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Glück ist nicht nur Zufall, es ist jedem erreichbar – Pfarrer i.R. Peter Goes mit Zitaten, Regeln und Tipps für ein glückliches Leben

Veranstaltung vom 14. Januar 2013

Pfr.i.R. Peter Goes (Foto: Rolf Gebhardt)

Wer glaubte, alles – oder nichts – über Glück zu wissen, weiß darüber jedenfalls mehr nach dem Vortrag von Pfarrer i.R. Peter Goes bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus: Einleuchtend macht er bewusst, dass Glück nicht nur Zufall ist, sondern dass wir selbst etwas dafür tun können, psychische und spirituelle Kraftquellen des Glücks zu erschließen.

Peter Goes, vielen noch bekannt als früherer Krankenhausseelsorger in Heilbronn und auch als Lyriker (er ist Neffe des Literaten Albrecht Goes) – nahm man in diesem dichten Referat über eine eigentlich nicht  fassbare Thematik ab, dass er sich intensiv mit Psychologie und Glücksforschung auseinandergesetzt hat. Dass Glück heute Konjunktur hat, machte Goes gleich zu Anfang deutlich. Das Nachrichtenmagazin „Focus“ etwa widmete vor Weihnachten dem Glück eine elfseitige Titelgeschichte. Glückssymbole kennt jeder: Glückskind, Glücksfee, Glückspilz, Schornsteinfeger, Hufeisen, vierblättriges Kleeblatt. Auch Sprichwörter rund um das Glück sind jedem bekannt, so „Glück und Glas – wie leicht bricht das“ oder „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Und im Alter möchte wohl jeder auf ein glückliches Leben zurückblicken können. Glücksversprechen schließlich gibt es in Politik und Gesellschaft, in Wirtschaft und Konsum und in der Liebe.

Die Glücksforschung hat laut Goes erwiesen, dass glückliche Menschen, die also über ein hohes Maß an Freude, Zufriedenheit und Wohlbefinden verfügen, gesünder, lern- und leistungsfähiger, interessierter, kreativer, sozial kompetenter und sozialer eingestellt sind als andere. In der Neurobiologie, so Goes, hat man festgestellt, dass es im Hirn eine eigene Schaltstelle für Glücksgefühle gibt und zudem ein Glückshormon, geeignet zum Ausbau von Glücksgefühlen.

Goes hatte auch noch einige Regeln (Zitate) parat: „Glück hängt nicht davon ab, was du bist und tust, sondern von deiner Einstellung, Deinem Denken; dein Denken prägt dich und deine Seele.“ „Das Glück wartet überall; doch Glück existiert nur im Gefühl der Betroffenen.“ „Es ist schwer, das Glück in sich zu finden; doch es ist unmöglich, es woanders zu finden.“

Glück ist jedenfalls mehr als Geld, Reichtum, Status, Wirtschaftskraft und gutes Leben. Goes verwies auf den kleinen und armen Himalaja-Staat Bhutan, der versucht, jedes Jahr das „Bruttosozialglück“ seiner Bürger anhand von 72 Indikatoren zu messen. Wie es heißt, seien die 700 000 Bhutaner glücklicher als die Deutschen, denen man nachsagt, viele seien besessen von German-Angst“, von chronischer Unzufriedenheit auf hohem Niveau.

Goes zitierte die verstorbene Theologin Sölle: „Es muss doch noch mehr als alles geben!“. Also doch wohl eine unstillbare Sehnsucht nach Glück. Doch Glück ist keine Dauererscheinung, nicht stabil, eher flüchtig, lässt sich nicht unbegrenzt festhalten. Man kann Glück aber lernen, ihm Vorschub leisten. Goes zeigte ein kürzlich erstandenes Küchenbrettchen mit der Aufschrift: „Heute entscheide ich mich für das Glück“. Wie macht man das? Goes‘ Ratschläge: Mit dem Austeilen eines Lächelns, das man bestimmt – hoffentlich – zurück bekommt; mit Humor, der gewissen Abstand schafft, Situationen entschärft und entkrampft; mit einer Erwartungshaltung für Positives, mit Optimismus. „Je mehr Gutes und Schönes Sie erwarten, desto mehr werden Sie vermutlich in ihrem Leben davon wahrnehmen können; trainieren Sie diese Einstellung, und Ihr Glücksniveau wird kontinuierlich steigen“. So ein Glückstipp von Peter Goes.

Während in der amerikanischen Verfassung ein glückliches Leben als Menschenrecht regelrecht festgeschrieben ist, scheint Glück in Bibel und Theologie nicht vorgesehen zu sein, ist doch viel die Rede von Sünde, Tod und Teufel, bestenfalls von Gnade, wird Glück auf ein jenseitiges Leben verschoben.  Doch sagte Jesus Christus, der in seinem vertrauensvollen Gottesverhältnis der glücklichste Mensch gewesen sein soll, auch: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“. Er kannte also die Eigen- wie die Nächstenliebe und so wesentliche Voraussetzungen für Glück. Im Geborgensein im Glauben, im Lebensgefühl der Dankbarkeit wie der Hoffnung liegt Glück.

Goes brachte Transzendenz und Spiritualität, aber auch Ethik ins Spiel. Er zeigte aber auch „Glückskiller“auf. Das ist vor allem der Neid, eine Lebensorientierung, sich und seine Umstände zu vergleichen und zu bemessen. Goes:.„Seien Sie sie selbst, und genießen Sie das kleine Glück!“