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Medien und Bilder nicht immer vertrauenswürdig

Matthias Treiber, Pfarrer und Journalist, geht Manipulationen auf den Grund (Veranstaltung vom 3. Dezember 2012)

(Foto: privat)

(Foto: privat)

Wie verlässlich sind Informationen in den Medien? Eine kritische Sichtweise für die Nutzung von Zeitung und Fernsehen vermittelte den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus Matthias Treiber. Der Pfarrer der Matthäus-Gemeinde in Heilbronn-Sontheim hat nicht nur Theologie studiert, sondern auch Journalistik (an der Uni Hohenheim) und praktische Erfahrungen in der Evangelischen Rundfunkagentur und bei einer Wochenzeitung. Er ist überdies als Pressepfarrer verantwortlicher Redakteur der wöchentlich erscheinenden „Evangelische Information“ der Gesamtkirchengemeinde Heilbronn, und er stellt als Beiratsmitglied der Jungen Senioren deren Veranstaltungsberichte ins Netz: http://www.junge-senioren-heilbronn.de

Auf der Leinwand zeigt Treiber das Foto einer jungen Bikini-Dame und fragt, wie diese Frau wohl heißt. Sie kann nur Eva sein, denn sie hat keinen Bauchnabel. Den hat der Fotoretuscheur bei der Bildbearbeitung dummerweise weggelassen bzw. überspielt. Dies ist nur ein Beispiel von Bildmanipulationen, die Treiber darstellt. Ein anderes Foto etwa zeigt einen einsamen Eisbären auf einer winzigen Eisscholle – ein Symbolbild zwar für den Klimawandel, das jedoch jeder Realität entbehrt, wie Treiber ermittelte. Bildmanipulationen sind heute per Computer bzw. Fotoshop ziemlich komplikationslos machbar, und Treiber meint deshalb, dass Täuschungen und Irreführungen durch Bilder leichter und gefährlicher sind als durch Texte.

Der Pfarrer und Journalist Treiber rät also, Bilder gegebenenfalls misstrauisch zu betrachten. Das Visuelle spielt in den Medien schließlich eine immer wichtigere Rolle. Bilder sind Blickfang, wecken Emotionen und erregen auf Anhieb deutlich mehr Aufmerksamkeit als Texte. Bei Zeitungen sieht fast jeder erst einmal auf die Bilder, meist liest er auch noch die Bildunterschrift, dann – schon weniger – die Überschrift des dazu gehörigen Artikels, und noch deutlich weniger lesen den ganzen Artikel. Bei Tagesschau-Nachrichten: „Wenn wir Bilder sehen, hören wir oft nicht mehr oder zumindest nicht genau auf den Wortbericht“, so Treiber. Im Zweifel glaube man Bildern.

Das Bild kann und soll an sich schon einen ganze Geschichte erzählen. Und wenn ein Fotograf von einem Ereignis eine ganze Serie von Bildern geschossen hat, deckt sich das veröffentlichte Bild nicht immer mit dem Sachverhalt, der ihm in der Presse zugeordnet wird. Treiber bewies das auch anhand von Bildern und Filmausschnitten im Zusammenhang mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt. Misstrauen sei insbesondere angebracht bei Bildnachrichten von der Nahost-Krise.Sie seien oft Propaganda mit politischer Absicht, „sie illustrieren nur, beweisen aber nichts“, behauptet Treiber. Solche Verfälschungen seien auch nicht immer den Zeitungsredaktionen anzulasten, denn diese bezögen einen Gutteil ihrer Veröffentlichungen von (internationalen) Nachrichtenagenturen.

Aber auch Wort und Text sind nicht immer vertrauenswürdig, meint Treiber und hinterfragt, wer die dominierenden Themen setzt. Jahrzehntelang habe „Der Spiegel“ in Deutschland die Meinungsführerschaft gehabt.In letzter Zeit habe diese Rolle eher die „Süddeutsche Zeitung“ übernommen und werde von Pressekollegen als Meinungsblatt gelesen. Habe man einen publizistische Wellen schlagenden Vorgang, werde er immer wieder kommuniziert, werde er zum medialen Selbstläufer. Bei „Bild“ gelte wohl, dass eine Meinung durch Recherche untermalt werde.

Generell kritisiert Treiber, dass der angelsächsische Grundsatz der Trennung von Meinung und Bericht in der deutschen Presse nicht immer eingehalten werde. Zwar gebe es in den Zeitungen zumeist eine ausgewiesene Kommentarspalte, doch vielfach kämen auch in objektiv erscheinenden Berichten Features – Meinungsäußerungen zum Ausdruck. Selbst bei bester Absicht seien auch Redaktionsmitglieder nicht frei von eigenen Gefühlen und Interessen, gibt Treiber zu bedenken und verweist auf durch Informationsfülle, Platz, Layout und Zeitdruck gegebene Zwänge. Hinzu komme, dass nun einmal schlechte Nachrichten für die Presse gut Nachrichten seien.

Treiber verkennt nicht, dass gedruckte Zeitungen – Printmedien – es zunehmend schwieriger haben, da die jungen Leute immer weniger lesen, und wenn, dann Laptop ober besser iPad, Smartphone,  Tablet-Computer bevorzugen, – mit kurzen Texten. Treiber hofft aber, „dass Qualitätsjournalismus, Presse- und Meinungsfreiheit auch im digitalen Zeitalter ihren hohen Stellenwert haben.“