen Harvard-Studenten Mark Zuckerberg (heute vielfacher Milliardär) gegründet, mit inzwischen weltweit 1,2 Milliarden Nutzern, davon über 25 Millionen registrierte Nutzer in Deutschland, also fast jeder dritte Bundesbürger. Auf dieser digitalen Plattform, die derzeit in 49 Sprachen verfügbar ist, steht nach Sailes Ansicht das Gemeinschaftsgefühl im Mittelpunkt. Jeder Nutzer besitzt eine Profilseite, auf der er sich vorstellen, Beiträge veröffentlichen und Fotos oder Videos hochladen kann. Nutzer können sich als virtuelle “Freunde”‘ verbinden, die Beiträge von anderen Nutzern mit der ‚”Gefällt-mir”-Funktion markieren und miteinander chatten. Saile: “So kommt es, dass die Freunde meiner Freunde und deren Freunde und so weiter auch meine Freunde sind und ich innerhalb kurzer Zeit hunderte, ja abertausende Freunde haben kann.”

Das mit weltweit 870 Millionen Nutzern zweitgrößte soziale Netzwerk, der online-Dienst Twitter (“Gezwitscher”), dient zur Verbreitung von Kurznachrichten (“Tweets”) mit maximal 140 Zeichen, also telegrammartig, in Echtzeit im Schneeballsystem. Von Twitter stammt ein Rautezeichen (“Hashtag”), das einen Text einem Thema zuordnet oder kommentiert. YouTube gehört zu den Internet-Videoportalen, auf denen die Nutzer kostenlos Videos ansehen, hochladen und bewerten können. Flickr und Instagram sind Anwendungen für internetfähige Mobiltelefone (“Apps”), mit denen die Nutzer Fotos und Videos erstellen und verfremden können. Andere Nutzer können die Fotos ansehen, verwenden oder kommentieren. Ein professionelles Netzwerk ist das deutsche Xing, bei dem berufliche Themen im Vordergrund stehen.

Wie Saile darlegte, verbringen Bundesbürger nach Ermittlungen von 2010 im Schnitt täglich 220 Minuten mit Fernsehen, nur noch 23 Minuten mit Tageszeitung-Lesen, aber 83 Minuten – mit zunehmender Tendenz – im Internet. Von den unter 30Jährigen ist fast jeder (98,6 Prozent) online, von den über 60Jährigen aber auch schon fast 40 Prozent.

Der Medienwissenschaftler stellte heraus, dass soziale Netzwerke für die heranwachsende Generation wie für die ins Berufsleben eingetretenen jüngeren Leute unverzichtbares Kommunikationsmittel geworden sind, “quasi alternativlos”, um mit Freunden, Kameraden und Kollegen in Verbindung zu stehen, sich zu informieren, zu orientieren oder zu verabreden.. Saile sieht darin eine Denokratisierung der Informationshoheit mit entsprechenden Auswirkungen auf den Journalismus, könne doch jeder jederzeit “bloggen” und Bilder ins Netz stellen. Saile erinnerte daran, dass der “Arabische Frühling” durch online-Nutzer ausgelöst wurde..
Soziale Netzwerke stehen generell kostenlos zur Verfügung, und für die gigantisch wachsenden Speichermengen werden riesige Rechenzentren laufend ausfallsicher ausgebaut werden. Dahinter steht das Interesse der Wirtschaft, die die Aufmerksamkeit der Nutzer für Werbebotschaften in Anspruch nimmt. Was einmal im Netz steht, bleibt erhalten, und so lässt sich aus der Summe der Daten über den Nutzer ein recht stimmiges Profil erstellen. Aber offensichtlich ist den Nutzern dieser lasche Datenschutz nicht so wichtig wie die Bereitschaft, freiwillig persönliche Daten mit vielen Menschen zu teilen. “und wenn Du damit anfängst, wird es unersetzlich für Dich.”

Wie Internet und Handy unser Leben verändern – Informatik-Professor Meroth informierte über Möglichkeiten und Risiken

Veranstaltung vom 18. März 2013

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Prof. Dr. Ansgar Meroth im Hans-Rießer-Haus
(Foto: Rolf Gebhardt)

Die technologische Entwicklung der neuen Kommunikationsmedien schreitet in einem rasanten Tempo voran, und viele kommen da gar nicht mehr richtig mit. „Die Welt auf einen Klick – wie Internet und Handy unser Leben verändern.“ Darüber informierte Prof. Dr. Ansgar Meroth von der Hochschule Heilbronn im Hans-Rießer-Haus die „Jungen Senioren“

