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Mit Christus Versöhnung und Frieden sichern – Prälat Harald Stumpf legte die Jahreslosung aus: Für Willkommenskultur

2015-01-12_08aa

Prälat Harald Stumpf (Foto: Rolf Gebhardt)

Drei Jahre nach seinem Antritt als Prälat des Sprengels Heilbronn hat Harald Stumpf – zum zweiten Mal – das neue Jahr im Programm der „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus eröffnet. Der Prälat, der vordem sechs Jahre lang Dekan des Kirchenbezirks Freudenstadt war und jetzt der Bischofsvertreter für 15 Dekanate ist, beeindruckte „als Theologe, als Kunstliebhaber und – für uns besonders wichtig, ihn so kennenzulernen – als Mensch“, wie das moderierende Beiratsmitglied Kurt Pöhler feststellte. Pöhler hatte eingangs mit einem Gedicht von Eduard Mörike begonnen, das just Prälat Stumpf seiner Neujahrspredigt 2015 in der Kilianskirche vorangestellt hatte.

Im Mittelpunkt von Stumpfs Referat stand die Jahreslosung 2015 aus dem „Römerbrief“ des Apostels Paulus: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob,“ untermalt von einem sinnbildhaften Gemälde mit vier Händen von der behinderten Künstlerin Annerose Eberle. Dieses Bibelwort, so Stumpf, könnte nicht dringlicher sein in dieser Zeit des Umbruchs und der großen Verunsicherung, wo man besorgt nach Richtungsweisung sucht.

Alle Zeiten seien immer mehr oder weniger schwierig, so auch damals zu Beginn unserer Zeitrechnung in Rom, als Paulus aus Korinth das Lehrschreiben an die noch junge christliche Gemeinde in Rom richtete, mit der Botschaft, sich nicht zu entzweien. Die ersten Christen in der multiethnischen Metropole Rom seien vermutlich jüdischer Abstammung gewesen und mit den nachfolgenden „Heiden-Christen“ – weil weniger „gesetzestreu“ – in Konflikt geraten. „Die Gemüse-Esser verachteten die Fleisch-Esser und umgekehrt“, meinte Stumpf, und um diesem und anderem Problem untereinander zu begegnen, erging die Aufforderung, sich gegenseitig zu akzeptieren und anzunehmen, weil auch Christus euch – und uns – bedingungslos liebt. Schon für Paulus gelte vor Gott kein Mensch als gerecht, weil er Gesetze befolge, sondern nur, weil Gott in Christus ihm seine Liebe geschenkt habe, und in dieser christlichen Freiheit könnten wir glauben und bei Gott sein. „Unter dieser Prämisse war und ist es leicht möglich, echt Freund zu sein.“sein.“

Für Stumpf ist die Jahreslosung mehr als ein guter Vorsatz für das neue Jahr. Sie sei in Paulus` Sinne eine Ermahnung an die Starken, für die einzutreten, die sich nach Geborgenheit und Teilhabe sehnen, den Gedemütigten, Benachteiligten und Verfolgten Hilfen zur Erlangung von Schutz und Sicherheit zu geben. Diesbezüglich stünden wir heute angesichts der krisenhaft zugespitzten weltpolitischen Situation vor der großen Herausforderung, Flüchtlinge anzunehmen und zu unterstützen. Der theologische Zuspruch und Anspruch des Evangeliums könne helfen, in dieser stürmischen Großwetterlage eine Kultur der Versöhnung und des Friedens zu schaffen, eine „Willkommenskultur“, denn „Gott mag es bunt, ist Gott einer bunten Gesellschaft.“

Wie bei den Urchristen unterschiedliche Auslegungen nicht zu Zwist und Streit führen sollten, dürften auch heute keine Feindschaften zwischen den Religionen entstehen. So sind laut Stumpf die Begrüßungsformen im Hebräischen wie im Arabischen ähnlich: Schalom und Salam (alaikum), also Friede (sei mit euch). Allen Ängsten, Verunsicherungen und Vorurteilen zum Trotz gelte das Bemühen um „Gesundheit in den Beziehungen“, auch mit Muslimen, für Frieden in den Umständen und Gegebenheiten.  Gewalt schaffe allerdings eine Trennungslinie. Doch mit friedfertigen Muslimen müsse ein Schulterschluss für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit gefunden werden.

Der Prälat verwies auf ein Kunst- und Versöhnungsprojekt des Evangelischen Paul-Distelbarth-Gymnasiums Obersulm, das er ach zum Inhalt seines Neujahrsbriefs 2015 gemacht hat. Die Schüler haben bei einem gemeinsamen Aufenthalt mit der britischen Harris School in Rugby in der Nähe von Rom ein 20teiliges farbiges Kunstprojekt für Frieden und Versöhnung erarbeitet. Stumpf: „Es war die englische Luftwaffe, die vor 70 Jahren Heilbronn zerstört hatte, und es war die deutsche Luftwaffe, die durch einen Luftangriff über 4000 Häuser von Coventry zerstört hatte. Mitten in den Ruinen rief der damalige Domdekan der Pfarrkirche von Coventry in der Weihnachtsmesse zur Versöhnung auf. Aus diesem Ruf zur Versöhnung entstand die internationale Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry“, der neben dem Evangelischen Gymnasium auch die Evangelische Tagungsstätte Löwenstein und die Heilbronner Kilianskirche angehört.