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Bäume und Menschen haben vieles gemeinsam – Eine spirituelle Waldführung am Jägerhaus mit einem Förster-Ehepaar

Veranstaltung am 22. April 2013

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(Foto: Rolf Gebhardt)

„Lehrmeister Wald: uralt und unsagbar weise“. Unter diesem Themenanspruch stand eine alternative und spirituelle Waldführung mit der Heilbronner Stadtförsterin Dr.Gunda Maria Rosenauer und dem Untergruppenbacher Revierförster Jörg Kuebart. An die 100 „Junge Senioren“ folgten dieser Einladung zum Heilbronner Jägerhaus.

Just zu dieser Themenführung stand auf dem Kalender ein weltweiter Aktionstag: Der „Tag der Erde“, der seit 1990 alljährlich am 22. April in 175 Länder begangen wird und die Wertschätzung für die natürliche Umwelt stärken soll. Eine – unausgesprochen – bessere Vorgabe hätte es für Försterin Rosenauer, die auch Diplom-Pädagogin und sowieso vielseitig ausgebildet und erfahren ist, nicht geben könnnen. Sie machte gleich eingangs Parallelen zwischen Bäumen und Menschen deutlich : „Die Herkunft, der Untergrund, ist entscheidend.“

Es gibt nun mal unterschiedliche Voraussetzungen für Entstehung und Heranbildung. Jede Baumart hat andere ideale Standorterfordernisse hinsichtlich Boden- und Umweltbedingungen. Die Buche braucht mehr Schatten, die Eiche mehr Licht, braucht Platz zum Wachsen. Eichen sind Pfahlwurzler, Fichten Flachwurzler. Aber alle Bäume müssen gut verwurzelt sein,um sich voll ausbilden zu können, wobei das Verhältnis von Wurzeln und Kronen in etwa entsprechend ist. Es bedarf der Geduld, wenn Bäume heranwachsen, und sie wachsen ihr Leben lang,  reagieren flexibel auf die Wechselfälle, haben je nach Jahreszeit Stillstands- bzw. Erholungsphasen und erneuern sich ständig, Verletzungen werden „überwallt“, doch gibt es auch Wunden, an denen sie zugrunde gehen.

Die Natur, darauf machte die Försterin besonders aufmerksam, nimmt zuerst – Wasser, Nähstoffe, Sonne – , bevor sie gibt. Und dann kann sie großzügig sein, verschwenderisch. So können von einer  Eiche 40 000 Eicheln abfallen. Bäume leben einzeln, und doch in der Gruppe des Waldes. Der sich gegenseitig beeinflussende Lebensraum ist die Gemeinschaft – für Bäume und Natur wie für die Menschen. Jeder Baum ist für den Wald wertvoll, sei es ein Solitär- oder Pionierbaum oder ein kranker oder umgestürzter Baum. Gerade vermeintlich minderwertiges und kaputtes Holz bietet Heimat für unzählige Lebewesen, Nestbauer und Höhlenbewohner aller Art.

„Das Ökosystem Wald“ beinhaltet einen vernetzten Stoffkreislauf mit verzwickten Nahrungsketten“, erläuterte Förster Kuebart. Bei jeder Buche und Eiche sind hunderte von Käferarten angesiedelt. Die in den Rinden und von den Blättern lebenden Insekten sind unverzichtbare Nahrung für Vögel. Die toten Teile des Waldes dienen vielen Tieren und Pflanzen – Pilzen und Bakterien vor allem – zur Ernährung. Flechten sind Lebensgemeinschaften von Algen und Pilzen. Assimilation und Dissimilation ergänzen sich, halten den Energiefluss im Gang. Zersetzungen sind unentbehrlich für die Mikrowelt des Bodens, in dem pro Quadratmeter Milliarden Mikroorganismen leben und „schaffen“, auch tausende Arten von Milben.

Die Waldführung erstreckt sich auf Teile des Heilbronner Walderlebnispfades, wobei  nicht alle der 17 Stationen der 4 km langen Strecke berührt wurden, wohl aber das in mühevoller Kleinarbeit geschaffene Labyrinth und das attraktive Vogelorgel-Rad, das die Stimmen der Vögel unserer Wälder erklingen lässt, bis hin zu dem in einer Baumscheibe verewigten Plinius-Wort: Die Bäume und der Wald sind das höchste Geschenk, das die Erde den Menschen bietet. Bei so viel Waldmystik durfte ein kultischer Tanz um Bäume bei sphärischer Musik nicht fehlen – ein etwas schwieriges, aber verbindendes Unterfangen bei so vielen Teilnehmer/innen: mit je vier Schritte seitwärts, nach vorn und zurück und Hin- und Herwiegen. Abschluss dann bei Kaffee und Kuchen im Waldhaus.

Hier stand das Försterehepaar für Fragen bereit: Nachhaltigkeit steht im Vordergrund der Bewirtschaftung der Reviere. Beide legen Wert darauf, dass weniger Nutzholz eingeschlagen wird als zuwächst und dass fünf Prozent der Fläche frei gehalten wird für „natürlichen Wald“, der sich selbst überlassen bleibt.Zum Schluss gab Kuebart das muntere Heinz-Erhard-Gedicht von der Made zum Besten und Rosenauer einen ernsten Witz: Treffen sich zwei Planeten im Weltall. Sagt der eine zum anderen, du siehst aber schlecht aus. Entgegnet der, das ist kein Wunder, ich habe Homo Sapiens. Meint der erste, das ist nicht schlimm, das habe ich auch mal gehabt, das vergeht.