Für die heranwachsende Jugend und für junge Menschen überhaupt ist ein Leben ohne Handy und Internet unvorstellbar; das gehört ganz selbstverständlich zu ihrem Leben, „wie Sonne und Regen“, wie Meroth von seiner zwölfjährigen Tochter berichtete. Für die ältere Generation ist ein solcher Fortschritt keineswegs Lebensinhalt. Wie eine kurze Umfrage im Zuhörerkreis ergab, sind zwar eine ganze Reihe im Besitz eines Handys, „zum Telefonieren im Notfall“, doch längst nicht die Mehrheit hat einen Computer, noch weniger gehen ins Internet, und nur ganz wenige verfügen über ein Smartphone. Diese „Ausbeute“ ist für Meroth keine Überraschung, denn er weiß aus Umfragen, noch sind 20 Millionen Bundesbürger „bewusst offline“, halten wenig von PC und dergleichen.

Meroth, in Karlsruhe promovierter Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik, hat sechs Jahr in der Bosch-Entwicklung gearbeitet, ehe er im Heilbronner Campus die Professur für Informatik und Informationswesen im Studiengang  Automotive Systems Engineering der Fakultät für Mechanik und Elektronik übernahm. Er ist spezialisiert auf Informations- und Hilfssysteme für das Auto, an der Schnittstelle von Mensch und Auto, wo auch wirklich große Fortschritte an Bedienungskomfort, Sicherheit und Information realisiert werden, „nicht zuletzt durch installierbare mobile Apps“.

Doch wie ist das generell mit der modernen Kommunikationstechnik, insbesondere mit der  „elektronischen Welt in der Tasche“ und dem verantwortungsvollen und bewussten Umgang damit?

Gang und gäbe ist das Mobiltelefon, in der deutschen Umgangssprache Handy genannt. Vorläufer gab es in Deutschlands schon zu Zeiten der Weimarer Republik. In den 60er Jahren wurde es – wie das Intrnet – in den USA für militärische Zwecke entwickelt und fortlaufend der kommerziellen Nutzung zugefügt und durch Einführung flächendeckender Mobilfunknetze quasi Allgemeingut.Marken wie Samsung, Nokia, Apple und auch Blackberry kennen (fast) alle. Mobiltelefone, die noch mehr Computerfunktionalität als Handys bieten, sind Smartphone. Sie sind nicht nur – wie schon viele moderne Handys – mit Digital- und Videokamera ausgestattet, sondern haben eine immer breitere Anwendungspalette, oft mit hochauflösender berührungsempfindlichem Bildschirm, mit Zugang zu Standard- wie auch optimierten Webseiten. Die Vielzahl von Einstellungs- und Anwendungsmöglichkeiten dürfte viele – nicht nur ältere – Benutzer überfordern.

Meroth erörterte nicht nur, welche Möglichkeiten und Chancen Internet, Handy und Smartphone bieten,sondern auch wer was für die Dienste bezahlt und welche Risiken sich dahinter verbergen. Womit die Anbieter ihr Geld verdienen, konnte er auch nicht verbindlich erklären. So bleibt es ein Rätsel, dass für Apple eine Marktkapitalisierung von 313 und für Google von 166 Milliarden € angegeben wird, für den VW-Konzern lediglich 71 und für Daimler 49 Milliarden €. Wer „googlet“ zahlt in der Regel nichts, doch irgendwie zieht der Suchmaschinenbetreiber doch einen Vorteil  aus der Anfrage. Der Nutzer hinterlässt Spuren, die für Werbezwecke genutzt werden.

Dienstleistungen haben direkt oder indirekt ihren Preis, erst recht in dieser vernetzten Welt. Diese Erkenntnis vermittelte Meroth eindringlich und empfahl: „Wahren Sie kritische Distanz, schützen Sie Ihre Privatsphäre.“ Das gilt insbesondere für soziale Netzwerke wie Facebook. Und es gilt, die Heimnetzwerke abzusichern, stets zu prüfen,, ob die integrierte Firewall, die grundlegenden Schutz vor „Angreifern von außen“ bietet, auch wirklich aktiviert ist. Doch sich voll gegen Spams, Viren und Hacker abzusichern, ist schwierig bis unmöglich, auch wenn man sich einer WPA- Verschlüsselungsmethode mit Passwort von über 20 Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen bedient. Rechner sind generell angreifbar, und bei der immensen Datenfülle bleibt de Datenschutz mitunter auf der Strecke. Meroths Fazit: Die modernen Kommunikation erleichtern unser Leben, schaffen aber auch Gefahren. Da stellt sich die Frage nach mehr oder weniger Lebensqualität.