Schlagwort-Archive: Ökumene

Ökumene muss von unten nach oben wachsen – Dekan i.R. Dieter Kunz machte Fortschritte und Hindernisse deutlich

Veranstaltung am 25. November 2013

2013-11-25 Ökomene_06akl(1)

Dekan i.R. Dieter Kunz beim Vortrag im Hans-Rießer-Haus.Bei den als Scheiben symbolisierten Volkskirchen lassen sich Schittmengen herstellen. (Foto: Rolf Gebhardt)

Als Dekan im Kirchenbezirk Göppingen wurde ihm bewusst, wie sehr die katholische Kirche die Theologenmangel im Hintertreffen war. 40 evangelischen Pfarrstellen standen acht katholische gegenüber, die mitunter ein halbes Dutzend Gemeinden versorgen mussten. Auf der Alb hörte er immer wieder, dass man „früher“ je nach Konfession bei einem katholischen Bäcker oder einem evangelischen Metzger eingekauft hat, dass die Evangelischen „Wüstgläubige“ genannt wurden und die sich gegenüber „den anderen“ mit „Kreuzteufel“ revanchierten.

Inzwischen sind in den meisten Ortschaften ökumenische Bibelabend und ökumenische Schulgottesdienste selbstverständlich. Auch ökumenische Trauungen sind mittlerweile keine Seltenheit mehr, wenngleich nach Kunz‘ Beobachtungen sie oft nur mit Rücksicht auf die Verwandtschaft kirchlich begangen werden und die Ehegatten „ihrer“ Kirche meist distanziert gegenüber stehen. Zum besseren Verständnis und zur gegenseitigen Akzeptanz der Konfessionen hat wohl auch die Bevölkerungsmischung nach dem Krieg beigetragen, in dem Flüchtlinge und Vertriebene aus konfessionell geprägten Gebieten bewusst schwerpunktmäßig anders ausgerichteten Landstrichen zugewiesen wurden. Für die Neuankömmlinge wie für die Einheimischen, so Kunz, war das vielfach ein schwieriger und mühseliger Weg voller Belastungen und Vorbehalte.

Fast 500 Jahre nach der Reformation, die so viel Schrecken, Verwerfungen und blutige Kriege nach sich gezogen hat, haben sich die Wogen der streitbaren Auseinandersetzungen geglättet, macht sich vor allem auf Gemeindeebene eine ökumenische Vertrautheit breit. Doch „oben in der  Kirchenführung“, insbesondere seitens des Vatikans, gibt es noch Spannungen und Irritationen. Dabei hatte man sich doch vor 50 Jahren im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) unter Papst Johannes XXIII. vielversprechende Schritte in Richtung der Wiederherstellung der Einheit der christlichen Kirche versprochen. Kunz möchte zwar nicht von einer vorübergehend eingetretenen „Eiszeit“ sprechen, aber eine Reihe von Rückschlägen hat es seitdem gegeben.

Kunz nannte in diesem Zusammenhang die unglückselige Formulierung in der Erklärung „Dominus Jesus“ vom 6. August 2000, dass die reformatorischen Kirchen „Gemeinschaften, nicht Kirchen  im eigentlichen Sinne“ seien. Gerade der deutsche Papst Benedikt habe dem Land der Reformation keine ökumenischen Impulse bringen können, im Gegenteil Rückschritte. Dass dem theologischen Gelehrte auf dem Heiligen Stuhl Petri mit dem neuen Papst Franziskus ein Pragmatiker und Lebenskenner gefolgt ist, sieht Kunz als Hoffnungszeichen auch für die spezifisch deutsche Ökumene. Zwar sei stets die Rede von der großen katholischen Weltkirche mit institutionalisiertem Lehramt und 1,2 Milliarden Gläubigen, doch seien die Glaubensausprägungen zwischen Polen und New York, Afrika und Lateinamerika ähnlich groß wie in der Vielfalt der protestantischen Kirchen.

Natürlich weiß Kunz um das Trennende zwischen Katholizismus und Protestantismus, etwa in der – durchaus löchrigen – Sukzession der päpstlichen Nachfolge bis hin zur Priesterweihe oder der  Wandlung bei der Eucharistiefeier gegenüber der Symbolhandlung des evangelischen Abendmahls. Aber von Luthers Reformation habe auch die katholische Kirche profitiert, so hinsichtlich ihrer Erneuerung, der Gottesdienste in der Landessprache sowie des Reichtums an geistlicher Musik.