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Gesellschaftliche Herausforderungen des Alters – Mit ehrenamtlichem Engagement Lebens- und Berufserfahrung einbringen

Veranstaltung vom 10. Dezember 2012

Foto: (c) IStock

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Höre nie auf, anzufangen, etwas Neues zu lernen und höre nie auf, zu lernen.“ Diesen Rat gab die stellvertretende Vorsitzende des Landesseniorenrats Baden-Württemberg, Eva Balz, den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus mit, um sich den „gesellschaftlichen Herausforderungen im Alter“ zu stellen. Eva Balz, jetzt wohnhaft und mit vielen Aktivitäten vernetzt in „LE“ (Leinfelden-Echterdingen), stammt „aus einem musikalischen Pfarrerhaushalt in Heilbronn“. Ihr Vater, Pfarrer Erwin Schwab, war seinerzeit eine Institution in Böckingen.

Der Landesseniorenrat, dem 33 Verbände und Organisationen (u.a. Diakonie, Caritas, VDK, AWO, Deutsches Rotes Kreuz, Volkshochschulverband, Landessportverband, Schwäbischer Turnerbund)  angeschlossen sind, vertritt 2,6 Millionen Bürger über 60 Jahre in Baden-Württemberg, also ein Viertel der Bewohner des Landes mit ihren Interessen und Belangen, Sorgen und Nöten, ist Anwalt  ihrer Anliegen gegenüber der Landesregierung, „wo wir immer ein offenes Ohr finden“, erklärte Balz einleitend. „Wir werden in Stuttgart ernst genommen und bei allen Gesetzesvorhaben, die die ältere Generation direkt betreffen, mit eingebunden“. So etwa beim Pflegeheimbauordnungsgesetz, wo der Landesseniorenrat darauf gedrängt habe, dass sich in den Pflegeheimen der Ein-Bett-Zimmer-Standard durchsetzt,  „um weitere Voraussetzungen zu schaffen, in Würde alt zu werden.“

Balz bekräftigte, dem demografischen Wandel müsse auf allen Feldern konsequent Rechnung getragen werden. Entscheidend für die Gesellschaft sei nicht nur, dass die Lebenserwartung und damit auch die Zahl der Älteren, Alten und Betagten laufend steige, sondern dass die Menschen gesünder und vitaler älter werden. Deshalb gelte es, die Potenziale und Chancen der Menschen auch nach dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben verstärkt zu nutzen. Sie könnten wertvolle Berufs- und Lebenserfahrung einbringen. Da komme es auf jeden Einzelnen an, sagte Balz. Sie wolle dabei  nicht dem Landesprojekt „Langlebigkeit verpflichtet“ das Wort reden, denn Freiwilligkeit im Engagement habe Priorität. Doch was das bürgerschaftliche Engagement betreffe, da nehme Baden-Württemberg einen Spitzenplatz ein, denn die Hälfte der Senioren betätigten sich ehrenamtlich.

Balz betonte, dass es für die Ehrenamtlichen nicht nur darum geht, selbstlos etwas Gutes zu tun, sondern sie wollen der Gesellschaft etwas zurück geben, was sie selbst in ihrem Leben an Positiven erfahren haben. „Wer sich mit seinen Gaben ehrenamtlich einbringt, gewinnt Selbstvertrauen und erwirbt neue soziale Kontakte“, erklärte Balz und erläuterte zahlreiche Betätigungsfelder aus ihrem Wirkungskreis LE speziell in der Seniorenarbeit und Generationen übergreifenden Aktivitäten.

Der Moderator des Nachmittags konnte der Landesseniorenrat-Vizechefin kund tun, dass auch in Heilbronn die ältere Generation in puncto Engagement gut aufgestellt ist. So gibt es nicht nur einen aktiven Kreisseniorenrat, sondern auch ein „Forum Ehrenamt“, dem 55 Vereine und Institutionen angehören, und das am „Tag des Ehrenamtes“ am 5. Dezember im „Haus der Wirtschaft“ eine eindrucksvolle Jubiläumsveranstaltung durchführte. Und da gibt es seit 20 Jahren auch den Verein „Senioren für andere“ (Seniorenbüro) mit zwei Dutzend Arbeitskreisen.

Nicht zuletzt gibt es ja die „Jungen Senioren“, eine Gruppierung, die sich als „Seniorenakademie“ versteht und mit 25 anspruchsvollen Veranstaltungen im Winterhalbjahr, einer hohen Besucherfrequenz von je 40 bis 140 aufgeschlossenen und interessierten Teilnehmer/innen – mit reger Kommunikation in der Kaffeepause – sowie einer beispielhaften Publizität mit breit gestreuten Flyern, regelmäßiger Ankündigung in der Zeitung und zeitnaher Berichterstattung im Internet (www.junge-senioren-heilbronn.de, gelegentlich auch in der Zeitung, und später zusammengefasst in Broschüren, kürzlich von einem Gerontologie-Wissenschaftler als „Spitze in Deutschland“  bewertet wurde. Hier zeigt sich auch das Ideal von Frau Balz, dass der ehrenamtliche Beirat hauptamtlich begleitet wird, von Richard Siemiatkowski-Werner von der Offenen Altenarbeit der Diakonie Heilbronn, der auch veranlasste, dass zum Schluss dieser Veranstaltung ein verdienter Senior, der 91jährige Georg Stadermann, für seine jahrzehntelange Klavier-Begleitung bei allen möglichen Anlässen mit dem Kronenkreuz der württembergischen Diakonie ausgezeichnet wurde – von Dekan Otto Friedrich als Vorsitzender des bei der Diakonie geführten Forums Ehrenamt.